XII. Zustimmung sinkt auf hohem Niveau

Die Niederländer stehen mehrheitlich hinter der Monarchie. Nach einer Untersuchung des Niederländischen Instituts für Öffentliche Meinung (NIPO) in Amsterdam vom Mai 2003 meinen 86 Prozent aller Bürger, es sei gut, dass die Niederlande ein Königreich seien. Dennoch beobachtet NIPO, dass das Vertrauen in das Königshaus abgenommen hat. Einer Umfrage von Oktober 2003 zufolge sagen 32 Prozent der Niederländer, sie vertrauten den Mitgliedern des Königshauses weniger als ein Jahr zuvor. Dieses Ergebnis schließt an frühere Beobachtungen der Meinungsforscher an. Danach verschiebt sich die öffentliche Meinung seit einigen Jahren weg von der Monarchie hin zur Republik. Noch 1999 bevorzugten 90 Prozent der Befragten die Monarchie als Staatsform.

Die NIPO-Untersucher führen diese Entwicklung auf die Affären des Jahres 2003 um Mabel Wisse Smit und Prinzessin Margarita zurück. Nachdem die Vorwürfe der Prinzessin gegen die Königin bekannt wurden, sank die Zustimmung zum Königshaus im März 2003 bis auf 81 Prozent. Allerdings wendete sich die Kritik der Niederländer auch gegen Margarita selbst. 50 Prozent aller Befragten hielten die Beschuldigung, die Königin habe den Inlandsgeheimdienst aufgefordert, Margarita abzuhören, für schädlich für das Königshaus. 74 Prozent sagten, sie glaubten nicht oder nur wenig, dass die Vorwürfe der Prinzessin gerechtfertigt seien. Die Zustimmung der Bürger zu ihrer Königin sinkt also, jedoch auf hohem Niveau. 80 Prozent aller Niederländer hielten Beatrix für ein gutes Staatsoberhaupt und mehr als zwei Drittel fanden, die Königin sollte ihr Amt auch in den kommenden Jahren behalten. Nur neun Prozent wollten 2003, dass Beatrix in Kürze zugunsten ihres Sohnes Willem-Alexanders abdankt.

Máxima ist beliebteste Oranjerin

Allein den Spitzenplatz auf der Liste der Sympathieträger im Königshaus musste Beatrix an ihren ältesten Sohn und vor allem an ihre Schwiegertochter abgeben. Mit 93 Prozent Zustimmung ist Máxima die beliebteste Oranjerin, 88 Prozent erhielt Willem-Alexander. Daran zeigt sich, dass die Meinung der Bevölkerung über das Königshaus sehr von Gefühlen geprägt ist und stark wechseln kann. Denn vor der Hochzeit des Kronprinzen lag die Zustimmung zu seiner Frau wegen der „Frage Zorreguieta“ weit niedriger. Wie schwierig die Bewertung von Meinungsumfragen zum Königshaus ist, zeigt sich auch an zwei weiteren Ergebnissen, die NIPO vorlegte. Nach einer Untersuchung von 2000 hielt die Hälfte aller Niederländer die Erbfolge im Königshaus für nicht mehr zeitgemäß. Im Mai 2003 sagten aber 81 Prozent der Befragten, sie hätten sehr viel Vertrauen in Willem-Alexander als zukünftigen König. Obwohl also viele Bürger an der in der Verfassung festgeschriebenen Erbfolge zweifeln, beziehen sie diesen Zweifel nicht auf die gegenwärtigen Mitglieder des Königshauses.

Eindeutig bleibt, dass die Mehrheit der Niederländer die Monarchie behalten will. Diese Meinung zieht sich auch durch alle Parteien. Selbst bei den Wählern von Sozialdemokraten und Sozialisten gaben 88 beziehungsweise 76 Prozent an, sie zögen die Monarchie anderen Staatsformen vor. Allerdings nimmt die Diskussion zu, ob der Status quo einer Monarchie mit sowohl symbolischer wie politischer Funktion erhalten bleiben soll 2000 hatten noch 17 Prozent aller Niederländer gefordert, der Parteiführer der Demokraten 66, Thom de Graaf, solle sich öffentlich entschuldigen, weil er eine Debatte über die politische Rolle der Königin angestoßen hatte. Nach der NIPO-Untersuchung vom Oktober 2003 wollten 50 Prozent der Niederländer, dass die Königin nur noch eine symbolische Funktion erfüllen soll. Unterstützer dieser Position finden sich sowohl in den Reihen der Rechtsliberalen wie bei den Sozialdemokraten. Ausgerechnet die Wähler der Demokraten 66 stimmten solchen Plänen jedoch nur zu 46 Prozent zu.

Autor: Karsten Polke-Majewski
Erstellt: April 2004
Aktualisiert: Februar 2013