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Prinz Bernhard

*Jena, 28. Juni 1911 - Utrecht, 1. Dezember 2004

Prinz Bernhard 1963
Prinz Bernhard 1963, Quelle: NA (915-2590)

Prinz Bernhard von Lippe-Biesterfeld gehört zu den vielbewunderten, aber auch stets umstrittenen Mitgliedern des Königlichen Hauses. Seine Rolle im Zweiten Weltkrieg, seine Verwicklung in die monarchiegefährdenden Affären um Greet Hofmans in den 1950er und Lockheed in den 1970er Jahren wie auch sein extravargantes Privatleben sorgten bis über seinen Tod 2004 hinaus für Diskussionen und Spekulationen.

Geboren als Bernhard Graf zur Lippe-Biesterfeld am 28. Juni 1911 in Jena als ältester Sohn des Prinzen Bernhard von Lippe, wurde er erst 1913 Prinz von Lippe-Biesterfeld, nachdem die Ehe seiner Eltern vom Chef des Hauses als standesgemäß anerkannt worden war. Die Kindheit verbrachte er im ostpreußischen Reckenwalde. Auf den Internatsschulbesuch in Züllichau folgte das Gymnasium in Berlin. 1929 erwarb er das Abitur. Bernhard studierte Jura in München, Lausanne und Berlin.1935 trat er in den Dienst der I.G. Farben, für deren Pariser Vertretung er tätig wurde. Er gehörte der SA und Reiter-SS an. Das Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie fand auch Belege für seine Mitgliedschaft in der NSDAP. Am 8. September 1936 verlobte er sich mit der Thronfolgerin, Prinzessin Juliana. Beim Zustandekommen dieser Verbindung hatte Königin Wilhelmina im Hintergrund eine aktive Rolle gespielt. Nach der Verleihung der niederländischen Staatsbürgerschaft fand am 7. Januar 1937 die Hochzeit in Den Haag statt. Dabei kam das an die deutsche Nationalhymne von den Nationalsozialisten angehängte Horst-Wessel-Lied zu Gehör. Juliana und Bernhard bezogen Palais Soestdijk. Aus der Ehe gingen vier Töchter hervor: Beatrix, geboren 1938; Irene, geboren 1939; Margriet, geboren 1943; und Marijke, geboren 1947.

Während des Zweiten Weltkriegs blieb Prinz Bernhard bei Königin Wilhelmina in London. Als gebürtiger Deutscher musste er das Vertrauen der britischen Behörden erst gewinnen, bevor er im November 1940 Verbindungsoffizier zwischen den niederländischen und britischen Streitkräften wurde. Bernhard ließ sich zum Piloten ausbilden und nahm an Kampfeinsätzen der Royal Air Force sowie der amerikanischen Luftwaffe teil. Bis zu seinem Tod setzte sich Bernhard gegen Gerüchte zu Wehr, er habe sich während des Krieges Hitler in einem Brief angebiedert und durch Verrat zu einer der letzten alliierten Kriegsniederlagen bei Arnhem beigetragen. Bei den Kapitulationsverhandlungen mit den deutschen Truppen in den Niederlanden im Mai 1945 in Wageningen vertrat Bernhard die niederländischen Streitkräfte.

In den 1950er Jahren erschütterte die Affäre um die Heilerin Greet Hofmans und ihre polarisierende Rolle am Hof die Monarchie. Hofmans hatte einen erheblichen Einfluß auf Königin Juliana gewonnen, gegen den sich Prinz Bernhard und sein Umfeld schließlich auflehnten. Während die niederländische Presse zu dem Thema schwieg, berichtete 1956 der Spiegel über die Vorgänge am Hof, offenbar informiert aus dem Kreis um Bernhard. Die tiefe Kluft zwischen den Hofparteien um Juliana und Bernhard hätte fast zur Abdankung der Königin und zur Scheidung der Ehe geführt, was lediglich durch ein effektives politisches Krisenmanagement des sozialdemokratischen Premiers Willem Drees verhindert werden konnte. Problematisch blieb die unkritische, attentistische Rolle der niederländischen Presse. Mitte der 1970er Jahre wurde bekannt, dass Prinz Bernhard als Generalinspekteur von Heer und Luftwaffe in eine Schmiergeldaffäre um die Firma Lockheed verwickelt war wie er später selbst eingeräumt hat. Wiederum bewirkte allein das geschickte politische Handling der Angelegenheit durch den linkssozialdemokratischen Premier Joop den Uyl die Konsolidierung der hilflos wirkenden Monarchie. Für den Fall einer strafrechtlichen Untersuchung hatte die Königin mit Abdankung gedroht. Bernhard musste u.a. von allen militärischen Funktionen zurücktreten und durfte nicht mehr Uniform tragen.

Zu seinen gesellschaftlichen Aktivitäten gehörte u.a. die Mitbegründung des Wereld Natuur Fonds 1961 sowie der sog. Bilderberg-Konferenzen, eines jährlichen internationalen Gesprächsforums zu Themen der europäischen Einheit, der Weltwirtschaft und gesellschaftlichen Entwicklungen.

Die Feierlichkeiten zur goldenen Hochzeit von Königin Juliana und Prinz Bernhard 1987 konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Ehe lediglich noch formal bestand. Die Ehepartner bewohnten verschiedene Flügel von Palais Soestdijk. Bernhard hat zwei außereheliche Töchter. Informierte Kreise wussten von der 1967 geborenen Alexia, Tochter seiner Pariser Geliebten. Erst durch ein posthum in der Volkskrant veröffentlichtes Interview Bernhards mit Chefredakteur Pieter Broertjes und dem Journalisten Jan Tromp wurde die Öffentlichkeit auf seine zweite, 1952 geborene Tochter Alicia aufmerksam. Noch 2004 setzte sich Bernhard in einem offenen Brief mit den vielfältigen Vorwürfen und Gerüchten auseinander, die vor allem seine Rolle im Zweiten Weltkrieg betrafen.

Seit den 1990er Jahren ersthaft erkrankt, verstarb Prinz Bernhard am 1. Dezember 2004 in Utrecht. Die öffentliche Diskussion um sein bewegtes Leben geht weiter.

Autor: Rolf-Ulrich Kunze
Erstellt: April 2007


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Monarchie finden Sie unter Bibliographie

Amerongen, M. van: Bernhard, (1911–2004), zakenprins, in: De Groene Amsterdammer, 10.12.2004

Broertjes, P./ Tromp, J. : De prins spreekt, Amsterdam 2004.

Hatch, A.: Prins Bernhard, zijn plaats en functie in de moderne monarchie. Een geautoriseerde biografie, Amsterdam 1962.

Links

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