V. Königin Beatrix und Prinz Claus

Der Druck auf Königin Beatrix wuchs in den letzten Jahren. Die Affären der vergangenen Jahre um Prinzessin Margarita und die Verlobten der königlichen Söhne Maxima Zorreguieta und Mabel Wisse Smit haben die machtbewusste Beatrix in ihre Schranken verwiesen. Einmal mehr zeigt sich, dass jene Königin, die die niederländische Krone aus der Krise führte und zu einem wichtigen politischen Einflussfaktor machte, zunehmend Widerspruch hervorrief – wenn auch niemand ernsthaft an der Staatsform einer konstitutionellen Monarchie zweifelte. Beatrix, 1938 geboren, erlebte die Exilzeit während der deutschen Besatzung in Kanada. Als Kronprinzessin wurde sie von Anfang an auf ihr zukünftiges Amt vorbereitet – unter der gesetzlichen Vorgabe, dass eine niederländische Thronanwärterin mit achtzehn Jahren bereit sein soll, das königliche Amt zu übernehmen. Sie erlebte die Krise des Königshauses in den fünfziger Jahren und beobachtete, wie der leichtere, familiäre Stil ihrer Mutter deren Position zunehmend schwächte. In ihrer Rede zur Thronübernahme nannte Beatrix das Auftreten von Königin Juliana eine „sehr menschliche Übersetzung des Amtes“.

Magie der Monarchie wiederbelebt

Dem setzt Beatrix seit ihrer Krönung 1980 ein distanziertes und formelles Auftreten entgegen. Es hat ihr viel Kritik, aber auch Anerkennung eingetragen. Statt als „Landesmutter“ zeichnet sich Beatrix durch Fachkenntnis und Kontrolliertheit aus. Sie führe das Haus Oranien-Nassau „wie die Generaldirektorin eines straff geführten Unternehmens“, schrieb beispielsweise das NRC Handelsblad. Doch immerhin gelang es der Königin, ihr Familienleben als das einer normalen bürgerlichen Familie darzustellen. Gleichzeitig belebte Beatrix die „Magie der Monarchie“ wieder, die die Königin zu einer der gesellschaftlichen Diskussion enthobenen und darum weite Teile der Bevölkerung integrierenden Instanz machte. Formen und Traditionen haben unter ihr wieder mehr Bedeutung gewonnen. Das Credo ihrer Regentschaft hat Beatrix in einem Interview mit dem Nachrichtesender NOS so formuliert: „Der Inhalt geht vor. An deiner Linie festhalten, ruhig weiterarbeiten, die Dinge tun, an die du glaubst. So bin ich.“ Diesem Weg ist Beatrix stets gefolgt. „Es ist, als ob die Zeit es nicht aushält, sich irgendwo zu Hause zu fühlen“, sagte sie in ihrer Antrittsrede. Deshalb wollte sie einen Ruhepol gegen die sich ständig ändernden Verhältnisse setzen. Nicht umsonst berief sich Beatrix immer wieder auf das Vorbild ihrer Großmutter Königin Wilhelmina, die dem Land fünfzig Jahre lang vorstand.

In der letzten Zeit hat auch die Königin gespürt, dass ihre Distanz zum Volk zu groß geworden ist. Eine „Charmeoffensive“ drohte in den Affären des Jahres 2003 stecken zu bleiben. Ist die Diskussion um die Hochzeit des Kronprinzen Willem-Alexander mit der Argentinierin Maxima Zorreguieta noch zu einem glücklichen Ende gekommen, so gilt Gleiches nicht für die Debatte um die Partnerin von Prinz Johan Friso, Mabel Wisse Smit. Schwerer noch fällt jedoch die „Affäre Margarita“ auf die Königin zurück. Prinzessin Margarita, eine Tochter von Beatrix’ Schwester Irene, und ihr Mann Edwin de Roy van Zuydewijn, wurden auf Ersuchen des Hofes vom Inlandsgeheimdienst abgehört. Man traute dem bürgerlichen Partner der Prinzessin nicht und wollte ihn überprüfen. Margarita sah ihr Privatleben verunglimpft und drohte ihrer Tante mit einem Prozess. Ob sich die Abhöraktionen belegen lassen, ist unklar. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts NIPO in Amsterdam zufolge glauben 74 Prozent aller Niederländer nicht an die Vorwürfe der Prinzessin. Dennoch stellte das Parlament fest, es wolle zukünftig informiert werden, wenn die Königin den Geheimdienst für eigenen Zwecke einzusetzen gedenke – eine harte Zurechtweisung für die Politikerin Beatrix.

Autor: Karsten Polke-Majewski
Erstellt: April 2004
Aktualisiert: Febraur 2013