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Ameling, Elly

*Rotterdam, 8.2.1933 - niederländische Sopranistin

Die niederländische Gesangsvirtuosin mit dem Taufnamen Elisabeth Sara Ameling wuchs in einer hochmusikalischen Familie in Rotterdam auf. Früh lernte sie neben Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch. Diese Sprachkenntnisse bildeten eine wichtige Basis für Ihre Karriere als Liedsängerin. Ihr Vater - Uhrmacher von Beruf - finanzierte ihr den Gesangsunterricht bei Jo Bollekamp, sowie bei Sem Dresden und seiner Gattin Jacoba Dresden-Dhont.

1956 gewann sie (23-jährig) bei einem Gesangswettbewerb in 's-Hertogenbosch den renommierten Noordewier-Preis, zwei Jahre später den 1. Preis beim Concours International de Musique in Genf. Durch den Besuch von Meisterkursen bei Bodi Rapp in Den Haag und dem grossen Liedsänger Pierre Bernac in Paris vervollkommnete sie ihre Gesangstechnik und vokale Koloristik im Bereich des französischen und deutschen Kunstlieds.

Schon in jungen Jahren begeisterte sie ihr Publikum als Oratorien-, Konzert- und Liedsängerin. Ihre unverwechselbare Stimme - ein feiner, silbriger Sopran mit klarer Diktion bis in die höchsten Lagen, wohlkontrolliertem Dynamikumfang und eleganter Stimmführung, bei einem faszinierenden Spektrum an Klangfarben - vermochte in einem umfänglichen Gesangsrepertoire zu brillieren. Schnell verbreitete sich die Kunde ihrer außergewöhnlichen Interpretationskunst.
Debut Recitals in Amsterdam (1961), London (1966), New York (1968) bildeten wichtige Stationen ihrer weltweiten Karriere. Sie wurde eine der gefragtesten Sängerinnen in Werken von Bach, Händel, Mozart, und Mendelssohn - um nur die bekanntesten Komponisten zu nennen.

Wohl jeder kundige Klassikliebhaber von Kanada über Japan bis Neuseeland schätzt ihre Aufnahmen, die sie im Bereich des sogenannten Kunstlieds eingespielt hat. Mit dem Bernac-Schüler Gérard Souzay liegen mit ihr unter anderem mustergültige Referenzaufnahmen des Liedschaffens von Gabriel Fauré und Francis Poulenc vor. In ihren Liederrecitals hat sie mit den Pianisten Gerald Moore, Jörg Demus, Dalton Baldwin, Irwin Gage und Rudolf Jansen konzertiert. Die Liste der grossen Dirigenten und ihrer jeweiligen Orchester, die mit Elly Ameling zusammengearbeitet haben, ist lang: Ernest Ansermet, Edo de Waart, Antal Dorati, Carlo Maria Guilini, Benjamin Britten, Istvan Kertesz, Raffael Kubelik, Neville Marriner, Karl Münchinger, Seji Ozawa, Wolfgang Sawallisch und André Previn. Unter dem Amsterdamer Dirigenten Bernhard Haitink hat sie 1968 mit dem Orchester des Concertgebouws in Mahlers vierte Sinfonie eine Referenz-Interpretation geliefert, die 1979 mit gleicher Besetzung erneut auch auf Tonträger aufgenommen wurde. Für ihre Schallplatten erhielt sie mehrfach bedeutende Schallplattenpreise, darunter den niederländischen Edison-Preis und den Grand Prix du Disque. Zudem wurden ihr viermal Ehrendoktorate verliehen.

Königin Juliane verlieh Elly Ameling 1971 den Rittertitel von Oranien-Nassau. Bei der Hochzeit von Prinzessin Christina der Niederlande (1975), als auch bei der Krönungszeremonie von Prinzessin Beatrix (1980) hatte Elly Ameling die Ehre die Feierlichkeiten mit ihrer Gesangskunst künstlerisch zu bereichern. Königin Beatrix zeichnete Elly Ameling 2008 mit dem Orden vom niederländischen Löwen für ihre künstlerischen und pädagogischen Leistungen aus. Für ihren Einsatz um die Pflege und Aufführung des Liedschaffens von Hugo Wolf (1860-1903) hat ihr die Internationale Hugo-Wolf-Akademie in Stuttgart die Hugo-Wolf-Medaille verliehen.

In Anwesenheit von Prinz Claus gab Elly Ameling 1996 im Großen Saal des Amsterdamer Concertgebouw ihr niederländisches Abschiedskonzert. Als begnadete Gesangspädagogin widmet sie sich nach wie vor der Ausbildung und Vervollkommnung von Gesangsstudenten und Studentinnen in internationalen Masterclasses.

Autor: Hermann Herden
Erstellt: 2019