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Königin Beatrix

*Baarn, 31. Januar 1938

Königin Beatrix
Königin Beatrix, Quelle: RVD/Koninklijk Huis

In der Biographie von Beatrix von Oranien fällt ein geradezu sozialwissenschaftliches Interesse am gesellschaftlichen Wandel und an dessen Gestaltung auf. Diese Perspektive gehört zum modernen und professionell-distanzierten Stil ihres Amtsverständnisses, das die Monarchie durchgreifend modernisiert und verändert hat. Diese Entwicklung zur ,Oranje B.V.’, zur ,Oranien AG’, wird auch kritisch gesehen. Beatrix war während ihrer Amtszeit eine starke, oft kühl wirkende Monarchin, die sich gerade darin von ihrer Mutter Juliana unterschied. Diesem Eindruck steht allerdings eine Reihe von öffentlichen Auftritten gegenüber – so u.a. nach der Feuerwerks-Explosionskatastrophe in Enschede am 13. Mai 2000 – in denen die damalige Königin sich authentisch warmherzig und anteilnehmend zeigte.

Geboren am 31. Januar 1938 auf Palais Soestdijk zu Baarn als erstes Kind von Königin Juliana und Prinz Bernhard, ging sie mit der Königlichen Familie über England nach Kanada. Ihre Schulzeit begann im kanadischen Ottawa. Zurückgekehrt in die Niederlande, absolvierte sie die höhere Schule in Baarn. Ihr Studium in Leiden galt dem gesellschaftswissenschaftlichen Bereich: u.a. Volkswirtschaft, Staats- und Völkerrecht, internationale Beziehungen und Soziologie. Dies passte zu dem in den Niederlanden besonders ausgeprägten Planungsoptimismus des social engineering der 1950er und frühen 1960er Jahre. Die Thronfolgerin war eine gelernte Modernisiererin. Beatrix’ Verbindung mit dem deutschen Diplomaten Claus von Amsberg knapp zwanzig Jahre nach dem Ende der deutschen Besetzung der Niederlande bewegte die kritische Öffentlichkeit intensiv. Viel hing davon ab, wie das Paar auf die öffentlichen Vorbehalte reagieren würde. Claus von Amsberg optierte entschieden und glaubwürdig für eine niederländische Identität. Doch holte ihn seine Zeit in Wehrmachtsuniform immer wieder ein. 60.000 Niederländer unterzeichneten eine Petition an die Zweite Kammer, die Heirat parlamentarisch nicht zu legitimieren. Begründet wurde die Initiative mit einer angeblich zu wenig eindeutigen Distanzierung von Amsbergs von seiner Vergangenheit in der NS-Zeit.

Proteste gegen Hochzeit und Amtseinführung

Die am 10. März 1966 in Amsterdam geschlossene Ehe fiel in eine Zeit soziokulturellen Wandels. Das wurde vor laufenden Fernsehkameras sichtbar, als es in Amsterdam am Tag der Hochzeit zu Ausschreitungen kam, in denen die so genannten ,Provos‘ mit Rauchbomben und dem Slogan „Claus raus!“ die feierliche Inszenierung störten. Sie standen für einen Generationswechsel in der niederländischen politischen Öffentlichkeit und Kultur. Die Biographie des 1926 geborenen Claus von Amsberg in der Zeit des Zweiten Weltkriegs war dabei lediglich ein Anlass für Protest und Happenings.

Auch Beatrix Thronfolge am 30. April 1980 war von Protesten der radikalen Hausbesetzerszene Amsterdams begleitet und signalisierte, dass Gesellschaft und Monarchie unruhige Zeiten erleben. Von Anfang an setzte Beatrix eigene Akzente in ihrer Interpretation des Amtes. Bereits bei ihrem Amtsantritt beschloss sie, dass zu Ehren ihrer Mutter der Koninginnedag weiterhin am Termin des 30. April zu begehen sei, der zugleich der Tag ihrer Amtseinführung war. Seit 1980 besucht Beatrix am Koninginnedag in der Regel zwei niederländische Orte, wo sie von der Bevölkerung empfangen und gefeiert wird. Unter Juliana kam das Volk zur Königin. Beatrix nutzt den Koninginnedag, um die Bevölkerung zu treffen. Der Festtag ist versachlicht. Gefeiert wird nicht der Geburtstag der Königin, sondern die Institution der Monarchie.

Vorstandsvorsitzende statt Landesmutter

Beatrix ging bewusst auf die Intellektuellen und die Meinungsmacher zu und sie hat ihren Hof straff, in manchen Aspekten unternehmensförmig reorganisiert. Die Königin leitet aus ihrem Amt das Mandat ab, sich als Teil des politischen Systems und Staatsoberhaupt in den politischen Prozess einzuschalten. Eines ihrer Hauptanliegen war dabei seit 1980 die Gestaltung der europäischen Einheit und der europäischen Identität. Beatrix’ Amtsführung hat, wie der Leidener Historiker Henk te Velde urteilt, „elitäre“ Züge. Elitär im Sinne te Veldes ist ihre selbstbewusste Entscheidung, der professionellen Ausfüllung ihres Amtes mehr Gewicht zu verleihen als der Betonung historischer Kontinuität und der Volksnähe. Sie hat seit 1980 erkennen lassen, das bei ihr das ,elitäre‘ sachliche Politik-, Problem- und Öffentlichkeitsmanagement gegenüber der ,populären‘ symbolischen Repräsentation dominiert. Das brachte sie in die Nähe von Intellektuellen, Künstlern und Wissenschaftlern und vergrößerte die Distanz zum ,Volk‘.

Ihr Amtsstil hat mehr von einer Vorstandsvorsitzenden als von einer Landesmutter. Nach mehr als 30 Jahren Amtserfahrung ist die politische Professionalität und das Wissen des Staatsoberhaupts ein erheblicher Faktor in der politischen Praxis. Besonders deutlich wurde das 1994 bei der Bildung des ersten ,violetten‘ Kabinetts unter Wim Kok, für dessen Zustandekommen sich Beatrix ungewöhnlich stark durch die direkte Vergabe eines Auftrages zur Regierungsbildung einsetzte.

Königin Beatrix und Prinz Claus haben drei Söhne: den 1967 geborenen Thronfolger Willem-Alexander, den 1968 geborenen Prinzen Friso und den 1969 geborenen Prinzen Constantijn. Am 6. Oktober 2002 verstarb Prinz Claus nach langer Krankheit. Zu seinen Verdiensten und anerkannten Erfolgen gehört die verkörperte Vermittlung zwischen Deutschland und den Niederlanden, beruhend auf einer tiefen Einwurzelung in die niederländischen gesellschaftlichen Traditionen und Werthaltungen. Prinz Claus erlebte noch die Hochzeit seines ältesten Sohnes, Prinz Willem-Alexander, am 2. Februar 2002, allerdings nicht mehr die Geburt von Willem-Alexanders und Máximas erstem Kind, der am 7. Dezember 2003 in Den Haag geborenen Prinzessin Catharina-Amalia.

Monarchie unantastbar?

Am 30. April 2005 feierte Beatrix ihr 25jähriges Thronjubiläum, das Anlass zur Bilanz, aber auch zum Ausblick auf die Zukunft der Monarchie bot. In einer Umfrage im Umfeld des 25jährigen Thronjubiläums meinten 79 Prozent der Befragten, dass die Niederlande eine Monarchie bleiben sollten. Nur 21 Prozent plädierten für die Republik. 68 Prozent fanden Königin Beatrix „sympathisch“, 21 Prozent „unsympathisch“. 13 Prozent meinten, die Königin solle mehr Macht erhalten, 45 Prozent hielten ihren Einfluss für angemessen, 39 Prozent wollten ihren gesetzlichen Einfluss beschränken.

Damit bildeten die Umfrageresultate in einigen Aspekten recht erkennbar das Amtsverständnis von Beatrix als moderner, professioneller Monarchin ab, vor allem aber die breite Zustimmung für die Institution der Monarchie an sich. Gleichzeitig zeigen sie eine Spannung zwischen der grundsätzlichen Akzeptanz der Monarchie und den divergierenden Erwartungshaltungen gegenüber einer konkreten Amtsführung auf. Henk te Velde hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die Monarchie in den Niederlanden mitunter fast unantastbar erscheint.

Anschlag 2009

Am 30. April 2009 kam es während der Feierlichkeiten zum Koninginnedag in Apeldoorn – dort sollte an die lange oranische Tradition der Stadt erinnert werden – zu einem schockierenden Vorfall. Der 38-jährige Karst T. aus Huissen raste mit seinem PKW in die Menge, die der Ausfahrt der königlichen Familie in einem offenen Bus zusah. Seine Amokfahrt endete vor laufenden Fernsehkameras in Sichtweite der königlichen Familie an einem Denkmal. Sechs der Opfer starben, mehrere wurden schwer verletzt. Der bei seiner Festnahme noch vernehmungsfähige T., der in der Nacht nach dem Vorfall ebenfalls seinen Verletzungen erlag, gab an, sein Ziel sei es gewesen, die königliche Familie zu treffen.

Die niederländische Öffentlichkeit reagierte fassungslos auf die Tat, die den Koninginnedag in seiner gewohnten und beliebten Form der Begegnung von Monarchie und Bevölkerung mit landesweitem Volksfestcharakter und damit ein Stück niederländischer Identität in Frage gestellt hat. Königin Beatrix zeigte sich noch am Nachmittag des 30. April in einer Fernsehansprache nach der Absage aller Feierlichkeiten tief betroffen über den Anschlag und bekundete ihre Anteilnahme mit den Familien der Opfer.

Abdankung 2013

Am 28. Januar 2013, vier Tage vor ihrem 75. Geburtstag, kündigte Königin Beatrix in einer Fernsehansprache überraschend an, dass sie zum 30. April 2013 abdanken wolle, um Platz für eine neue Generation zu machen: "Ich trete nicht zurück, weil mir das Amt zu schwer fällt, sondern aus der Überzeugung heraus, dass die Verantwortung für unser Land nun in die Händer einer neuen Generation gelegt werden muss. Ich werde die Königswürde mit dem größten Vertrauen  am 30. April dieses Jahres an meinen Sohn, den Prinzen von Oranje, weiterreichen. Er und Prinzessin Máxima sind vollkommen auf ihre zukünftige Aufgabe vorbereitet."

Am 30. April unterzeichnete Beatrix dann die Abdankungsurkunde - die Zeremonie wurde live im Fernsehen übertragen. Beatrix führt bis zu ihrem Tod nun wieder den Titel Prinzessin.

Autor: Rolf-Ulrich Kunze
Erstellt: April 2007
Aktualisiert: April 2013


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Monarchie finden Sie unter Bibliographie

Linden, M. v. d. : Beatrix. Een portret, ´s-Gravenhage 1995.

Telgenhof, G.: Beatrix, Houten 1997.

Kikkert, J.G.: Beatrix. Mens en majesteit, Utrecht 1998.

Meijer, R./ Schoo, H.J.: Aan het hof. De monarchie onder Koningin Beatrix, Amsterdam 1999.

Kooistra, R./ Koole, S.: Beatrix. Invloed en macht van een eigenzinnige vorstin, Amsterdam 2000.

Velde, Henk te : Continuiteit en karakter. Het ,moderne’ en ,elitaire’ koningschap van Beatrix, in: C.A. Tamse: De stijl van Beatrix. De vrouw en het ambt, Amsterdam 2005, S. 149–169.

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