Monarchie - Personen A-Z


Prinz Claus

*Dötzingen, 6. September 1926 - Amsterdam, 6. Oktober 2002

Prinz Claus 1970
Prinz Claus 1970, Quelle: Wikimedia Commons

In besonderer Weise verkörpert Prinz Claus die deutsch-niederländische Verständigung im 20. Jahrhundert. Seine Bereitschaft, sich niederländische Perspektiven zu eigen zu machen, sein Engagement in globalpolitischen Entwicklungsfragen und seine Art, die Rolle des Ehemanns neben, oft auch hinter einer starken Königin wahrzunehmen, hat ihm ein bleibendes Ansehen eigener Art in den Niederlanden verschafft.

Geboren als Klaus-Georg Wilhelm Otto Friedrich Gerd von Amsberg, einziger Sohn von Klaus Felix von Amsberg und Gosta von Amsberg, Freiin von dem Bussche-Haddenhausen, am 6. September 1926 in Dötzingen bei Hitzacker an der Elbe, zog Klaus von Amsberg mit seiner Familie 1928 nach Tanganyika, dem ehemaligen Deutsch-Ostafrika, seit 1922 Teil Britisch-Ostafrikas. Dort hatte sein Vater eine Stellung auf einer Kaffeplantage angenommen.

Von 1933 bis 1936 besuchte er in Bad Doberan, Mecklenburg, die Schule. Zwischen 1936 und 1938 war er Schüler eines Internats in Lushoto, Tanganyika; zwischen 1938 und 1943 des Internats Baltenschule in Misdroy, Pommern. 1943 kehrte er an die Bad Doberaner Schule zurück, bevor er 1943/44 als Marinehelfer bei Kiel die generationstypische Erfahrung der Mobilisierung für den ,totalen Krieg’ teilte. Ab Januar 1944 leistete Klaus von Amsberg für zwei Monate Arbeitsdienst in Königsberg/Neumark. Im Juli 1944 erhielt er in Bad Doberan sein Kriegabschlußzeugnis. Darauf folgte die Einberufung zur Wehrmacht. Im März 1945 wurde von Amsberg zur 90. Panzerdivision nach Italien verlegt. An Gefechtshandlungen nahm er nicht mehr teil und geriet bei Meran in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im September 1945 wurde er in ein amerikanisches Kriegsgefangenenlager bei Amersham in England verlegt. Im Dezember 1945 war er zurück in Hitzacker. In der Entnazifizierung der britischen Zone wurde von Amsberg, der Jungvolk- und HJ-Mitglied gewesen war, als „nicht betroffen“ eingestuft.

Erst auf Umwegen, u.a. musste er 1947 in Lüneburg sein Abitur nachholen, gelang die Aufnahme des Studiums der Rechtswissenschaft Ende 1948 in Hamburg. 1952 legte er das erste, nach der Referendarzeit 1956 das zweite juristische Staatsexamen ab. 1957 bestand von Amsberg die Aufnahmeprüfung für den Auswärtigen Dienst des Auswärtigen Amtes. Von 1958 bis 1961 war er in der Dominikanischen Republik, von 1961 bis 1963 in der Elfenbeinküste im deutschen diplomatischen Dienst tätig. Von1963 bis August 1965 war von Amsberg im Auswärtigen Amt in der Abteilung Wirtschaftliche Beziehungen mit Afrika südlich der Sahara im Auswärtigen Amt in Bonn beschäftigt. Am 28. Juni 1965 wurde die Verlobung mit der Thronfolgerin, Prinzessin Beatrix, bekanntgegeben. Gegen die Verbindung der beiden wurde in den Niederlanden, kaum zwanzig Jahre nach dem Ende der deutschen Besatzung, erheblicher Protest laut. Nicht wenigen Niederländern schien ein Mitglied des Königlichen Hauses, das Hitlerjugend- und Wehrmachtsuniform getragen hatte, unvorstellbar. Die Erste und Zweite Kammer stimmten der Eheschließung jedoch zu. Am 10. März 1966 fand die Hochzeit im Amsterdam statt. Sie wurde von ,Provo’-Protesten und –aktionen überschattet begleitet. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor: Prinz Willem-Alexander, geboren 1967; Prinz Johan Friso, geboren 1968, und Prinz Constantijn, geboren 1969.

Prinz Claus bemühte sich, seine diplomatische und entwicklungspolitische Kompetenz weiterhin einzusetzen, geriet dabei aber immer wieder an die engen Grenzen des konstitutionellen Systems, das ihm jede aktive politische Mitgestaltung versagte. Sein Wirken beschränkte sich auf beratende Funktionen, u.a. beim Entwicklungsministerium. Nach der Thronübernahme von Beatrix am 30. April 1980 übernahm Prinz Claus zahlreiche repräsentative gesellschaftliche Ämter, wobei er Schwerpunkte bei Denkmalpflege und Umweltschutz setzte. Dass er in seinen vielfältigen Repräsentationspflichten als ein modernisierungsoffener und handlungsorientierter Ex-Diplomat nicht aufging, schien einen latent depressiven Grundzug zu verstärken, der bereits in den frühen 1980er Jahren manifest wurde. Zahlreiche Krankheiten und notwendige operative Eingriffe seit Ende der 1990er Jahre führten zu einem Bild eines leidenden, aber extrem disziplinierten Ehemannes an der Seite der Königin, der seinen repräsentativen Pflichten bis über die Grenze des Zumutbaren hinaus gerecht zu werden wusste. Als Prinz Claus nach langer Krankheit am 6. Oktober 2002 in Amsterdam verstarb, war die Trauer in der niederländischen Öffentlichkeit überwältigend. Klaus von Amsberg, der in seinen letzten Lebensjahren deutsch mit niederländischem Akzent sprach, hat es geschafft, nicht nur Mitglied des Königlichen Hauses, sondern ein positiver Teil der kollektiven niederländischen Erinnerung zu werden.

Autor: Rolf-Ulrich Kunze
Erstellt: April 2007


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Monarchie finden Sie unter Bibliographie

Lammers, F.J.: Claus - Prins in de schaduw van de troon. Met een historische blik op de positie van zijn voorgangers, Baarn 2002.

Westerloo, E. van: Prins Claus 1926-2002. Omstreden, verguisd, geliefd, betreurd, Den Haag 2002.

Links

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Weitere Informationen in unserem Dossier Königshaus


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