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Bylsma, Anner

*Den Haag, 17.2.1934 - †Amsterdam, 25.7.2019, niederländischer Cellist

Anner Bylsma wurde am 17. Februar 1934 in Den Haag geboren. Seinen Taufnahmen Anne Bijlsma ändert der niederländische Cellist schon früh um Verwechslungen mit dem als weiblich interpretierbaren Vornamen zu vermeiden in Anner Bylsma. Bevor er sein Cellostudium am Königlichen Konservatorium seiner Heimatstadt begann, hatte ihn sein Vater unterrichtet. Nach dem Studienexamen nahm er zunächst - wie so häufig für Streichinstrumentalisten - eine Stelle in einem Sinfonieorchester an. Er wurde bald Solocellist an der Niederländischen Oper in Amsterdam. 1959 gewann er den berühmten Pablo-Casals-Wettbewerb in Mexiko, um 28-jährig Solocellist des Amsterdamer Concertgebouws zu werden.

Zugunsten seines Engagements für Kammermusik gab er diese Orchestertätigkeit auf. Mit dem Blockflötisten Frans Brüggen und dem Cembalisten und Organisten Gustav Leonhardt setzte er sich in den Niederlanden massgeblich für eine historische Aufführungspraxis und die sogenannten Originalklangbewegung ein, bei der u. a. Instrumente aus der Entstehungszeit der Musikompositionen gespielt werden.
Zusammen mit der Violinistin Vera Beths, seiner zweiten Ehefrau, gründete er das Ensemble L'Archibudelli, dessen Spieler alle auf historischen Instrumenten, die mit Darmsaiten bespannt sind, und in der tieferen Barockstimmung intoniert werden, musizieren. Das Cellorepertoire, welchem Anner Bylsma sich vorrangig gewidmet hat, reichte von Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Johannes Brahms, Franz Schubert, Felix Mendelssohn-Bartholdy bis zu George Onslow oder Olivier Messiaen.

Anner Bylsma spielte selbst zumeist auf seinem geliebten Barockcello, welches der Italiener Matteo Gofriller 1699 gebaut hat. Als Musikpädagoge unterrichtete Anner Bylsma in Masterclasses in Amsterdam, Den Haag und über die Landesgrenzen hinaus, u. a. an der Berliner Hochschule der Künste, dem Conservatoire de Paris und der Juilliard School in New York.

Insgesamt hat Anner Bylsma der Nachwelt über 200 Tonträgeraufnahmen hinterlassen. Die sechs Solosuiten für Violoncello von Johann Sebastian Bach waren für ihn so etwas wie der Mount Everest der Celloliteratur, den es immer wieder neu zu erklimmen galt. Daher hat er sie ungezählte Male im Konzert aufgeführt und mehrfach auf Tonträger eingespielt - sein interpretatorisches Testament.

Autor: Hermann Herden
Erstellt: 2019