Monarchie - Personen A-Z



Wilhelm von Oranien - der ,Schweiger’

*Dillenburg, 24. April 1533 - Delft, 10. Juli 1584 - Unabhängigkeitskämpfer

Wilhelm von Oranien
Wilhelm von Oranien Porträt um 1579, Quelle: Wikimedia Commons

Wilhelm von Oranien, der ,Vater des Vaterlands’, steht am Anfang der neueren niederländischen Geschichte. Die erste Strophe von Het Wilhelmus, dem ,Wilhelmslied’ aus dem 16. Jahrhundert, seit 1932 offizielle Niederländische Nationalhymne, fasst die Bedeutung Wilhelms für die Konstruktion einer niederländischen nationalen Identität zusammen. Das vielstrophige religiös-patriotische ,volkslied’ verherrlicht mit biblischen Anspielungen die unabhängigen, freien Niederlande als neues Jerusalem, dessen Befreiung von der Tyrannei des katholischen Habsburg-Spanien als göttliche Geschichtsmission im Kampf zwischen Gut und Böse dargestellt wird. Mit der komplexen historischen Rolle des nassauischen Edelmannes Wilhelm von Oranien im Zeitalter der Reformation hat dies wenig zu tun.

Geboren am 24. April 1533 auf dem Nassauischen Stammsitz Dillenburg, erbte Wilhelm von Nassau 1544 die Güter seines Vetters René von Châlon, des Prinzen von Oranien, des Statthalters von Holland, Zeeland und Utrecht. Dazu gehörten das Fürstentum Orange sowie Besitzungen in den Niederlanden. Karl V. entschied persönlich, den lutherischen Wilhelm, nun Prinz von Oranien, am Hof in Brüssel von seiner Schwester, der Generalstatthalterin Maria von Ungarn, katholisch erziehen zu lassen. 1551 heiratete Wilhelm Anna von Egmont, Tochter Maximilians von Egmont, des Grafen von Büren.Seit 1555 war Wilhelm Mitglied des Staatsrates. Im Januar 1556 nahm ihn Karl V. in den Orden vom Goldenen Vlies auf, erkannte damit seinen Rang als Standesherr sowie seine Nähe zum kaiserlichen Regiment an. Anna von Egmont starb bereits 1558, nachdem sie drei Kinder geboren hatte.

Angesichts der zunehmenden Konflikte mit Philipp II. in Finanz- und Kirchenfragen wirkte die zweite Heirat Wilhelms mit der lutherischen Anna von Sachsen 1561 wie eine Provokation. Seit 1561 gehörte Wilhelm mit dem Grafen Egmont zur Führung der hochadligen Opposition gegen die kirchenpolitischen und zentralistischen Maßnahmen Philipps II. Er führte den Widerstand gegen den besonders verhassten Kardinal Antoine P. de Granvelle, den politischen Berater von Philipps Generalstatthalterin in Brüssel, Margarete von Parma. Seine Bemühungen um vermittelnde konfessionelle und politische Positionen trugen ihm den Beinamen ,der Schweiger’ ein. Die Bilderstürme des Jahres 1566 und die spanische Reaktion, die Entsendung des Grafen Alba, 1567 bis 1573, machten endgültig klar, dass für eine vermittelnde Politik der konfessionellen und regionalen Pluralität unter dem Dach der spanischen Habsburgerherrschaft kein Spielraum bestand. Wilhelm zog sich mit der Ankunft des Herzog Albas auf seinen Stammsitz zurück, um von dort aus den Widerstand zu organisieren. 1568 ließ Alba die aufständischen Grafen Egmont und Hoorn hinrichten. Erst die Eroberung Den Briels durch die Geusen am 1. April 1572 brachte eine Wende im Aufstand.1573 schloss sich Wilhelm den Calvinisten an.Nach Rückschlägen, aber auch Siegen im holländischen Städtekampf und persönlichen Schicksalsschlägen wie dem Tod seiner Brüder Ludwig und Heinrich 1574 unternahm Wilhelm 1576 in der Pazifikation von Gent nach zehn Jahren blutigen Bürgerkriegs den Versuch einer Einigung der niederländischen Provinzen auf der Grundlage von Religionsfreiheit und eines Abzugs der spanischen Truppen.

Doch ließ sich die Religionsfreiheit nicht durchsetzen. Im Dezember 1577 starb Oraniens zweite Frau, Anna von Sachsen. Aus der noch vor Annas Tod geschiedenen Ehe waren vier Kinder hervorgegangen. Die dritte Ehe Wilhelms mit der Hugenottin Charlotte von Bourbon (1546 oder 1547-1582) war wiederum ein politisches Zeichen, das vor allem auf die französischen Emigrantenkreise seine Wirkung nicht verfehlte. Nachdem sie sechs Töchter geboren hatte, starb Charlotte von Bourbon im Mai 1582. Als sich 1579 die endgültige Rückeroberung der südlichen Niederlande durch den neuen Statthalter Alexander Farnese abzeichnete, schloss sich Wilhelm widerstrebend der Utrechter Union an. Er hatte die Teilung des Landes stets zu vermeiden gehofft, die nun durch den Bund der Nordprovinzen besiegelt wurde. Im April 1583 heiratete Wilhelm Louise de Coligny, die verwitwete Tochter des Hugenotten-Admirals Gaspard de Coligny. Aus dieser vierten Ehe ging der spätere Statthalter und Oberbefehlshaber der See- und Landmacht Frederik Hendrik (1584-1647) hervor. 1584 boten die Provinzen Zeeland und Holland dem Oranier den Grafentitel an, jedoch wurde Wilhelm am 10. Juli 1584 von Balthasar Gérard im Prinzenhof zu Delft erschossen. Die Trauer um den unbestrittenen moralischen und politischen Führer des Aufstandes vereinigte nochmals die nördlichen und südlichen Niederlande und bekräftigte den nationsstiftenden Mythos vom ,vader des vaderlands’.

Autor: PD Dr. Rolf-Ulrich Kunze
Erstellt: April 2007


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Monarchie finden Sie unter Bibliographie

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Haitsma Mulier, E.O.G. (Hrsg.): Willem van Oranje in de historie, 1584-1984, Utrecht 1984.

Kikkert, J.G.: Willem van Oranje. Soesterberg 2006.

Klink, H.: Opstand, politiek en religie bij Willem van Oranje. Een thematische biografie, Heerenveen 1998.

Lademacher, Horst (Hrsg.): Oranien-Nassau, die Niederlande und das Reich. Beiträge zur Geschichte einer Dynastie, Münster 1995.

Romein, J.: Willem van Oranje 1533-1584. De bevrijder, in: Erflaters van onze beschaving, Amsterdam 1979.

Roosbroeck, R.v.: Willem van Oranje, Den Haag 1978.

Schenk, M. G.: Willem de Zwijger, Baarn 1984.

Swart, K.W.: Willem van Oranje en de Nederlandse Opstand 1572-1584, Den Haag 1994.

Links

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