Monarchie - PERsonen A-Z



Maurits von Oranien

*Dillenburg, 13. November 1567 - Den Haag, 23. April 1625

Moritz von Oranien
Maurits von Oranien, Quelle: Wikimedia Commons

Prinz Maurits war der Sohn eines großen Vaters, und an diesem wurde er gemessen. Jedoch kam ihm eine andere historische Rolle zu als dem ,vader des vaderlands’. Das Überleben des alles andere als stabilen politischen Experiments der Republik der Vereinigten Niederlande unter der Führung der Oranier im konfessionell und vor allem mächtepolitisch zerklüfteten Europa zur Zeit der Konfessionskriege war ganz wesentlich ihm zu verdanken, der die Gründung seines Vaters militärisch gegen wesentlich stärkere Gegner konsolidierte. Maurits war weniger Staatsmann als Kriegsheld; so sah ihn jedenfalls seine eigene Zeit.

Geboren 1567 auf der Dillenburg als Sohn Wilhelms I. und der lutherischen Anna von Sachsen, wuchs Maurits vorwiegend auf dem nassauischen Stammsitz auf, bevor ihn sein Vater 1577 in die Niederlande holte. Wie bei so vielen Mitgliedern des Hauses Oranien-Nassau bis in das 20. Jahrhundert soll im Niederländischen sein deutscher Akzent hörbar geblieben sein. Das Verhältnis zu seiner Stiefmutter, Louise de Coligny, seines Vaters vierter Ehefrau, blieb auch nach dessen Ermordung 1584 gespannt. Deren Frankophilie entfremdete sie dem Stiefsohn. 1585 wurde Maurits Statthalter von Holland und Zeeland, später auch von Utrecht, Geldern und Overijssel. Zum Generalstatthalter beriefen die Provinzen allerdings nicht ihn, sondern mit Rücksicht auf Königin Elisabeth I. von England den englischen Grafen von Leicester. Als dieser den in ihn gesetzten Erwartungen im Kampf gegen Spanien nicht entsprach, ernannten die Staaten von Holland im Januar 1587 Maurits zum Generalkapitän des Heeres der niederländischen Provinzen.

Sein weiteres Schicksal hing von seinem militärischen Erfolg ab. Der war bei Maurits kein Zufall. Er entwickelt sich zum Heeresreformer. Krieg war für Maurits kein Abenteuer unter Landsknechten, sondern eine auf Rationalität und Erfahrung beruhende, kalkulierbare Praxis. Dabei ließ er sich natur- und technikwissenschaftlich belehren, studierte die Festungsarchitektur sowie althistorische Quellen, um seine Kenntnisse über die Kriegführung zu verbessern. Er führte die Ausbildung seiner Soldaten ein, deren Sieg nicht dem Zufall oder der Gnade Gottes überlassen bleiben sollte. Trotz, oder vielmehr: gerade aufgrund dieses modernen Zuges zur militärischen Professionalisierung blieb Maurits in seinen militärischen Entscheidungen ein ausführendes Organ
der Generalstaaten, denen die Effizienz ihres Feldherrn bald unheimlich wurde. Daraus erwuchsen Spannungen zwischen Maurits, dem holländischen Oberbefehlshaber, und dem ersten Mann der größten Provinz, dem Landesadvokaten von Holland, Johan van Oldenbarnevelt (1547-1619). Das war der typische Konflikt zwischen einem mächtigen Regenten aus dem Kreis der provinziellen und städtischen Eliten Hollands und Frieslands auf der einen und einem Vertreter des Hauses Oranien auf der andern Seite, der die Republik bis 1795 begleiten sollte.

Oldenbarnevelt artikulierte die Mentalitäten der patrizischen Regenten, vor allem deren Skepsis gegenüber allzu großer Verselbständigung der Vertreter des Hauses Oranien. Aus dieser Haltung sprach eine, wie Horst Lademacher bemerkt hat, geradezu frühliberale Kritik an jedweder Obrigkeit und ihrem Streben nach mehr Macht und mehr Geld. Maurits, dessen Macht und Einfluss als Statthalter und oberster Befehlshaber auf dem fortdauernden Krieg mit Spanien beruhten, sah das anders, und seine Abhängigkeit von der Finanzierung und politischen Willensbildung der Generalstaaten ließ den Dauerstreit mit Oldenbarnevelt eskalieren. Dazu trug Maurits’ militärischer Ruhm bei. Zwischen 1590 und 1597 wurden 43 Städte und 55 Festungen erobert. Berühmt wurde sein Schlag gegen Breda, 1590. Die Verhandlungen über einen Waffenstillstand mit Spanien 1609, vor allem aber Oldenbarnevelts Position in einem Bekenntnisstreit in den niederländischen Kirchen zwischen Orthodoxen und weniger orthodoxen Calvinisten, die Oldenbarnevelt schützte, boten Maurits den Vorwand zum Staatsstreich gegen die Regentenpartei. Maurits ließ Oldenbarnevelt 1619 nach einem Prozess wegen Hochverrats ermorden. Mit diesem Durchgreifen mag er den Bürgerkrieg zwar verhindert haben. Bei einem Teil der Bevölkerung, vor allem bei den mächtigen Regentendynastien in den Städten und Provinzen, machte er sich aber verhasst und bestätigte deren tiefes Misstrauen gegen das Haus Oranien-Nassau. Er starb am 23. April 1625 in Den Haag. Er hinterließ uneheliche Kinder, aber keinen Nachfolger.

Der strukturelle Interessenkonflikt zwischen den Oraniern als Kriegs- und den Regenten als Friedenspartei setzte sich unter Maurits’ Nachfolgern im Statthalteramt, Fredrik Hendrik (1625–1647) und Wilhelm II. (1647–1650) fort.

Autor: Rolf-Ulrich Kunze
Erstellt: April 2007


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Monarchie finden Sie unter Bibliographie

Deursen, A.Th. van: Maurits, in: C.A. Tamse (Hersg.): Nassau en Oranje in de Nederlandse geschiedenis, Alphen aan den Rijn 1979, S. 83-109.

Deursen, A.Th. van: Maurits van Nassau, 1567-1625. De winnar die faalde, Amsterdam 2000.

Knapen, B.: De man en zijn staat. Johan van Oldenbarnevelt 1547–1619, Amsterdam 2005.

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