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Jan Wolkers

* Oegstgeest, 26. Oktober 1925 - † Westermient (Texel), 19. Oktober 2007 - Schriftsteller und Bildhauer, Genres: Roman, Kurzgeschichten, Theater, Essay, Autobiographie

Jan Wolkers
Jan Wolkers, Quelle: Anefo/NA (933-1519)
Jan Wolkers wurde 1925 als drittes von zehn Kindern eines Kaufmannsehepaares in Oegstgeest bei Leiden geboren. Wolkers verließ vorzeitig die Schule und arbeitete zunächst im Geschäft seines Vaters mit. Ab 1940 folgten diverse andere Hilfsjobs in Leiden, ehe er 1943 untertauchen musste. Bereits während des Krieges deuteten sich seine künstlerischen Interessen an, und er nahm Zeichenunterricht an der Leidener Akademie.

Nach dem Krieg wandte sich Wolkers zunächst der bildenden Kunst zu. Ab 1946 studierte er an der Haager Akademie für Bildende Künste. 1949 bis 1953 setzte er seine Studien an der Reichsakademie in Amsterdam fort. 1957 hospitierte er für ein Jahr bei Ossip Zadkine in Paris. Zu seinen bekanntesten bildhauerischen Werken zählen das Auschwitzdenkmal am Nieuwe Oosterbegraafplaats in Amsterdam und mehrere Denkmäler auf der Insel Texel, wo er seit 1981 mit seiner zweiten Frau Karina wohnt.

Obwohl Wolkers bis heute erfolgreich als Maler und bildender Künstler tätig ist und dies in den letzten Jahren sogar wieder in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit rückte, erzielte er seine größten Erfolge seit den späten fünfziger Jahren als Schriftsteller. Seine Romane und Erzählungen zeichnen sich durch verfremdete autobiographische Elemente aus, die u.a. in seiner Auseinandersetzung mit dem christlich-reformierten Milieu seiner Kindheit, intensiven Gefühlen der Einsamkeit und des Hasses, der Erfahrung des Todes ― 1944 starb sein ältester Bruder an Diphterie, 1951 verlor er seine Tochter bei einem Unfall ― und einer enthemmten Sexualität zum Ausdruck kommen. Letztere stehen dabei in engem Zusammenhang: Körper symbolisieren Schönheit und Vitalität, aber zugleich ist der Verfall in ihnen bereits angelegt und unvermeidlich. Dies wird in einer klaren, schonungslos offenen, von Kritikern teilweise als pornographisch angeprangerten Sprache beschrieben.

Auszeichnungen

1963 Novelleprijs der Gemeinde Amsterdam für den Erzählband Serpentina's Petticoat
1966 Prijs van de Algemene Conferentie der Nederlandse Letteren für Terug naar Oegstgeest    
1991 Busken Huetprijs für den Essayband Tarzan in Arles 


Wolkers begann seine literarische Karriere mit Theaterstücken und Kurzgeschichten. 1961 erschien mit Serpentina’s petticoat sein erster Erzählband. Danach folgten noch in den sechziger Jahren zehn weitere Bücher, darunter die autobiographisch gefärbten Romane Kort Amerikaans (1962), Terug naar Oegstgeest (1965) und Horrible tango (1967) sowie die Erzählbände Gesponnen suiker (1963) und De hond met de blauwe tong (1964). 1969 erschien mit Turks fruit sein erfolgreichster Roman. Die Geschichte der komplexen, tragisch verlaufenden Liebesbeziehung zwischen einem jungen Amsterdamer Bildhauer und seiner Freundin aus bürgerlichem Hause, die Jahre nach dem Scheitern der Ehe schließlich an Krebs stirbt, bündelt zentrale Themen seines Werkes. Zu den literarischen Höhepunkten aus den siebziger und frühen achtziger Jahren gehörten die Autobiographie Werkkleding (1971) und die Romane De walgvogel (1974), De kus (1977), De doodshoofdvlinder (1979), Brandende liefde (1981) und Gifsla (1983). Seit den späten achtziger Jahren veröffentlichte Wolkers vor allem Essays. 1996 folgte mit dem Fotoband Tijd bestaat niet ein weiteres autobiographisches Buch. 2005 erschien die Erzählung Zomerhitte als Geschenk zur jährlichen niederländischen Buchwoche.

Bereits in den fünfziger und sechziger Jahren erhielt Wolkers erste Auszeichnungen, darunter 1965 den Novellepreis der Stadt Amsterdam, den er 1966 aus Protest gegen die harte Haltung der Stadt gegenüber den Demonstrationen der „Provos“ zurücksandte. 1982 wies er den Constantijn Huygens-Preis aus Ärger über die angebliche mangelnde Anerkennung seiner Arbeiten zurück. 1989 lehnte er mit dem P. C. Hooft-Preis einen weiteren herausragenden niederländischen Literaturpreis ab.

Wolkers starb im Oktober 2007 auf der Insel Texel.


Werke

Icarus en de vliegende tering (1996), Mondriaan op Mauritius (1997, Essay), Terug naar Jan Wolkers (Umfasst: Kort Amerikaans, Een roos van vlees en Terug naar Oegstgeest (1998), Omringd door zee (1999, Kolumnen), De spiegel van Rembrandt (1999), Jaargetijden (2000, Poesie), De weerspiegeling (2001, Kolumnen), Zomerhitte (2005, Boekenweekgeschenk), Dagboek 1974 (2005, Tagebuchnotizen), Ach Wim, wat is een vrouw (2005, Briefe), Dagboek 1969 (2006, Tagebuchnotizen)

Deutsche Übersetzungen

Eine Rose von Fleisch (1969), Der Pfirsich der Unsterblichkeit (1989), Türkische Früchte (1994), Zurück nach Oegstgeest (1994)

Verfilmungen

Turks Fruit (1973, Regie: Paul Verhoeven), Kort amerikaans (1979, Regie: Guido Peters), Brandende liefde (1983, Regie: Ate de Jong), Een roos van vlees (1985, Regie: Jon Lindström), Terug naar Oegstgeest (1987, Regie: Theo van Gogh), Zomerhitte (2008, Regie: Monique van de Vens)

Autorin: Christoph Strupp
Erstellt:
Dezember 2006
Aktualisierung: Mai 2010


Links

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Jan Wolkers in der Digitale Bibliotheek voor de Nederlandse Letteren

Wolkers’ fragmenten. Informatie over de schrijver en de familie Wolkers

Literatur

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Verbraak, Coen/Raviet, Steye: Jan Wolkers, Amsterdam, 2007.

Steenhuis, Paul (u.a.): Jan Wolkers, Zwolle, 2002.

Salverda, Murk (u.a.) (Hrsg.): Tijd bestaat niet. Leven en werk van Jan Wolkers, Amsterdam/Den Haag, 1996

Peene, Bert (u.a.): Jan Wolkers, Amsterdam, 1989.

Diepstraten, Johan (u.a.) (Hrsg): Jan Wolkers, Den Haag, 1984.

Graa Boomsma, Graa (Hrsg.): Over Jan Wolkers. Beschouwingen en interviews, 's-Gravenhage, 1983.

Popelier, Ed: Jan Wolkers, Brugge/Den Haag, 1975.

Caspers, J.H./ Krekels, M.J.C.M./Weck, J.G.M.: Jan Wolkers, Amsterdam, 1971.


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