V. Resümee

Blickt man zurück auf den Empfang, der den drei deutschen Prinzgemahlen im 20. Jahrhundert in den Niederlanden zuteil wurde, dann fällt auf, dass bei allen Dreien ihre deutsche Herkunft eine problematische Rolle spielte, dass aber die damit zusammenhängenden Spannungen nur von kurzer Dauer waren. Bei Prinz Heinrich waren diese Spannungen sogar schon vorüber, als die Wahl auf ihn gefallen und die Familie Kaiser Wilhelms II. erfolgreich umschifft worden war. Soweit Heinrich anfänglich Versuche unternahm, in politischen Angelegenheiten mitzureden, wurde ihm dieser Weg schon bald von seiner Ehefrau abgeschnitten, sodass von ihm keinerlei Einfluss ausging. Bei Prinz Bernhard und Prinz Claus war die Sache beim Empfang schwieriger, ohne dass dies jedoch mit der Person selbst zusammenhing. Durch die Betonung von Bernhards familiär-regionalen Wurzeln und die Vernachlässigung seiner Nationalität hoffte die niederländische Regierung, kritische Reaktionen unter der Bevölkerung zu vermeiden und Berlin auf höfliche Weise auf Distanz halten zu können. Diese „Entdeutschung“ Bernhards sowie einige Vorfälle verursachten jedoch in Berlin eine harte Reaktion, woraufhin die Niederlande einlenkten und die bilateralen Spannungen abebbten. Der Empfang der Person Bernhards als Deutscher in den Niederlanden war hingegen weitgehend unproblematisch. Sieht man von einigen hochgezogenen Augenbrauen auf der Linken ab, konnte man mit Blick auf die Hochzeit eher von einer Feststimmung sprechen, und es gab keine ernst zu nehmenden Misstöne. In dieser Hinsicht hatte Claus von Amsberg es zweifellos am schwersten. Wie auch bei Bernhard wurde bei ihm der Versuch unternommen, ihn zu „entdeutschen“, was seinen skurrilen Höhepunkt in dem Vorschlag von Außenminister Luns fand, seinen Vornamen zu ändern. Besonders in der Anfangszeit sah sich Claus mit einem Chor antideutscher Klänge konfrontiert, nicht selten gespickt mit einer Dosis niederländischen moralischen Hochmuts. Im Gegensatz zu Bernhard und Heinrich, die in der Öffentlichkeit in den deutsch-niederländischen Beziehungen nie eine bedeutende Rolle gespielt haben, leistete Claus viele positive Beiträge zur Verringerung der niederländischen Empfindlichkeit mit Blick auf Deutschland.

Mit dem Tode Prinz Claus’ (2002) hat die lange Tradition deutscher Prinzgemahle am niederländischen Hof vorläufig ein Ende gefunden. Im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten, in denen auch viele andere Mitglieder der niederländischen statthalterlichen und (seit 1815) königlichen Familie eine deutsche Frau oder einen deutschen Mann heirateten, hat zur Zeit kein Mitglied der königlichen Familie einen deutschen Ehepartner oder eine deutsche Ehepartnerin. Sollten sich in der Zukunft doch wieder angeheiratete Prinzen oder Prinzessinnen aus dem Osten präsentieren, brauchen sie angesichts der inzwischen grundsätzlich gewandelten deutsch-niederländischen Beziehungen keine Wiederholung der Erfahrungen der Prinzgemahle des 20. Jahrhunderts zu befürchten.


Autor: Friso Wielenga
Erstellt: Februar 2010