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König Wilhelm I.

*Den Haag, 24. August 1772 - Berlin, 12. Dezember 1843

König Wilhelm I.
König Wilhelm I., Quelle: Wikimedia Commons

König Wilhelm I. von Oranien-Nassau verstand sich anders als seine Statthalter-Vorgänger als souveräner Fürst des neuen, auf dem Wiener Kongress entstandenen Königreichs der Niederlande. Er verkörperte einen autoritären Stil der Modernisierung und des nationbuilding von oben, und genau daran sollte er letztlich scheitern. Die regionalen und konfessionellen Verschiedenheiten des Landes sperrten sich gegen die Etablierung eines Einheitsstaates mit starker monarchischer Führung.

Geboren am 24. August 1772, war der spätere König Wilhelm I. der erste Sohn des Statthalters Wilhelm V. und der Prinzessin Wilhelmina von Preußen. Vor der französischen Invasion floh Wilhelm V. mit seiner Familie nach England. Der Erbprinz Wilhelm bemühte sich um preußische Hilfe gegen Frankreich. Damit gescheitert, ließ er sich auf Verhandlungen mit Napoleon ein. Wilhelm erhielt 1802 als Kompensation u.a. säkularisiertes kirchliches Gebiet im zuvor fürstbischöflichen Fulda und errichtete hier einen straff geführten Miniaturmusterstaat. 1806 wurde Fulda französisch besetzt, Wilhelm wich nach Preußen aus. Nach langem Warten und politischer Sammlungsarbeit durch den pro-oranischen vormaligen Rotterdamer Ratspensionär Gijsberg Karel van Hogendorp (1762–1834) ging Wilhelm am 30. November 1813 bei Scheveningen an Land. Am 2. Dezember 1813 präsentierte er sich in Amsterdam nicht als Statthalter ,Wilhelm VI.‘, sondern als König Wilhelm I. Wilhelms Ziel war es, zentralistische, ständisch-altniederländische, oranische und aufgeklärt-bürokratische Traditionen in einem modernen Einheitsstaat zu verbinden. Er knüpfte auch an die nationale Bewegung der Patriotenzeit vor 1795 an, um eine ,nationalisierte‘ Monarchie zu gestalten. Vom Gelingen dieses Konzepts hing auch in den Mächtebeziehungen einiges ab. Das neue Königreich in seiner Verfassung von 1815 hatte mit der flandrischen Kanalküste wichtige Funktionen in der Mächtebalance. In der konstitutionellen Monarchie sah Wilhelm keine Einhegung seines Herrschaftsrechts als Souverän. Rationale Verwaltung ging ihm über alles.

Daher ließ Wilhelm die Übertretung seiner Verwaltungsanordnungen 1818 unter Strafe stellen. Sein Herrschaftsstil war der des ,Verordnungskönigs‘, dessen Normierungseifer das Königreich durch die Macht von Paragraphen und Zahlen einigen sollte. 1814 gründete der „koopman-koning“ die Niederländische Bank; er förderte die industrielle Entfaltung Flanderns und die Handelsbeziehungen Hollands; er baute Kanäle und Straßen.

Im Bereich der Sprachen- und Kirchenpolitik stieß Wilhelms Modernisierungsimpetus auf Grenzen. Zuerst scheiterte die Durchsetzung des Niederländischen vollständig an der katholisch-frankophilen Ausrichtung nicht nur der kulturellen, sondern auch der industriellen Eliten im Süden. Die Kirchenpolitik des Königs trug ihm bittere Niederlagen ein. Im eigenen konfessionellen Lager ging er gegen die orthodoxen calvinistischen Erweckten an, in denen er nur Aufrührer gegen die vernünftige Ordnung der nationalen Mehrheitskirche, der Nederlandsche Hervormde Kerk, sah. Seine Vision war eine niederländische Nationalkirche, die auch die zu drei Vierteln römisch-katholischen Untertanen umfassen sollte. Diese kulturkämpferische Haltung gegenüber den Katholiken trug zu deren Radikalisierung, zur Revolution und Abspaltung des Südens vom Königreich in der Revolution von 1830 bei, an deren Ende ein moderner belgischer Staat stand. Mit der verschleppten staatsrechtlichen Anerkennung des neuen Königreichs Belgien und seiner Verweigerung gegenüber den erforderlichen Verfassungsreformen im verkleinerten Königreich besiegelte Wilhelm sein politisches Schicksal. Mit seiner Abdankung am 4. September 1840 erkannte er das Scheitern seines Versuchs an, die Niederlande nach eigenen Vorstellungen zu formen. Kurz vor seiner Abdankung hatte Wilhelm zudem die Öffentlichkeit durch den Plan einer nichtstandesgemäßen Ehe mit einer belgischen, römisch-katholischen Hofdame seiner verstorbenen Frau provoziert, den er nach der Abdankung in Berlin verwirklichte. Dort starb er am 12. Dezember 1843.

Autor: Rolf-Ulrich Kunze
Erstellt: April 2007


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Monarchie finden Sie unter Bibliographie

Bornewasser, J.A. : Kirche und Staat in Fulda unter Wilhelm Friedrich von Oranien 1802-1806, Nijmegen/Fulda 1956.

Bornewasser, J.A. : Wilhelm I, in: Nassau en Oranje in de Nederlandse geschiedenis, Alphen aan den Rijn 1979, S. 231-272.

Kikkert, J.G.: Geld, macht & eer: Willem I, koning der Nederlandes en Belgen, 1772-1843, Utrecht 1995.

Sas, N.C.F. van: De metamorfose van Nederland. Van oude orde naar moderniteit, 1750-1900, Amsterdam 2004.

Tamse, C.A. : Plaats en functie van de Nederlandse monarchie in de negentiende eeuw, in: Ders.: De Monarchie in Nederland, Amsterdam/Brüssel 1980, S. 89–132.

Velde, Henk te: Nederlands nationaal besef vanaf 1800, in: T. Zwaan u.a. (Hrsg.): Het Europees labyrint. Nationalisme en natievorming in Europa, Meppel/Amsterdam 1991, S. 173–188.

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