Transit Niederlande – Deutsche Künstler im Exil


I. Einführung

Nationalsozialismus – Exil – Niederlande... auf der ganzen Welt wird diese Stichwortkette zu allererst mit dem Namen Anne Franks verbunden. Die Tagebuchaufzeichnungen des Mädchens bewegen bis heute Millionen Leser und Leserinnen. Ihr Leben und ihr Tod stehen exemplarisch für das Herausgerissenwerden aus dem Zuhause, die schwierige Reise ins Exil, den mühsamen Neuanfang in der Fremde, die Gräueltaten der deutschen Besatzung und schließlich für die hunderttausendfache Ermordung Unschuldiger.

Vor einigen Jahren war im niederländischen Fernsehen eine Show zu sehen, die sich zum Ziel gesetzt hatte, die berühmtesten Niederländer aller Zeiten zu finden. Anne Frank wurde vor Vincent van Gogh und Erasmus von Rotterdam auf den ersten Platz gewählt. Anschließend entspann sich eine Diskussion, ob ein Mädchen aus Frankfurt am Main überhaupt eine Niederländerin sein könne.

Ob sich Anne Frank die Frage nach ihrer Nationalität gestellt hat, ist nicht überliefert. Ihr Schicksal jedoch ist so übernational erfahrbar, dass diese Frage heute nicht wichtig war. Anne Frank war ein junges Mädchen, das bis zu ihrem Verrat und ihrer Deportation mit Hilfe eines Tagebuches versuchte, ihr höchst gefährdetes Leben in einem kleinen Versteck in Amsterdam zu retten.

Tagebuch Anne Frank
Anne Franks Tagebuchaufzeichnungen bewegen bis heute Millionen Leser, Quelle: Heather Cowper/cc-by

Anne Frank war nicht allein: Für eine halbe Million Deutsche wurden Ausgrenzung, Flucht, Neuanfang, Krieg, Versteck, Überleben und Tod die beherrschenden Erfahrungen zwischen 1933 und 1945. Für alle war dabei die Frage nach der nationalen Identität sehr bedeutsam. Ein amerikanischer, ein Schweizer Pass konnte Leben retten.

Bin ich Deutscher? Spreche ich weiter Deutsch? Und die Schriftsteller fragten sich: Schreibe ich weiter in der Sprache meiner Vertreiber? Meiner Mörder? – Gerade für Künstler waren diese Fragen existentiell. Schauspieler und Schriftsteller – für beide Gruppen war die deutsche Sprache das Werkzeug, um gehört, gesehen und gelesen zu werden, und natürlich – um Geld zu verdienen.
Im Folgenden geht es um Künstler, vornehmlich Schriftsteller und Schriftstellerinnen, die Deutschland zwischen 1933 und 1940 verließen und in den Niederlanden ihre Rettung vor dem Nationalsozialismus suchten.

Autor: Veit Johannes Schmidinger
Erstellt: Februar 2012


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Schmidinger, Veit Johannes/Schoeller, Wilfried F.: Transit Amsterdam. Deutsche Künstler im Exil 1933-1945, München 2007.

Dittrich, Kathinka/Würzner, Hans (Hrsg.): Die Niederlande und das deutsche Exil 1933-1940, Königstein 1982.

Würzner, Hans/Kröhnke, Karl (Hrsg.): Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden 1933-1940, internationales Symposium, 30. September - 2. Oktober 1993, Frankfurt am Main, Amsterdam 1994.

Schoor, K.: Ein literarisches Forum im Exil. Die deutsche Abteilung des Amsterdamer Allert de Lange Verlags 1933-1940, in: Kultursekretariat NRW (Hrsg.): Freistätte Amsterdam, Gütersloh 1995, S. 72–89.

Die Deutsche Bibliothek (Hrsg.): Deutsche Literatur im Exil in den Niederlanden, eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933 - 1945, Leipzig 1993.

Zaich, Katja B.: „Ich bitte dringend um ein Happyend“ Deutsche Bühnenkünstler im niederländischen Exil 1933–1945, Frankfurt am Main 2001 (zgl. Dissertation Hamburg 2000).

Personen

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