III. Das Haus Oranien-Nassau

1403 heiratete Graf Engelbrecht von Nassau Johanna van Polanen aus Breda. Seither hat dieser Zweig des Hauses Nassau seinen Sitz in den Niederlanden. Ein Nachkomme Engelbrechts, Graf Hendrik III ehelichte im 15. Jahrhundert die französische Adlige Claudia van Chalon und gewann auf diese Weise Besitztümer in Ost- und Südfrankreich für das Haus Nassau, unter anderem auch das unabhängige Fürstentum Orange.

1544 fiel der Besitz der Bredaer Nassauer an die deutsche Linie unter Willem van Oranje. Er war Statthalter einiger Provinzen der Niederlande unter dem spanischen König Philip II und wehrte sich gegen dessen zentralistische Politik. Philip wollte seine niederländischen Besitztümer auf Brüssel ausrichten. Nach dem „Bildersturm“ von 1566, der von Flandern auf die nördlichen Niederlande übergriff und den Konflikt zwischen den protestantischen Niederländern und den katholischen Spaniern zum offenen Krieg machte, schlug Willem sich auf die Seite der Aufständischen und führte ihren Kampf mit wechselndem Erfolg an. 1584 wurde Willem in Delft ermordet. Ihm folgten sein Sohn Maurits und dessen Halbbruder Frederik Hendrik.

1648 beendete der Frieden von Münster den inzwischen achtzig Jahre dauernden Krieg. Mit dem Friedensvertrag wurde die Republik der Niederlande offiziell anerkannt. Das Haus Oranien-Nassau stellte weiterhin – wenn auch mit Unterbrechungen - den Statthalter. Er war vor allem mit der Außenpolitik und dem militärischen Oberbefehl des neuen Staatswesens betraut. Eine planvolle Heiratspolitik und militärisches Geschick stärkten die Macht der Statthalter kontinuierlich, bis Willem III schließlich zum Schutz der Protestanten nach England gerufen und dort nach der Glorious Revolution 1689 zum König gekrönt wurde.

Die Zeit der Statthalter endete 1795 mit dem Einfall französischer Revolutionstruppen in die Niederlande. Der Wiener Kongress restaurierte das „Königreich der Niederlande“ und setzte Willem I. als König ein, der das Land nach den Regeln des aufgeklärten Absolutismus regierte. 1840 folgte Willem II. Er stimmte 1848 einer Verfassung zu, die die Rechte des Königs zugunsten einer Volksvertretung beschnitt. Sein Nachfolger Willem III. versuchte, diese Entwicklung aufzuhalten, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. 1879 heiratete Willem III. Emma von Waldeck-Pyrmont, die nach seinem Tod die Regentschaft für ihre Tochter Wilhelmina übernahm, das einzige überlebende Kind des Königs.

Königin Wilhelmina bestieg 1898 den Thron und regierte fünfzig Jahre lang. In ihre Regierungszeit fielen zwei Weltkrieg, das Exil in England während der deutschen Besetzung 1940 bis 1945 und der Beginn der Dekolonisation von Indonesien. 1948 übergab sie ihr Amt an ihre Tochter Juliana, die bis 1980 Staatsoberhaupt der Niederlande blieb. Von 1980 bis 2013 stand mit Beatrix die vierte Frau an der Spitze des Hauses Oranien-Nassau.

Autor: Karsten Polke-Majewski
Erstellt: April 2004
Aktualisiert: Februar 2013