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Joost van den Vondel

* Köln, 17. November 1587 - † Amsterdam, 5. Februar 1679 - einer der bedeutendsten Dichter des sogenannten "Goldenen Zeitalters" in den Niederlanden. Noch heute liegt man ihm zu Füßen –  zum Beispiel bei einem Picknick vor seiner Statue im nach ihm benannten Vondelpark inmitten von Amsterdam.

Vondel, Joost van den
J. van den Vondel, Quelle: Philips Koninck

Amsterdam war auch der Ort des Lebens und Wirkens dieses Schriftstellers, obwohl er als Sohn einer mennonitischen Familie (sein Vater war erfolgreicher Seidenstrumpfhändler) in Köln geboren wurde.  Er war nicht der einzige, den es nach Amsterdam gezogen hatte – die Stadt strotzte nur so von talentierten Menschen, die als Händler, Handwerker, Politiker und Künstler in ihrem regen Treiben dazu beitrugen, Amsterdam zu einem der wichtigsten Zentren der Zeit zu machen.  Hier entwickelte sich am deutlichsten, was man in den Niederlanden das "Goldene Zeitalter" ("Gouden Eeuw") nennt, in dem die Niederlande eine politische, wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit erlebten.

Auf seinem Gebiet trug Vondel zu dieser Blüte bei, etwa indem er – wie seine berühmten Zeitgenossen Gerbrand A. Bredero und Pieter Corneliszoon Hooft – das niederländische Drama reformierte. Als Schriftsteller der Renaissance ging man dabei von der Antike aus. So wurde den Vorgaben des griechischen Philosophen Aristoteles entsprechend nach Einheit von Ort und Zeit gestrebt. Außerdem setzt sich die Einteilung der Theaterstücke in fünf Akte durch. Charakteristische Merkmale der Poetik der niederländischen Literatur des 17. Jahrhunderts finden sich in Vondels Aenleidinghe ter Nederduitsche dichtkunste ("Anleitung zur  niederländischen Dichtkunst") von 1651. Hier erklärt Vondel auch die drei Stufen der Zuwendung zur Literatur der Antike: translatio (Übersetzung), imitatio (Nachahmung) und aemulatio (Wetteifern). Vondel selbst nimmt sich in seinem Schreiben oft den römischen Dichter Seneca zum Vorbild – deswegen befinden sich so viele lange Monologe, Geister- und Traumerscheinungen in seinen Dramen. Ebenso häufig verarbeitet er in seinem Werk biblische Stoffe. Vondel war außerdem Mitglied einer der damals beliebten Sprachgesellschaften, der Rederijkerskamer "Het Wit Lavendel" ("Der weiße Lavendel").

Mit dem Gysbreght van Aemstel schreibt Vondel das bekannteste Drama des Goldenen Zeitalters. Dem Zeitgeist entsprechend greift er das antike Aeneas-Epos des römischen Dichters Vergil auf, verlegt die Handlung jedoch vom alten Troja ins zeitgenössische Amsterdam, das anstatt des trojanischen Pferdes ein hölzernes Schiff mit feindlichen Truppen einlässt. Dieser Fehler ist der Untergang des Gysbreght, dem eine Verschwörung gegen den Herrscher Floris V. vorgeworfen wird.  Das Stück stößt auf Protest der protestantischen Bevölkerung, weil es kritiklos einen Bischof und eine Gruppe Nonnen auftreten lässt. Daher darf die Premiere nicht wie geplant am zweiten Weihnachtstag 1637 stattfinden, sondern wird auf den 3. Januar 1638 verschoben. Seitdem wurde es bis 1968 in Amsterdam als Neujahrstück aufgeführt.

Vondel erregt auch durch andere Stücke Anstoß, etwa durch das Drama Palamedes, das den Statthalter Maurits indirekt beschuldigt, den großen Raatspensionär Johan van Oldenbarnevelt ermordet zu haben. Nicht zuletzt seine Konvertierung vom Protestantismus zum Katholizismus macht ihn zu einer kontroversen Figur des Goldenen Zeitalters. Sein Werk ist sehr umfangreich, neben Gedichten und theoretischen Abhandlungen verfasst er insgesamt 26 Trauerspiele, die ihm auch im deutschen Sprachraum große Popularität verschaffen und etwa den berühmten deutschen Barockdichter Andreas Gryphius inspirieren.

Weitere wichtige Dramen Vondels sind: Het Pascha ("Das Pessach", 1612), Hierusalem verwoest ("Jerusalem verwüstet", 1622), Gebroeders ("Brüder", 1640), Lucifer ("Lucifer", 1654), Adam in ballingschap ("Adam in der Verbannung", 1664), Jeptha, of offerbelofte ("Jeptha, oder Opferversprechen", 1659), Noah ("Noah", 1667).

Autorin: Beatrix van Dam
Erstellt:
Dezember 2006


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Grüttemeier, Ralf/Leuker, Maria-Theresia (Hrsg.): Kritisch lexicon van de Nederlandstalige literatuur na 1945; Niederländische Literaturgeschichte, Stuttgart, 2006.


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