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König Wilhelm III.

*Brüssel, 17. Februar 1817 - Het Loo, 23. November 1890

Willem III.
König Wilhelm III., Quelle: Wikimedia Commons

König Wilhelm III. herrschte in einer Phase beginnenden sozioökonomischen und soziopolitischen Wandels in den noch wenig industrialisierten und von der Fundamentalpolitisierung erst teilweise erfassten Niederlanden, deren Modernisierungsrückstand gegenüber dem z.T. hochindustriellen Belgien und insbesondere gegenüber den preußischen Westprovinzen immer augenfälliger wurde. Doch kann man im Hinblick auf die Art und Weise, in der er seine Zeit prägte, nicht von einer Epoche Wilhelms III. in der niederländischen Geschichte sprechen, wie C.A. Tamse betont hat. Wilhelm III. war der Monarch einer Übergangszeit. Verfassungspolitisch musste er einen Modus finden, die konstitutionelle Monarchie auf der Grundlage der Verfassung Johan Rudolf Thorbeckes von 1848 in eine politische Praxis umzusetzen, die sowohl dem konstitutionellen Rahmen wie auch seinem Anspruch als Monarch gerecht wurde. Dieser Prozess war spannungs- und krisenreich, wozu seine autoritären Neigungen erheblich beitrugen.

Geboren am 17. Februar 1817 in Brüssel als Sohn König Wilhelms II. und seiner russischen Frau Anna Paulowna, der Schwester des Zaren Alexander I., erlebte Prinz Wilhelm in seiner Kindheit und Jugend die gravierenden Auseinandersetzungen zwischen seinem von romantischer Umtriebigkeit gekennzeichneten Vater und seinem Großvater, König Wilhelm I., dem autoritären Modernisierer des neuen Königreichs der Niederlande. Am 18. Juni 1838 heiratete Prinz Wilhelm seine Nichte, Sophie von Württemberg. Sie war die Tochter König Wilhelms I. von Württemberg und Catharina Paulownas, der Schwester von Anna Paulowna. Die Ehe mit der ehrgeizigen und hochintelligenten Sophie, die sich mit einer passiv-dekorativen Rolle an der Seite des Monarchen nicht abfinden wollte, verlief weder glücklich noch harmonisch. Wilhelm hatte zahlreiche außereheliche Affären, u.a. mit der Pariser Opernsängerin Leonora d’Ambre. Alle drei Söhne von Wilhelm und Sophie starben: der 1840 geborene Willem 1879; der 1843 geborene Maurits 1850; der 1851 geborene Alexander 1884. 1877 starb Sophie. Am 7. Januar 1879 heiratete Wilhelm III. die junge Prinzessin Emma von Waldeck-Pyrmont (1858-1934). Aus dieser Ehe ging eine Tochter, die am 31. August 1880 geborene, spätere Königin Wilhelmina hervor.

Es war für Wilhelm III. schwierig, seine Rolle in der „Evolution der Monarchie“ zu finden, von der C.A. Tamse gesprochen hat. Als er seinem überraschend verstorbenen Vater 1849 nachfolgte, waren die europäischen Monarchien erschüttert vom ,Völkerfrühling’ und der revolutionären sozialen sowie nationaldemokratischen Drohung ,von unten’. Thorbeckes Verfassung war ein Instrument, die Kräfte der Bewegung und die der Beharrung politisch zum Ausgleich zu bringen; jedoch lehnte sich Wilhelm III. in den ersten zwanzig Jahren seiner Herrschaft immer wieder gegen die Schranken des konstitutionellen Systems, vor allem gegen die Zweite Kammer, auf. Durch das latente Machtungleichgewicht zugunsten des Parlaments gefährdete er durch seinen oft polternden Eigensinn langfristig die Monarchie. Zum Aushandeln taktischer Kompromisse war Wilhelm, der nicht mehr so regieren konnte wie sein autoritärer Großvater, nur bedingt befähigt. Auch außenpolitisch musste er immer wieder seine Grenzen erfahren, so u.a. in der Luxemburg-Frage, die 1867 auf der Londoner Konferenz geregelt wurde.

In der Zeit Wilhelms III. vollzog sich die ,Versäulung’ der niederländischen Gesellschaft in gegeneinander abgeschottete sozialmoralische Milieus. Es entstand je eine calvinistisch-orthodoxe, katholische, sozialistische und liberale Säule mit jeweils eigener Partei, eigenen Medien und milieutragenden Institutionen ,von der Wiege bis zur Bahre‘, die das Leben in den Niederlanden bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts nachhaltig prägten. Die Besonderheit des 1879 mit der Gründung der Antirevolutionären Partei (ARP) von Abraham Kuyper (1837-1920) entstehenden modernen niederländischen Parteienspektrums war seine Polarisierung nach der so genannten ,Antithese‘, die zwischen christlich-konfessionellen und nichtkonfessionellen Gesellschaftsgruppen und ihren Parteien unterschied. Diese Antithese und die gemeinsamen Interessen von Protestanten und Katholiken im Schulstreit führten 1888 zum ersten Mal in der niederländischen Geschichte zu einer christlichen Regierungsmehrheit. Seit den frühen 1880er Jahren organisierte sich die niederländische Arbeiterbewegung. 1894 entstand die Sociaal-Democratische Arbeiderspartij (SDAP), die ihrem Milieu Emanzipationschancen innerhalb ihrer Säule bot. Im Unterschied zu den oranientreuen und kraft der ,Antithese‘ bereits weitgehend in die politische Nation integrierten Katholiken gehörten die Sozialisten unter ihrem Führer Pieter Jelles Troelstra (1860-1930) zu den Kritikern der Monarchie. Zu diesem Umfeld gehörte auch der Schriftsteller Sicco Ernest Willem Roorda Van Eysinga (1825-1887). Er veröffentlichte 1887 anonym eine Spottschrift über König Wilhelm III. unter dem Titel „ Uit het leven van koning Gorilla“ (Den Haag 1887), deren respektloser Enthüllungsstil das oranientreue Lager aufs äußerste empörte.

Autor: Rolf-Ulrich Kunze
Erstellt: April 2007


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Monarchie finden Sie unter Bibliographie

Roorda Van Eysinga, Sicco Ernest Willem: Uit het leven van koning Gorilla, Amsterdam 2002 (kommentierter Nachdruck der Ausg. 1887).

Tamse, C.A. : Koning Willem III en Sophie, in: ders. (Hrsg.): Nassau en Oranje in de Nederlandse geschiedenis, Alpen aan den Rijn 1979, S. 307-357.

Kikkert, J.G.: Koning Willem III, Utrecht 1990.

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