Das niederländische Königshaus


VII. Die „heimlichen Prinzen“: Johan Friso und Constantijn

Hat der Kronprinz wirklich Brüder? Immer wieder – jedenfalls bis zum tragischen Unfall Prinz Johann Frisos im Februar 2012 – wurde wird diese Frage in den Niederlanden gestellt, mal spöttisch, mal staatstragend besorgt. Erst seit sich die Reihe der Thronfolger durch die Geburt von Willem-Alexanders Tochter Catharina-Amalia geändert hat, werden die Stimmen leiser, die sich über die Zurückhaltung der Prinzen Johan Friso und Constantijn bei der Wahrnehmung repräsentativer Aufgaben mokieren. Während Willem-Alexander von klein an auf seine Aufgabe als zukünftiger König vorbereitet wurde, lösten sich seine Brüder bald aus der Enge der königlichen Familie. Beide lebten bis zum Februar 2012 in London und bekleideten führende Funktionen bei international operierenden Unternehmen. Nur zu ganz besonderen Anlässen, etwa dem Königinnentag, nahmen die Prinzen an öffentlichen Veranstaltungen teil.

Beatrix und Claus mit Familie
Beatrix und Claus mit Willem-Alexander, Constantijn und Johan Friso, Quelle: RVD/Koninklijk Huis

„Für diese Zurückhaltung haben sich die jüngeren Mitglieder des Königshauses bewusst entschieden, da sie großen Wert darauf legen, ihr Leben und ihre berufliche Laufbahn nach eigenen Vorstellungen zu gestalten“, heißt es lakonisch auf der offiziellen Website des Königshauses. Von Johan Friso wurde sogar der Satz kolportiert: „Ihr könnt Willem-Alexander verprügeln, aber schlagt ihn nicht tot, denn sonst muss ich König werden.“ Kritiker sahen in der Verweigerung der beiden Prinzen, sich als „Reservekönige“ zu begreifen, stets die Gefahr, im Falle des plötzlichen Todes des Thronfolgers seien weder Johan Friso noch Constantijn ausreichend auf ihre Rolle als Staatsoberhaupt vorbereitet – zumal beide das Recht, einen Platz im Staatsrat zu beanspruchen, nicht wahrnehmen. Dagegen steht der Wunsch ihrer Eltern, den Prinzen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und ihnen nicht die Rolle der ewigen Kandidaten zuzuweisen.

Herzen der Niederländer zurückerobern

Einen vorläufigen Abschluss fand die Diskussion 2003, nachdem deutlich wurde, dass Johan Friso nach seiner Hochzeit mit Mabel Wisse Smit im April 2004 aus dem Königshaus ausscheiden wird. Dieser Entscheidung ging eine Affäre voraus, die als Beispiel für die Distanz der Prinzen zur Institution Königshaus dienen kann. Königin Beatrix hatte zu Beginn des neuen Jahrzehnts eine „Charmeoffensive“ verordnet. Die Popularität des Königshauses war in den vorangegangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Die „königlichen Sieben“ – Beatrix, Willem-Alexander und Maxima, Constantijn und seine Frau Laurentien sowie Johan Friso und seine Partnerin Mabel Wisse Smit – sollten die Herzen der Niederländer zurückerobern.

Den Frauen der Prinzen kam bei diesem Vorhaben eine besondere Bedeutung zu. Denn mit ihnen zogen Weltläufigkeit, Charme und Wärme in das als kühl und unnahbar geltende Haus Oranien-Nassau ein. Alle drei kommen aus prominenten Familien, studierten Wirtschaft und Politik und machten internationale Karrieren. Sie repräsentieren ein modernes und emanzipiertes Bürgertum. Doch dann wurde bekannt, dass Mabel Wisse Smit vor ihrer Verbindung mit Johan Friso mehrfach zusammen mit Hollands bekanntestem Gangster, dem 1991 erschossenen Drogenhändler Klaas Bruinsma, gesegelt und auf dessen Boot übernachtet hatte. Zunächst schienen solche Enthüllungen kein Hindernis für einen Beitritt Mabels zum Königshaus zu sein. Doch das Paar, das für die Hochzeit die Zustimmung des Parlaments benötigte, gab die frühere Beziehung der Braut in mehreren Gesprächen mit Ministerpräsident Jan Peter Balkenende nur bruchstückhaft zu.

Machtkampf zwischen Königshaus und Regierung

Aus einer Klatschgeschichte wurde ein Machtkampf zwischen Königshaus und Regierung. Kühl erklärte Ministerpräsident Balkenende am 10. Oktober 2003 während einer vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz, das Paar habe die Regierung nicht nur nicht vollständig, sondern auch falsch über die Vergangenheit der Braut informiert. „Die Affäre ist schädlich für das Königshaus.“ Die Regierung verweigerte der Heirat ihre Zustimmung und fand breite Unterstützung im Parlament. „Wir wurden abgeschlachtet“, kommentierte die schockierte Mabel die Aussagen Balkenendes. Immer weitere Details wurden bekannt, so auch ihre vormalige Liebesbeziehung zum ehemaligen bosnischen UN-Botschafter Muhammed Sacirbey, der in New York der Unterschlagung von Hilfsgeldern verdächtigt wurde.

Königin Beatrix war von der Entwicklung schockiert. Wenige Monate zuvor hatte sie die Verlobung des Prinzen bekannt gegeben: „Ich bin besonders froh darüber, mit ihr [Mabel] eine liebe und begabte Schwiegertochter zu bekommen, die ihren Platz in unserer Familie auf natürliche Weise erobert hat.“ Nun musste die Königin der Auffassung des Ministerpräsidenten folgen. Wie schon zwei Schwestern der Königin wird nun auch ihr Sohn aus dem Kreis derer ausscheiden, die die Niederlande offiziell repräsentieren. Johan Friso verliert wenig, denn aus den Staatsgeschäften hatte er sich ohnehin zurückgezogen. Das Ansehen der Krone und ihr Verhältnis zur Regierung bleiben jedoch beschädigt. Ministerpräsident Balkenende beendete die Affäre diplomatisch mit einem Brief an das Parlament, in dem er feststellte: „Der zukünftige geregelte Umgang von Frau Wisse Smit im persönlichen Umkreis des Staatsoberhaupts wird keine Folgen für die Sicherheit und die Integrität des Staatsoberhauptes haben.“

Autor: Karsten Polke-Majewski
Erstellt: April 2004
Aktualisiert: Februar 2013


Links

Wichtige Institutionen im Bereich Monarchie finden Sie unter Institutionen

Personen

Informationen zu Personen im Bereich Monarchie Personen A-Z

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Themenberichs Monarchie finden Sie unter Bibliographie


  • RSS-Feed
  • Facebook
  • Twitter
  • RSS-Feed

Impressum | © 2015 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel.: +49 251 83285-16 · Fax: +49 251 83285-20
E-Mail: