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Leon de Winter

*’s-Hertogenbosch, 26. Februar 1954 - niederländischer Schriftsteller und Drehbuchautor, Genres: Roman, Novelle, Kurzgeschichten, Kolumnen, Theater, Film

Leon de Winter
Leon de Winter, Quelle: Elke Wetzig/cc-by-sa

Leon de Winter ist ein auch in Deutschland beliebter niederländischer Autor, dessen schriftstellerisches Werk schwer auf einen Nenner zu bringen ist. Seine verschiedenen literarischen Strömungen zuzurechnenden Erzählungen und Romane werden thematisch jedoch durch einen roten Faden verbunden: das "Prinzip Hoffnung".

De Winter ist Sohn jüdisch-orthodoxer Eltern, die in seiner Familie beinahe die einzigen Überlebenden des Holocaust waren. Sein Vater, Altmaterialienhändler, verstirbt früh. De Winter besucht als einer der ersten seiner Familie das Gymnasium und schafft es bis an die Filmakademie in Amsterdam. Sein Studium dort bricht er wegen Unzufriedenheit mit der Unterrichtsqualität jedoch vorzeitig ab und gründet zusammen mit zwei Kommilitonen die EAFA ("Eerste Amsterdamse Filmassociatie" – "Erste Amsterdamer Filmgesellschaft"), welche mehrere Filme produziert. Schon während des Studiums hatte De Winter zusätzlich begonnen zu schreiben. 1976 veröffentlicht er seine ersten Erzählungen unter dem Titel Over de leegte in de wereld ("Über die Leere in der Welt"). 1976 erscheint sein erster Roman, De (ver)wording von de jongere Dürer (dt.: "Die (Ver)Bildung des jungen Dürer", 1986 – unter dem Titel Nur weg hier! Die Abenteuer eines neuen Taugenichts 1992 neu aufgelegt).

Seinen Durchbruch erlebt De Winter 1981 mit dem Roman Zoeken naar Eileen W. ("Suchen nach Eileen W."). Dieser Roman ist im Umfeld der gemäßigt postmodernen "Revisor-Prosa" anzusiedeln, welche nach der Zeitschrift De Revisor benannt ist. Die "Revisor-Prosa" lässt einerseits die Form vor dem Inhalt gelten und ist sich ihrer Fiktionalität bewusst. Andererseits wird die Erzählung nicht völlig aufgebrochen und in ihre Bestandteile zerlegt, so dass ein Erzählstrang intakt bleibt. Auch De Winters folgende Romane La Place de la Bastille (1981, dt.: "La Place de la Bastille", 2005) und Vertraagde roman: Reportage ("Verspäteter Roman: Reportage", 1982) gehen in diese Richtung. Während er sich ab seinem Roman Kaplan (1986, dt.: "Leo Kaplan", 2001) einem realistischeren Schreibstil zuwendet, dreht sich sein Werk inhaltlich weiterhin um einen thematischen Schwerpunkt: den suchenden Menschen, welcher trotz aller Rückschläge in einer materialistischen Zeit dem von Ernst Bloch artikulierten "Prinzip Hoffnung" folgt und neue Auswege aufspürt. De Winter sieht in der Literatur einen Weg in eine bessere Zukunft.

Auszeichnungen

1973 Ontmoetingsprijs Stichting Literaire Dagen
1979 Reina Prinsen Geerligsprijs
2002 WELT-Literaturpreis
2006 Buber-Rosenzweig-Medaille

In der Kritik ist De Winter oft angegriffen worden. Wegen seines wandelbaren Schreibstils wurde er das "Chamä-Leon" genannt, welches sich allen literarischen Moden anpasse. Besonders jedoch der Umgang mit seinem jüdischen Hintergrund, den er in seinen Romanen stets intensiver verarbeitete, stieß auf Kritik. Allen voran der 2004 ermordete Filmregisseur Theo van Gogh warf ihm vor, seinen jüdischen Hintergrund auszuschlachten und ihn in seinen Büchern zu vermarkten.

De Winter wohnt in Amsterdam und ist mit der Schriftstellerin Jessica Durlacher verheiratet, mit der er zwei Kinder hat. Er hält sich regelmäßig für Arbeitsaufenthalte in den USA auf und schreibt sowohl für niederländische als auch für deutsche Zeitungen und Zeitschriften Kommentare.

Notizen: Er war Filmregisseur, unter anderem: Junkieverdriet und Hoffman's honger (eine vierteilige Fernsehsendung für den Sender VPRO). Gemeinsam mir seiner Frau Jessica Durlacher dozierte er 2005 an der Universität von Berkeley im Fach Anne Frank and after, über übersetzte niederländische Literatur. De Winter erhält 2006 die deutsche Buber-Rosenzweig-Medaille für seinen Kampf gegen Antisemitismus und rassistische Tendenzen in Politik, Gesellschaft und Kultur. Jede Woche schreibt er eine viel beachtete Kolumne in der niederländischen Zeitschrift Elsevier.

 

Werke

Serenade (1995, Boekenweekgeschenk), Het grote Leon de Winter boek (1996, Umfasst: Kaplan, Hoffman's honger und Supertex), Lady Di in een bevallige pose (1996, Essay), De hemel van Hollywood (1997, Roman), God´s Gym Roman (2003, Roman), De vijand (2004)

Deutsche Übersetzungen

SuperTex (1996), Serenade (1997), Leo Kaplan (2002), Sokolows Universum (2001), Der Himmel von Hollywood (2000), Malibu (2004), Hoffmans Hunger (2000), Nur weg hier! Die Abenteuer eines neuen Taugenichts (2000), Place de la Bastille (2005)


Autorin: Beatrix van Dam
Erstellt:
Dezember 2006


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Grüttemeier, Ralf/Leuker, Maria-Theresia (Hrsg.): Kritisch lexicon van de Nederlandstalige literatuur na 1945; Niederländische Literaturgeschichte, Stuttgart, 2006.

Anbeek, Ton: Geschiedenis van de literatuur in Nederland 1885-1985, Amsterdam, 1999.


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