III. Akzeptanz des neuen Staatsoberhaupts und der Monarchie als Institution

Am 17. April gab Prinz Willem-Alexander zusammen mit seiner Frau Máxima ein vielbeachtetes NOS-Interview (NiederlandeNet berichtete). In der Medienberichterstattung in Reaktion darauf spiegelte sich das, was auch die repräsentativen Meinungsumfragen belegten: Der künftige König hat den überwiegenden Teil der Zuschauerinnen und Zuschauer durch Art und Inhalt seines Auftretens überzeugt (NiederlandeNet berichtete). Waren im Jahr 2012 59 Prozent der Befragten der Ansicht, König Willem-Alexander werde seiner kommenden Aufgabe ihrer Einschätzung nach gerecht werden, waren es nun 69 Prozent.[1] Interessant ist auch die Veränderung in den König Willem-Alexander zugeschriebenen Eigenschaften: „menschlich“ fanden ihn 2012 50 Prozent und 2013 65 Prozent; „zugewandt“ 2012 56 Prozent und 2013 65 Prozent; „förmlich“ 2012 41 Prozent und 2013 23 Prozent.[2] Der Zuschnitt der Fragen wirft zugleich einen bezeichnendes Licht auf die Erwartungshaltung der niederländischen Öffentlichkeit gegenüber ihrem Monarchen. Zugleich wird der kommende König mit einem anwachsenden Vertrauenszuschuss dafür belohnt, dass er seit 2012 auf den Druck der veröffentlichten Meinung reagiert. Dass er dazu bereit und in der Lage war, mag auch damit zusammenhängen, dass seiner Mutter, Königin Beatrix, vor allem in der ersten Phase ihrer Amtszeit, immer wieder ihre kühl-distanzierte Aura von Professionalität als fehlende menschliche Zugewandtheit ausgelegt worden ist – obwohl nicht wenige persönliche Eindrücke von Begegnungen mit ihr dieses Bild durchaus nicht bestätigten. Sie war lange Zeit die Gefangene eines fest etablierten öffentlichen Image, aus dem sie sich erst in der zweiten Hälfte ihrer Amtsausübung erfolgreich befreien konnte.

Bemerkenswert ist der Zusammenhang zwischen der Aufhellung des Bildes von König Willem-Alexander und seiner Frau Máxima: Nach wie vor bzw. weiterhin sind ihre Beliebtheitswerte besser als die des neuen Monarchen.[4] Denn beim positiven Erscheinungsbild der königlichen Familie war es seit der Eheschließung eindeutig Prinzessin Máxima, die das moderne Gesicht und ein Zukunftsversprechen der Monarchie verkörperte. Das ist selbst in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung angekommen: „Bis zu 80 Prozent der Niederländer hätten sie längst zu ihrer Königin gewählt – wenn sie gedurft hätten.“[4]

Die Zustimmung zur Monarchie als Institution ist in der niederländischen Bevölkerung nach wie vor deutlich: 78 Prozent aktuell gegenüber 80 Prozent im Jahr 2008 und 74 Prozent 2012. Dies erscheint allerdings nicht neu. Die republikanische Alternative war auch in Zeiten folgenreicher – politisch interessanterweise jeweils von sozialdemokratischen Premiers wie Willem Drees und Joop den Uyl – politisch moderierter Krisen im Königshaus – Hofmans-Affäre in den 1950er und die Lockheed-Verwicklungen von Prinz Bernhard in den 1970er Jahren – nicht mehrheits-, ja noch nicht einmal mehrheitlich konsensfähig. Heute bekennen sich 10 Prozent zu einer reinen Republik, und nur 25 Prozent würden einer auf Repräsentationsaufgaben beschränkten Monarchie den Vorzug geben. Darin steckt auch eine Anerkennung für das Agieren von Königin Beatrix und ihre weite Interpretation der Rolle des Staatsoberhaupts. Das ist erstaunlich, denn gerade ihre Amtsführung seit 1980, die aufgrund einer ausgeprägten Neigung zur Nutzung aller Handlungsspielräume des Staatsoberhaupts im politischen Prozess bisweilen heftig umstritten war, wird insgesamt sehr positiv bewertet: 78 Prozent zeigen sich mit ihrem Stil einverstanden.[5]

Neben der gefühlten, die Härte der im einzelnen geführten politischen Kontroversen nicht ganz realistisch abbildenden Akzeptanz im Rückblick auf die Amtszeit von Königin Beatrix gibt es bei den Befragten konkrete Forderungen zur modernisierenden Veränderung der Monarchie. Dabei stehen die Kosten für das Königshaus obenan: 44 Prozent fordern hier eine Anpassung. Schon die hohen Aufwendungen für die Feierlichkeiten des 30. April 2013 werden kritisch gesehen. Demgegenüber verlangen nur 31 Prozent eine Änderung der Praxis, dass das Staatsoberhaupt eine vermittelnde und damit entscheidende Rolle bei der Kabinettsbildung spielt. 2012 waren zwei Drittel der Befragten damit einverstanden, dass die Königin als Staatsoberhaupt ihre persönliche Anschauung zu Fragen von allgemeinem Interesse äußert. 2013 ist nur noch die Hälfte der Meinung, Prinz Willem-Alexander sollte dies als König auch tun. Nahezu drei Viertel der Niederländer gehen davon aus, dass König Willem-Alexanders älteste Tochter, Prinzessin Amalia, nach ihrem Vater die Monarchie fortsetzen wird.[6]

Versucht man, aus diesen Bewertungen ein Anforderungsprofil an die Monarchie unter König Willem-Alexander zu formulieren, wird die Schwierigkeit der Aufgabe erkennbar, der er sich gegenübersieht: Das Königshaus soll weniger kosten, zugleich aber die Rolle, die es bisher in der Politik und im gesellschaftlichen Leben des Landes spielt, weiterhin wahrnehmen. Der Monarch soll auch in Zukunft Teil des politischen Prozesses bis auf die Ebene der Regierungsbildung bleiben, aber seine Rolle nicht mehr so deutlich wie früher in repräsentativer Sinnstiftung und Konsensformulierung sehen. Gerade letzteres könnte sich für den neuen König als ganz erhebliche Einschränkung erweisen, denn das Staatsoberhaupt in einer parlamentarischen Demokratie und exemplarisch pluralen Gesellschaft erarbeitet seinen Einfluss ganz wesentlich durch die Macht der Rede und die Fähigkeit des stellvertretenden, wenn nicht programmatischen, aber integrativen, zur Identifikation mit dem Gemeinwesen einladenden Sprechens. Dass dies bisher nicht unbedingt zu den persönlichen Stärken Prinz Willem-Alexanders gehört hat, macht das Problem eher größer. An großen Themen ist in einem Land wie den Niederlanden innen-, außen-, nachhaltigkeitspolitisch und im Hinblick auf die immer wichtiger werdenden Fragen der world governance kein Mangel.


[1] Ipsos/NOS: Troonswisselingenquête 2013, Onlineversion.
[2] Vgl. NOS: Vertrouwen in koning gestegen, Onlineversion.
[3] Ebd.
[4] Schulz, Stefan: Frischer Wind im Königshaus. Auf dem Weg in eine moderne Monarchie: Wie Máxima die Niederlande verzaubert, in: Frankfurt Allgemeine Sonntagszeitung Nr. 17 vom 28. April 2013, S. 60.
[5] Vgl. NOS: Vertrouwen in koning gestegen, Onlineversion.
[6] Vgl. ebd.

Autor: Rolf-Ulrich Kunze
Erstellt: Mai 2013