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Königin Juliana

*Den Haag, 30. April 1909 - Soestdijk 20. März 2004

Königin Juliana
Königin Juliana, Quelle:  Wikimedia Commons

Der enorme politische, soziale und kulturelle Wandel zwischen 1948 und 1980 bildete sich in Stil und Selbstverständnis einer Königin ab, die sich von einer ,heldenhaften‘ Mutter unterscheiden wollte. Fast bis zu ihrem 40. Lebensjahr hatte Wilhelmina das Leben ihrer am 30. April 1909 in Den Haag geborenen Tochter nahezu absolut beherrscht. Vom Schulunterricht auf Huis ten Bosch bis zum Studium in Leiden zwischen 1927 und 1930, u.a. auch bei Johan Huizinga, wurde Juliana stark isoliert. An der Verbindung Julianas mit dem deutschen Prinzen Bernhard von Lippe-Biesterfeld 1937 war Wilhelmina maßgeblich beteiligt. Nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande wurde Juliana über London nach Ottawa, Kanada, evakuiert. Prinz Bernhard machte eine Karriere bei der englischen Royal Air Force und wurde am 13. September 1944 zum Oberbefehlshaber der niederländischen Streitkräfte, ernannt. Im April 1945 war Juliana ihrer Mutter nach Breda gefolgt.

Juliana geriet in den 1950er Jahren in die Kritik aufgrund des Einflusses, den die ,Heilerin‘ Greet Hofmans (1892–1968) seit 1948 in Soestdijk ausübte. Anders als die niederländischen Printmedien berichtete „Der Spiegel“ im Juni 1956 über die Affäre. Die sich als Medium verstehende Hofmans hatte Juliana versprochen, die 1947 geborene, sehbehinderte Prinzessin Marijke durch ihre Kräfte zu heilen. Anfänglich hatte Bernhard diesen Versuch unterstützt. Hofmans hatte das Vertrauen Julianas und bezog sogar ein Zimmer auf Palais Soestdijk. Da bei Marijke keine Heilung eintrat, verlor Hofmans das Vertrauen Bernhards und am Hof entstand eine Pro- und eine Anti-Hofmans-Partei, die zugleich eine Pro-Bernhard und Anti-Bernhard-Partei war. 1950 musste die Heilerin Soestdijk verlassen, hielt aber weiterhin Kontakt zu Juliana. Hofmans spiritueller Einfluss wurde mit Julianas Ablehnung der Todesstrafe in Verbindung gebracht, als Juliana sich 1952 gegen die Absicht der Regierung wandte, das Urteil an dem deutschen Kriegsverbrecher Willy Lages vollstrecken zu lassen. Juliana drohte mit Abdankung. Schließlich gab das Kabinett unter Willem Drees nach und wandelte das Todesurteil in lebenslängliche Haft um. Willy Lages wurde 1966 aus der Haft entlassen. Auch Bernhard erwog im Zusammenhang mit der Hofmans-Frage vorübergehend eine Trennung von Juliana und gefährdete damit seinerseits den Bestand der Monarchie.

Als Juliana am 5. September 1948 ihrer Mutter auf den Thron gefolgt war, hatten sich die Niederlande mitten in einem kolonialen Rückeroberungskrieg in Indonesien befunden. Bereits am 27. Dezember 1949 musste Juliana die Übertragung der Souveränität an die Republik Indonesien auf einer Konferenz in Amsterdam anerkennen. Julianas Integrationskraft wurde schon bald erneut herausgefordert. 1949 gaben die Niederlande ihre Neutralitätspolitik auf und wurden Mitglied der NATO. 1957 gehörten die Niederlande zu den Gründungsmitgliedern der EWG. Im Februar 1953 traf eine Flutkatastrophe das Land. Im Mündungsdelta von Rhein, Maas und Schelde kamen durch das seltene Zusammentreffen einer Springflut mit einem schweren Nordweststurm in der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 1953 über 1.800 Menschen um. Die Lehre aus der Katastrophe war die Realisierung des Delta-Projekts, dessen Ziel, die Sturmflutsicherheit des Rhein-Maas-Schelde-Deltas, 1987 erreicht wurde.

In den 1950er Jahren setzte Juliana durch ihre Auftritte u.a. in den USA pazifistische Akzente, die wenig zur noch jungen NATO-Mitgliedschaft ihres Landes passten und die Regierung in Den Haag in Erklärungsnot gegenüber den USA brachten. Überhaupt hatte Juliana ausgeprägt individualistische Züge. Es war die Monarchin selbst, die Traditionen in Frage stellte. In der kollektiven Erinnerung blieb, dass sie ,gewoon‘ sein wollte. Juliana fuhr Fahrrad und verzichtete auf die Anrede ,Hare Majesteit‘. Statt dessen ließ sie sich mit ,mevrouw‘ anreden. Seit 1949 wurde Julianas Geburtstag, der 30. April, als Koninginnedag begangen. Anders als ihre Mutter Wilhelmina suchte Juliana die Öffentlichkeit. Auf Palais Soestdijk nahm sie eine jährliche ,Blumenhuldigung‘ entgegen, die seit Mitte der 1950er Jahre auch im Fernsehen übertragen wurde und die königliche Familie in die Wohnzimmer brachte.

Die Folgen einer seit Ende der 1950er Jahre entschlossen vorangetriebenen sozialstaatlichen Erneuerung ließen eine neue Funktion der Monarchie erkennen: die repräsentative Integration. Julianas mütterlicher Stil, ihre Freundlichkeit und Unperfektheit machten sie bei den meisten Niederländerinnen und Niederländer beliebt. Gefährlich für den Fortbestand der Monarchie war die Lockheed-Affäre Mitte der 1970er Jahre. Prinz Bernhard, von 1970 bis 1976 Generalinspekteur der Streitkräfte, wies man die Verwicklung in Unkorrektheiten bei der Flugzeugbeschaffung nach. Der politische Druck zwang Bernhard zur Niederlegung insbesondere der militärischen Funktionen. Julianas Drohung mit Abdankung trug dazu bei, eine strafrechtliche Untersuchung zu verhindern. Das diskrete politische Management des linken Reformkabinett unter Premier Joop den Uyl trug dazu bei, eine Verfassungskrise zu verhindern. 1980 dankte Juliana zugunsten ihrer Tochter Beatrix ab. Juliana verstarb auf Soestdijk am 20. März 2004.

Autor: Rolf-Ulrich Kunze
Erstellt: April 2007


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Monarchie finden Sie unter Bibliographie

Beunders, H. : Regina vivat! Regie vivat? In de publicitaire monarchie is de liefde tussen volk en vorst als het leven zelf, in: C.A. Tamse (Hrsg.): De Monarchie in Nederland, Amsterdam/Brüssel 1980, S. 128-130.

Daalder, H. : Drees en Soestdijk: over de zaak-Hofmans en andere crises, Amsterdam 2006.

Lammers, F.J. : Juliana: een leven in dienst van Nederland, Baarn 2004.

Ronteltap, R. : Koningin Juliana. Ongewoon gewoon, Baarn 2004.

Schenk, M.G./Herk, M. van: Juliana, vorstin naast de rode loper, Amsterdam 1980.

Links

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