VIII. Kavalkade

Ein Fernsehporträt, dass 1988 anlässlich ihres 50. Geburtstags von ihr gemacht wurde, zeigt am Ende die Königin in einer Kavalkade auf dem Strand von Wassenaar nahe Den Haag. Es waren Bilder von Beatrix, Claus und Willem-Alexander zu sehen, die einen Ausritt entlang der Nordsee machten. Plötzlich ließ Beatrix ihr Pferd angaloppieren und ihre beiden Begleiter mussten hinter ihr her traben. Die sportliche Leistung der drei Reiter war offensichtlich. Aber das Bild von der Königin zu Pferde machte den größten Eindruck. Es war immerhin die Fernsehvariante des fürstlichen Reiterstandbildes, das traditionsgemäß den Eindruck von Führen und Herrschen vermitteln soll. Es war eine visionäre Bestätigung der Zielsetzung ihres Programms, worin die Königin als starke Persönlichkeit dargestellt wurde und worin ihre Fähigkeit, sich selbst zu beherrschen, zugunsten der Reinheit der Königswürde betont wurde.

Die Kavalkade erhielt die nötige Aufmerksamkeit in den Kommentaren zu dem Fernsehporträt. „Beatrix lässt sich wieder ‚Majestät‘ nennen, übt den ‚sport of kings‘ aus, muss allerdings in ihrem kleinen Land über den Strand galoppieren, an den eine Stunde später schon wieder die Tagesausflügler kommen“, schrieb ein Fernsehrezensent. Der bekannte Kolumnist H.J.A. Hofland empfand dieses Finale als schönsten Teil des Fernsehporträts. „Aus anderen Ländern kommen regelmäßig Nachrichten von Fürsten, die von ihrem Pferd gefallen sind. Wir sahen unsere Königin in ungezügeltem Galopp tadellos an der Brandung unserer See entlangreiten. Das war ein fürstlicher Anblick, das haben sie sonst nirgends.“ Der Kunsthistoriker Bram Kempers schlussfolgerte, dass von Fürsten immer noch Allüre gefordert werde, dass aber die Ausführung modernisiert werden müsse. „So bleibt das traditionelle Herrscherbild des Fürsten zu Pferde in einer modernisierten Form bestehen, ebenso wie der bereits im Mittelalter übliche Unterschied zwischen dem Fürsten als Privatperson und dem Fürsten als Träger eines hohen öffentlichen Amtes – die ‚duplex persona‘ – womit Beatrix ihr Fernsehinterview abschließt.“ [12]


[12] Zitiert nach: B. Kempers (Hrsg.): Openbaring en bedrog. De afbeelding als historische bron in de Lage Landen, Amsterdam 1995, S. 192 f. 

Autor: Jan Bank
Erstellt:
Februar 2010