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Prinz Friso

*Utrecht, 25. September 1968 - Den Haag, 12. August 2013 - Prinz von Oranien-Nassau

Friso vor Mühle
Prinz Friso im Jahr 2008, Quelle: RVD/Koninklijk Huis

Johan Friso Bernhard Christiaan David von Oranien-Nassau von Amsberg lautete sein Name offiziell. Den meisten war er allerdings als (Prinz) Friso bekannt. Am 25. September 1968 wurde der mittlere von drei Söhnen der damaligen Kronprinzessin Beatrix und ihres deutschen Ehemannes Claus von Amsberg in Utrecht geboren. Gemeinsam mit seinen Brüdern Willem Alexander (1967) und Constantijn (1969) wuchs Friso bis 1981 auf Schloss Drakensteyn in Lage Vuursche auf – dem Ort, an dem seine sterblichen Überreste nur 44 Jahre nach seiner Geburt beigesetzt werden sollten. Als seine Mutter Beatrix 1980 zur Königin gekrönt wurde, zog die Familie ins Schloss Huis ten Bosch nach Den Haag um. Dort besuchte Friso die öffentlichen Schulen in Baarn und Den Haag, auf der Kinder aller sozialen Schichten unterrichtet wurden. 1986 schloss er die Schule mit der Hochschulreife ab.

Studium

Der Website des niederländischen Königshauses zufolge studierte Prinz Friso von 1986 bis 1988 Maschinenbau an der Universität von Berkeley in Kalifornien. Im Anschluss daran absolvierte der flugzeugbegeisterte Prinz ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der Technischen Universität Delft, das er 1994 mit dem Ingenieurs-Diplom abschloss.

Parallel dazu studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Erasmus Universität in Rotterdam, wo er 1995 auch promovierte. Danach arbeitete Friso bis 1996 bei der internationalen Unternehmensberatung McKinsey in Kalifornien. 1997 begann er ein weiteres Studium an der Business School INSEAD im französischen Fontainebleau, das er mit dem er mit dem MBA-Titel abschloss.

Nach seiner Ausbildung war der niederländische Royal unter anderem Vizepräsident für Investmentbanking bei der Bank Goldman Sachs in London. Seit 2011 arbeitete er als CFO für das britische Nukleartechnologieunternehmen Urenco Stoke Poges in Buckinghamshire. Gesellschaftliches Engagement übernahm er als Ehrenvorsitzender des Prins Claus Fonds sowie als Schirmherr der holländischen Mühlenvereinigung.

Heirat mit Folgen

Seine spätere Frau lernte der Prinz im Jahr 2000 auf einer Party seines jüngeren Bruders Constantijn in Brüssel kennen. Der bis dahin eher als unauffällig geltende Prinz verliebte sich ausgerechnet in die schillernde Mabel Wisse Smit, die „blond und adrett, blitzgescheit und ehrgeizig“ war wie er – aber auch „mit einem Hang zu falschen Männern ausgestattet“[1]. Gerade erst hatte die studierte Ökonomin und Politikwissenschaftlerin ihre Beziehung mit Muhamed Sacirbey beendet. Der ehemalige bosnische Außenminister war wegen Betrugs angeklagt. Gegen Klaas Bruinsma allerdings – einen 1991 erschossenen holländischen Drogenbaron und Chef eines Verbrechersyndikats, der angeblich seine Gegner und Feinde ermorden und in Zement gießen ließ – wirkte Sacirbey fast wie ein Waisenknabe. Mit Bruinsma war Mabel als Studentin liiert gewesen. Dass Mabel diese Beziehung zu vertuschen versuchte, veranlasste das niederländische Parlament, der Eheschließung des Prinzen mit dieser Bürgerlichen nicht zuzustimmen.

Am 24. April 2004 heirateten die beiden trotzdem, nachdem Prinz Friso zuvor auf den zweiten Platz in der niederländischen Thronfolge und damit auf den Titel „Prinz der Niederlande“ verzichtet hatte. Aus diesem Grund war er seitdem auch nicht länger ein offizielles Mitglied des Königshauses. Den persönlichen Titel Prinz von Oranien-Nassau jedoch, der einhergeht mit dem Prädikat Königliche Hoheit, durfte er nach einem königlichen Beschluss vom 19. März 2004 behalten. Gleichzeitig wurde ihm der vererbbare Titel Graf verliehen, weshalb auch seine beiden Töchter nunmehr Gravinnen van Oranje-Nassau van Amsberg sind.

Lawinenunglück 2012

Im Schicksalsjahr 2012 erlangte Prinz Friso traurige Berühmtheit. Recherchiert man über den Prinzen im Internet, stellt man schnell fest: Fast alle Berichte und YouTube-Einspielungen handeln von jenem 17. Februar, an dem Prinz Friso ins Koma fiel (NiederlandeNet berichtete). Damals ging die Nachricht vom Lawinenunglück in den österreichischen Alpen wie ein Lauffeuer um die Welt. Das Drama ereignete sich, nachdem der 43-Jährige mit seinem langjährigen Freund und Gastgeber in Lech, Florian Moosbrugger, trotz der zweithöchsten Lawinenwarnstufe 4 in ein freies, ungesichertes Gelände eingefahren war. Ein Schneebrett riss den Prinzen mit, fast einen halben Meter türmten sich die Schneemassen über den Sohn von Königin Beatrix. Weil der zweifache Familienvater ein Verschüttetensuchgerät mit sich trug, konnte ihn sein Begleiter, der sich dank eines Lawinenrucksackes selbst hatte retten können, nach etwa 25 Minuten ausgraben.

Durch den langen Sauerstoffmangel und einen sich anschließenden 50-minütigen Herzstillstand erlitt Friso, der als Lieblingssohn von Königin Beatrix galt, weitreichende Hirnschäden. Im März wurde der Schwerverletzte, der sich seit dem Skiunglück im Wachkoma befand, vom Innsbrucker Landeskrankenhaus an seinen Wohnort London verlegt, wo er in einer Privatklinik weiterbehandelt wurde. Da seine Familie den Prinzen näher an ihrer Seite haben wollte, verlegte man ihn im Juli 2013 dann weiter in den königlichen Paleis Huis ten Bosch in Den Haag (NiederlandeNet berichtete). Frisos Gesundheitszustand hatte sich bis dahin nicht weiter verbessert – er war weiterhin besorgniserregend –, weshalb zwar keine Krankenhausbehandlung mehr notwendig war, der Prinz aber weiterhin ständig überwacht und von einem medizinischen Team versorgt werden musste. Nur gut einen Monat später, am 12. August, verstarb Prinz Friso an den Folgen des Skiunglücks und den durch den Sauerstoffmangel hervorgerufenen Hirnschädigungen, wie das königliche Haus in einer Verlautbarung mitteilte.[2] Was letztendlich die konkrete Todesursache war – oftmals versterben Wachkomapatienten an Komplikationen wie Lungenentzündungen, Lungenembolien oder Infektionen der Harnwege – ist allerdings nicht deutlich.

Gemutmaßt wurde kurz nach dem Tod ebenfalls, dass das Leben des Prinzen mittels der in den Niederlanden unter bestimmten Voraussetzungen erlaubten Sterbehilfegesetze beendet wurde. Hierzu müsste Friso vor seinem Unfall im Februar 2012 jedoch bereits seine Einwilligung hierzu gegeben haben und er im Wachkoma nachweislich unerträglich gelitten haben. Beides ist jedoch unwahrscheinlich.[3]

Der komatöse Zustand, indem sich Friso nach dem schweren Unglück Anfang 2012 befand, löste bereits zuvor im zweiten Halbjahr 2012 eine Debatte um passive Sterbehilfe aus. In den Niederlanden wird bei Patienten, die sechs Monate und länger im Koma liegen, darüber nachgedacht, die Sterbehilfe einzuleiten, wenn es keine Chance mehr gibt, dass der Patient je wieder aus dem Koma aufwachen könnte. Als die ersten Monate im Koma ohne eine Verbesserung des Gesundheitszustandes vergangen waren, stellt sich auch hier die Frage nach Sterbehilfe, denn ob er jemals wieder zu Bewusstsein kam, war nach Ansicht der Ärzte fraglich.

Beisetzung im engsten Familienkreis

Seine letzte Ruhestätte findet Prinz Friso auf dem Friedhof der Stulpkerk im Touristendorf Lage Vuursche – in unmittelbarer Nähe zu Schloss Drakensteyn. Dort, wo er bis zu seinem zwölften Lebensjahr gewohnt hat und wo seine Mutter nach der Renovierung des Schlosses wieder einziehen wird. Beatrix wollte Ihren mittleren Sohn ganz dicht bei sich haben, weshalb sich die Familie auch gegen die Tradition entschied und die sterblichen Überreste Frisos nicht in der Gruft unter der Neuen Kirche in Delft beisetzen lies (NiederlandeNet berichtete). Als Grabstätte hat sich die Familie jenen Platz auf dem Friedhof ausgesucht, der am nächsten zum Schloss gelegen ist.

Die Trauerfeier fand im engsten Kreis von Familie und Freunden statt. Etwa 100 Personen nahmen an dem Gedenkgottesdienst in der Stulpkerk und der anschließenden Beisetzung teil. Die Presse und die Öffentlichkeit waren von den Feierlichkeiten ausgeschlossen – lediglich einige wenige Fotos und Fernsehbilder hatte das Königshaus im Nachhinein freigegeben. Der Sarg mit dem Leichnam Frisos wurde von seinen beiden Brüdern und vier engen Freunden von der Kirche zum Grab getragen. Dies zierte nach Ende der Beerdigung etwa 50 Kränze und Blumengebinde.

Den Trauergottesdienst leitete Pfarrer Carel ter Linden, der als enger Bekannter der königlichen Familie gilt. Ter Linden bezeichnete den Verstorbenen in seiner Ansprache als besonderen und aufrichtigen Menschen, der von seinen Freunden für seine Unabhängigkeit gelobt und als guter Berater angesehen wurde.[4] „Friso konnte sehr direkt sein und auf seine Meinung pochen“, so Ter Linden weiter. „Je vertrauter seine Umgebung jedoch war – ich denke nur an die Männergesellschaft der Familie, in der er aufwuchs – desto offener und direkter konnte er sein. Bewusst darüber, dass man sich gegenseitig nie fallen lassen würde. […] Da konnte er ganz er selbst sein: selbstsicher, herausfordernd, manchmal zynisch.“ Außerhalb seiner Familie war Friso aber anders, wie Mabel es dem Pfarrer erzählt haben soll. „Da war er freier, offener, traute sich mehr, seine Emotionen zu zeigen. Denn die gab es – so verschlossen wie er manchmal wirkte – sehr wohl.“

Nach dem Tod seines Vaters Prinz Claus im Oktober 2002, mit dem Friso eine ganz besondere Beziehung gehabt hatte, ließ Friso seinen Gefühlen viel mehr Raum, wie einer der beiden Brüder gegenüber dem Pfarrer erwähnte. Und auch die Geburt der beiden Töchter Luana (2005) und Zaria (2006) habe Friso sehr verändert: „So wie er von der Zeit mit ihnen genießen konnte und alles mit ihnen unternahm: Spiele mit Luana, Bücher mit ihr lesen, technische Dinge bauen mit Zaria, Flugzeuge, Vulkane. Und mit beiden Schnitzeljagden unternehmen“, so Caral ter Linden während des Gedenkgottesdienstes.

Vor dem Skiunglück führte der Prinz mit den Töchtern und seiner Frau ein glückliches Familienleben im Londoner Nobelviertel Notting Hill. Die Englische Hauptstadt wählte die Familie, um ein unauffälliges Leben führen zu können. Friso, der im Umgang mit der Öffentlichkeit sehr scheu und distanziert war, konnte sich dort frei auf der Straße bewegen, ohne erkannt zu werden. Von seiner Frau Mabel soll Friso einmal gesagt haben: „Mit Mabel wird es nie langweilig. Jeder Tag mit ihr bringt etwas Neues. Niemand hat bisher so viel Einfluss auf mein Leben gehabt wie sie“[5]. Sie kümmerte sich um das gesellschaftliche Leben des Paares und engagierte sich in diversen Charity-Organisationen. Auch stand sie als Direktorin der von Nelson Mandela gegründeten Hilfsorganisation The Elders vor. Ein Job, den sie nach dem Unfall kündigte, um sich ganz ihrem Mann widmen zu können.


[1] Gala vom 1. März 2012.
[2] Zijne Koninklijke Hoogheid Prins Friso overleden, in: koninklijkhuis.nl vom 12. August 2013, Onlineversion.
[3] Prinz Frisos Tod „nicht geplant, aber gewünscht“?, in: focus.de vom 13. August 2013, Onlineversion.
[4] Dominee Ter Linden: 'Friso kon heel direct zijn', in: volkskrant.nl vom 16. August 2013, Onlineversion.
[5] Gala vom 1. März 2012.

Autor: Cornelia Ganitta und Online-Redaktion
Erstellt: Februar 2013
Aktualisiert: August 2013


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