Das niederländische Königshaus


VI. Prinz Willem-Alexander und Máxima Zorreguieta

Das „Vaterdrama“ ist überwunden. Monatelang beherrschte die „Frage Zorreguieta“ die niederländische Presse. Durfte Kronprinz Willem-Alexander die Tochter eines hochrangigen Funktionärs des argentinischen Diktators Jorge Vileda heiraten? Spätestens mit der Hochzeit 2002 hat Máxima Zorreguieta ihre Kritiker von ihrer Befähigung zur künftigen Königin überzeugt. „Eine spontane Braut. Ein verliebter Bräutigam. Ein Volk zu ihren Füßen. Ein goldener Kuss“, jubelte das Nachrichtenmagazin Elsevier. Die Krone erstrahlt in neuem Glanz. Die warmherzige Prinzessin hat auch dem Thronanwärter zu neuem Ansehen verholfen. Anders als Königin Beatrix, anders auch als Prinz Johan Friso und seine Partnerin Mabel Wisse Smit, sind Willem-Alexander und Máxima unbeschädigt aus dem königlichen Krisenjahr 2003 gegangen. Die Geburt ihrer Tochter Catharina-Amalia brachte einen krönenden Abschluss.

Prinz Willem-Alexander und Maxima
Prinz Willem-Alexander und Prinzessin Máxima, Quelle: RVD/Koninklijk Huis

Prinz Willem-Alexander, 1967 als erstes Kind von Beatrix und Prinz Claus geboren, galt lange Zeit als wenig königlich. Leicht übergewichtig, gerne feiernd und in intellektuellen Debatten öfter ungeschickt agierend wurde er zur Zielscheibe der Satire. „Prinz Pils“, spotteten einige Zeitungen. Doch längst hat Willem-Alexander solche Allüren abgelegt. Als Vorsitzender des Weltwasserforums, das 2000 in Den Haag zum zweiten Mal stattfand, machte er sich als Fachmann in Umweltfragen einen Namen. Gleiches gilt inzwischen für seine Arbeit im Internationalen Olympischen Komitee. Dennoch erwarten Beobachter gespannt, wie Willem-Alexander die Monarchie gestalten wird, nachdem seine Mutter die Krone an ihn weitergereicht hat. Bekannt ist, dass der Kronprinz den distanzierten Stil seiner Mutter ablehnt und eher dem leichteren seiner Großmutter Juliana zuneigt. Mit Máxima an seiner Seite könnten Gefühle wie Wärme, Anhänglichkeit oder Zuneigung mehr Bedeutung gewinnen. Bereits heute baut Willem-Alexander mit selbst geschossenen Fotos vom gerade geborenen Nachwuchs am Bild des volksnahen Prinzen.

"Sie heiratet nicht nur mich, sie heiratet ein ganzes Land“

Schon warnen manche, die „Magie der Krone“ könne verloren gehen, wenn das Volk sich zu genau in seinem zukünftigen König und seiner Familie wieder erkenne. Doch die große Popularität der jungen Familie und die Selbstverständlichkeit, mit der die Herkunft Máximas nach der Hochzeit im Volk vergessen wurde, sprechen für die Linie des Prinzen. Alt-Ministerpräsident Wim Kok hat daran einen wichtigen Anteil. Dem Sozialdemokraten fiel es in seiner letzten Amtszeit zu, eine diplomatische Lösung für die „Frage Zorreguieta“ zu finden. Kok schickte heimlich einen Vertrauten nach Argentinien, der dort in Archiven und Gesprächen mit Zeugen die Verwicklung der Familie Zorreguieta in die Gewalttaten der Diktatur Videla untersuchte. Während der Junta-Herrschaft Videla von 1976 bis 1983 waren bis zu 30.000 Argentinier verschwunden und umgebracht worden. Jorge Zorreguieta, der Vater Máximas, war zwischen 1979 und 1981 Staatssekretär für Landwirtschaft in der Regierung Videla. Später wurde er zum führenden Unterhändler Argentiniens bei den Verhandlungen über die Welthandelsorganisation. Obwohl Menschenrechtsgruppen dem Staatssekretär vorwarfen, „Blut an den Händen“ zu haben, konnte die offizielle Untersuchung dies nicht nachweisen. Sie stufte Zorreguieta vielmehr als fachlichen „Technokraten“ ein. Dennoch blieb Zorreguieta der Hochzeit seiner Tochter auf Betreiben Koks fern. Máxima selbst verließ früh Argentinien und zog mit 25 Jahren nach New York. Dort arbeitete die studierte Ökonomin für verschiedene internationale Banken. Seit ihrer Hochzeit 2002 musste sie sich auf das kontrollierte Leben einer zukünftigen Königin einstellen. „Seit meiner frühesten Erinnerung weiß ich, was es bedeutet, König zu sein. Dass es ein beinahe unmenschliches Opfer ist, das ich meine Frau bitte zu bringen. Denn sie heiratet nicht nur mich, sie heiratet ein ganzes Land“, zitierte der Pfarrer in seiner Hochzeitsansprache Willem-Alexander.

Mit der Heirat hat ein neues Denken am Hof Gewicht gewonnen. Mehrmals schon hat der Prinz betont, das Königshaus müsse immer wieder modernisiert werden; jede Institution müsse mit der Zeit gehen. Ob er allerdings soweit denken würde wie sein Vater, bleibt offen. Der hatte einmal gesagt: „Für die Monarchie werde ich nicht auf die Barrikaden gehen.“ Aber Barrikaden sind in der niederländischen Geschichte auch die seltene Ausnahme.

Autor: Karsten Polke-Majewski
Erstellt: April 2004
Aktualisiert: Februar 2013


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