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Felix Timmermans

* Lier, 5. Juli  1886 - † Lier, 24. Januar 1947  - Der Mann, der mit Worten malte. Der flämische Schriftsteller Felix Timmermans hat am Niederrhein viele Freunde.

Felix Timmermanns
Felix Timmermanns, Quelle: unbekannt/BArch (Bild 102-12722)/cc-by-sa

Timmermans Belgien: Bier, Pommes frites, Muscheln. Manneken Pis, Magritte, Peter Paul Rubens. Wer an Belgien denkt, kommt schnell auf Essen und schöne Kunst. Aber Literatur? Weniger. Dem Gebildeten fällt vielleicht noch Hugo Claus ein oder die Geschichte vom Till Eulenspiegel. Das wars dann meist auch schon. Belgien ist im Ausland literarisches Niemandsland. Um so erstaunlicher, dass es am Niederrhein einen Literaturverein gibt, der sich ganz dem Leben und Werk des flämischen Schriftstellers Felix Timmermans verschrieben hat. Die Felix-Timmermans-Gesellschaft mit Sitz in Kleve ist der einzige Literaturverein in Deutschland, der sich ausschließlich einem niederländisch-sprachigen Literaten widmet.

Ein Mensch mit Ausstrahlung

Ignaas Dom weiß fast alles über Felix Timmermans. Der Pfarrer der kleinen Kirchengemeinden Till und Huisberden beschäftigt sich seit zwanzig Jahren mit dem Schriftsteller. Er hat eine Biografie über ihn geschrieben und ist auch heute noch von dem Schaffen des kreativen Belgiers beeindruckt: "Er war ein einmaliger Mensch. Mehr als nur ein Dichter und Schriftsteller. Felix Timmermans war ein Mensch mit Ausstrahlung." Wenn Ignaas Dom über Felix Timmermans spricht, sprüht er vor Leidenschaft. Ständig ist er auf der Suche nach Büchern, Texten und Bildern, um noch ein schönes Zitat zur Hand zu haben oder um zeigen zu können, dass Timmermans auch ein guter Maler war. Und ein Mann, fest verwoben mit seiner flämischen Heimat: "90 Prozent seiner Inspiration schöpfte er aus seiner Jugendzeit", erzählt Dom.

Zwei Millionen Bücher gingen über die Ladentheke

Aber wer war denn eigentlich dieser Felix Timmermans? Der flämische Autor wurde 1886 in Lier bei Antwerpen geboren und war in den 20er und 30er Jahren einer der meistgelesenen Autoren in Belgien. Auch heute noch wird er viel beachtet. Vor kurzem erschien eine 500 Seiten starke Biografie von Gaston Durnez. Auch in deutschen Schulbüchern sind seine Schriften, wie "Sankt Nikolaus in Not" oder "Jesuskind in Flandern" erschienen. Richtig bekannt wurde Timmermans jedoch durch den Pallieter. Ignaas Dom: "In Deutschland gehörte er zu den meistgelesenen ausländischen Autoren. Bei seinen Reisen in 140 deutsche Städte lockte er leicht 300 und mehr Menschen zu seinen Lesungen." Oft kritzelte er Autogramme auf Rezeptblöcke, weil keine Signaturkarten mehr da waren. Zwei Millionen Bücher gingen damals über die Ladentheken. Am Niederrhein war Timmermans häufiger und hat gelesen: In Duisburg, Xanten, Neuss, Kleve und Kevelaer war der Wortschmied zu Gast. Über die schriftstellerische Qualität sagt Dom: "Die Erzählkunst von Timmermans gehört zu einem Zwischengenre. Seine Bücher sind keine Groschenromane, aber auch keine wirklich hohe Literatur wie etwa die Arbeiten von Rainer Maria Rilke - der sich sehr lobend über Timmermans ausgelassen hat."

Langsam und laut lesen

Ignaas Dom ist mit seiner Faszination nicht allein. 315 Mitglieder zählt die Felix-Timmermans-Gesellschaft heute. Sie ist emsig am Werk. Jedes Jahr gibt sie ein Jahrbuch heraus, organisiert Theateraufführungen, gesellige Mitgliedertreffen und Jahresexkursionen auf den Spuren des Dichters. Und weiter übersetzen die Mitglieder Schriften, die in Deutschland bislang unbekannt sind. Die Vorsitzende Ingrid Wolters erzählt: "Timmermans ist noch nicht passé. Er hat eine große Wirkung und sollte viel mehr gelesen werden. Denn wenn man ihn liest, ist man beeindruckt von der Erzählkunst." Die bilderreiche Sprache ist auch für Guido Verhoeven so reizvoll: "Wenn Timmermans schrieb, malte er mit Worten. Wie schön klingt es, wenn er eine trübliche Stimmung beschreibt: Ihr Herz ist in einen Dornenbusch gefallen. Das sagt so viel. Aber wer schreibt denn heute noch so?" Felix Timmermans müsse man langsam und laut lesen, sonst bemerke man die vielen tiefsinnigen Textstellen gar nicht, meint Verhoeven. Für Felix Timmermans sei Schreiben Berufung gewesen, sagt Dom. "Er konnte auch von einfachen Menschen gelesen werden und vermittelte ernste Themen." Ignaas Dom verbindet mit Timmermans die eigene Jugend. Der Pastor wurde ebenfalls in Lier geboren und erinnert sich noch, wie Timmermans mit Hund durch die Straße spazierte oder wie er am Stadtfluss, der Nethe, stand. Angesprochen hat er ihn nie. Dafür war der Respekt einfach zu groß. Und auch heute ist der Respekt der Gesellschafts-Mitglieder nicht zu überhören: "Man hängt ihm an den Lippen", sagt Ingrid Wolters voller stolz.

Autorin: Andreas Gebbink
Erstellt:
September 2006


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Dom, Ignaas: Felix Timmermans: Ein Dichter aus Flandern. Kleve 2000.

Durnez, Gaston: Felix Timmermans, een biografie. Tielt 2001.


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