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König Wilhelm II.

*Den Haag, 6. Dezember 1792 - Tilburg, 17. März 1849

König Wilhelm II.
König Wilhelm II., Quelle: Wikimedia Commons

Wenn es in den Niederlanden einen ,Romantiker auf dem Thron’ gegeben hat, dann war es König Wilhelm II. Der Sohn des autoritären Modernisierers König Wilhelm I. war ein unsteter, begeisterungsfähiger, zu Verschwörungen neigender Mann, der nie ein rechtes Verhältnis zum holländischen Herrschaftskern des Vereinten Königreichs zu finden wusste. Das wesentliche Verdienst des Helden von Waterloo ist wohl darin zu sehen, dass er der Verfassungsreform des liberalen Johan Rudolf Thorbecke 1848 letztlich nicht im Wege stand und den Übergang zur modernen konstitutionellen, tendenziell parlamentarischen Monarchie ermöglichte. Ein starker Monarch mit einer prägenden Interpretation der Herrschaftstradition der Oranier war Wilhelm II. nicht.

Geboren am 6. Dezember 1792 in Den Haag als Sohn des späteren Königs Wilhelm I. und der Prinzessin Wilhelmina von Preußen, floh Wilhelm vor der Batavischen Republik mit seinen Eltern zunächst nach England, dann nach Preußen. Am dortigen Hof erhielt er seine entscheidenden Prägungen und verinnerlichte vor allem die preußische Wertschätzung alles Militärischen. An diesem Maßstab maß er später als Heerführer und Kriegsminister seine niederländische Umgebung: zumeist zu Ungunsten der letzteren, vor allem im Hinblick auf die militärische Organisation und Effizienz. Wilhelm erhielt eine militärische Ausbildung im königlich-preußischen Heer, die er in der englischen Armee unter dem Herzog von Wellington in Spanien im Kampf gegen die Bürgersoldaten Napoleons in der Praxis erproben konnte. Mit seiner soldatischen Einstellung war der Herzog sehr zufrieden.

1813 kehrte er in die Niederlande zurück, in denen sein Vater mittlerweile als erster souveräner Monarch aus dem Hause Oranien-Nassau herrschte. 1815 kam seine große Stunde als Feldherr. Als niederländischer Befehlshaber in der Schlacht von Waterloo erwarb sich ,Slender Billy’, so sein englischer Spottname, Ruhm auf dem Schlachtfeld, den er später politisch auszunutzen versuchte. Die mit Wilhelm 1813/1814 verlobte englische Thronprinzessin Charlotte Augusta, Tochter des späteren englischen Königs George IV., löste die Verlobung auf und heiratete Leopold von Sachsen-Coburg-Gotha, den späteren König Leopold I. von Belgien. Prinz Wilhelm heiratete im Februar 1816 die Tochter des russischen Zaren Paul I., Anna Paulowna. Die beiden bekamen vier Söhne und eine Tochter. Der älteste Sohn, der spätere König Wilhelm III, wurde am 17. Februar 1817 geboren.

Das Verhältnis zu seinem Vater war und blieb spannungsreich, was vor allem an der politischen Naivität Prinz Wilhelms lag. Als Kriegsminister mied der Prinz den Regierungssitz Den Haag zugunsten des ihm sympathischeren Brüssel. 1816 konspirierte er mit Exil-Franzosen, deren Ziel die Absetzung der restaurierten Bourbonenmonarchie in Frankreich war und die Wilhelm Aussicht auf die Nachfolge König Ludwigs XVIII. gemacht hatten. Die südlichen Niederlande sollten zu Frankreich kommen. Als der über seine Schwester informierte Zar Alexander I. den Verschwörungsplan bei König Wilhelm I. bekannt machte, kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen dem König und dem Thronfolger. Wilhelm ließ sich bereits 1820 wiederum in eine Verschwörung gegen den französischen König verstricken. In den komplexen Abläufen der belgischen Revolution von 1830 spielte Wilhelm eine Rolle, die, wie J.A. Bornewasser urteilt, einem historischen Roman Ehre machen würde. König Wilhelm I. schickte seinen Sohn an der Spitze eines niederländischen Heeres in den Süden, um die Ordnung wiederherzustellen, was – aus Sicht des Nordens – gründlich misslang. Der sich nun ,belgisch’ darstellende Held von Waterloo versuchte am 16. Oktober 1830, sich an die Spitze des belgischen statebuilding zu setzen und empfahl sich den revoltierenden, durch die Sprachen- und Kirchenpolitik seines Vaters in die Revolution getriebenen Belgiern als ihr Thronkandidat. Das Ergebnis war der Ausschluss aller Mitglieder des Hauses Oranien-Nassau vom Thron für alle Zeit.

Prinz Wilhelm zog sich für einige Zeit nach London zurück. Bornewasser charakterisiert seine Einstellung im Zusammenhang der belgischen Frage von 1830 als Mischung aus „Tapferkeit, Impulsivität, Unberechenbarkeit und innerem Zwiespalt“. Damit ist die ganze Persönlichkeit beschrieben. Am 7. Oktober 1840 folgte Prinz Wilhelm seinem Vater auf den Thron. Nicht zuletzt die monarchiegefährdende Dynamik der Revolution von 1848/49 in Europa brachte König Wilhelm II. dazu, Thorbecke bei der überfälligen Neugestaltung der Verfassungsordnung weitgehenden Handlungsspielraum zu überlassen. Ein Liberaler mit Verständnis und Wertschätzung für die Mechanismen der checks and balances wurde der König dadurch allerdings durchaus nicht. Er stand diesem Prozess lediglich nicht im Weg. Wilhelm II. starb am 17. März 1849 in Tilburg.

Autor: Rolf-Ulrich Kunze
Erstellt: April 2007


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Monarchie finden Sie unter Bibliographie

Alberts, A.: Koning Willem II, ’s-Gravenhage 1964.

Bornewasser, J.A. : Koning Willem II, in: C.A. Tamse (Hrsg.): Nassau en Oranje in de Nederlandse geschiedenis, Alphen aan den Rijn 1979, S. 273-305.

Kikkert, J.G.: De misstappen van een koning: Willem II, Soesterberg 2002.

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