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Gerard Kornelis van het Reve

* Amsterdam, 14. Dezember 1923 - † Zulte, 8. April 2006 -Schriftsteller, Genre: Poesie, Roman, Novelle, Kurzgeschichte, Briefe

Gerard Reve
Gerard Reve (1969), Quelle: AVRO/Beeld en Geluidwiki/cc-by-sa

Gerard Kornelis van het Reve wird neben Willem Frederik Hermans und Harry Mulisch zu den "großen Drei" der niederländischen Nachkriegsliteratur gezählt. Er ist bekannt für seinen schwarzen Humor und für seine provokative Einstellung im Schreiben wie im Leben.

Reve wurde am 14. Dezember 1923 in Amsterdam geboren und verbrachte seine Kinderjahre im Stadtteil Watergraafsmeer. Er besuchte das Gymnasium, schloss es aber nicht ab, sondern arbeitete von 1945 bis 1946 bei der Redaktion der Amsterdamer Zeitung Het Parool. Schon in dieser Zeit begann er zu schreiben und debütierte 1946 mit der Erzählung De ondergang van de Familie Boslowits ("Der Untergang der Familie Boslowits", 1966), die wenig Aufmerksamkeit auf sich zog.

Seinen wirklichen Durchbruch stellte der 1947 veröffentlichte Roman De avonden (Die Abende, 1988) dar. Dieser Text fiel in den turbulenten Nachkriegsjahren durch ein merkwürdiges Merkmal auf, denn in dieser Erzählung passiert einfach nichts. Erzählt werden zehn aufeinander folgende Abende im Leben des Jungendlichen Frits van Egters, seine alltäglichen Tätigkeiten und Besuche bei Freunden. Um Tod, Einsamkeit und Angst dreht sich die mit schwarzem Humor gespickte Beschreibung eines jungen Lebens. Gerade Egters' Gleichgültigkeit provozierte die Leserinnen und Leser – sie sahen in ihm die desillusionierte Nachkriegsjugend, welche jegliche Ideale im Krieg verloren hatte und sich in morbiden Ritualen und alltäglichen Banalitäten erging. Der Roman stieß auf viele Befürworter und sorgte für einen Sturm in der Literaturkritik. Er wurde als "absurdes" Buch dem Existenzialismus zugeordnet und erhielt noch im Jahr seines Erscheinens den Geerlingspreis.

Auszeichnungen

1946 Geerlingspreis für De Avonden
1960 Mr. van der Viespreis für Moorlandshuis
1963 Amsterdamer Novellenpreis für Tien Vrolijke Verhalen
1968 P.C. Hooftpreis für das Gesamtwerk
1974 Ernennung zum Ridder in de Orde van Oranje Nassau

Im darauf folgenden Jahr heiratete Reve die Schriftstellerin Hanny Michaelis. 1951 bekam er ein Reisestipendium, das ihm aber wieder entzogen wurde, weil die von ihm zur selben Zeit veröffentlichte Novelle Melancholia gegen die öffentliche Ordnung verstoße. Hier äußert sich das Ausmaß an Provokation von Reves Werk, an der sich die Geister Zeit seines Lebens scheiden sollten. Reve beschloss nach diesem Vorgang, von nun an nur noch auf Englisch zu schreiben und emigrierte 1952 nach London. Seine dort verfassten Texte (The acrobat and other stories, 1956) stießen aber auf wenig Interesse, so dass Reve 1957 in die Niederlande zurückkehrte und sich in der Zeitschrift Tirade engagierte. Er trennte sich von seiner Frau und lebte zusammen mit Wilhelm Johann Schuhmacher in Amsterdam. Nicht nur privat markierten diese Jahre eine Wende, auch schriftstellerisch zeigten sich neue Aspekte, die erst zu Reves herausragender Stellung in der niederländischen Literatur führten.

Reve spielte sowohl in seinen Texten als auch in der Öffentlichkeit zunehmend seine eigene Person in den Vordergrund. Er bekannte sich zu seiner Homosexualität und zelebrierte 1966 seinen Eintritt in die römisch-katholische Kirche als öffentliches Ereignis. Die Themenkomplexe Religiosität und Sexualität zogen sich auch durch seine Texte. Ihre provokative Kombination führte 1966 zu einem berühmten Prozess wegen Gotteslästerung ("Der Eselprozess") in seinem Roman Nader tot U (1966, Näher zu dir, 1970), in dem die Hauptfigur Sex mit einem Esel hatte. Reve wurde schließlich vor dem höchsten niederländischen Gericht, dem Hoge Raad, freigesprochen. Auch die Verleihung des P.C. Hooftpreises an Reve führte zu einem Eklat, da er die Ministerin Marga Klompé bei der Preisverleihung küsste.

In den Texten aus dieser Zeit, etwa in der Briefsammlung Op weg naar het einde ("Unterwegs zum Ende", 1970), reflektierte Reve auch den Vorgang des Schreibens und beschrieb sich selbst auf der Suche nach der passenden Form für seine Gedanken. Schon in dieser Zeit kündigte er ein "Buch der Bücher" an, das alle anderen Texte bis auf Bibel und Telefonbuch in den Schatten stellen sollte. 1996 erschien dieses Wunderwerk unter dem Titel Het Boek Van Violet En Dood ("Das Buch Von Violett Und Tod") als letzter großer Roman Reves, dessen Handlung sich in Exkursen und Erinnerungen auflöst und Reve als Virtuosen der Ausschweifung bestätigt.

Der seit 1969 in Frankreich lebende Schriftsteller erkrankte Ende der 90er Jahre an Alzheimer. Ab 1999 stellte er das Schreiben ein und kam Mitte des folgenden Jahrzehnts in ein Pflegeheim in Belgien. 82jährig starb er am 8. April 2006.

 

Werke

De avonden (1947, Roman), Werther Nieland (1949, Novelle), De ondergang van de familie Boslowits (1950, Novelle), Op weg naar het einde (1963, Roman), Nader tot U (1966, Roman), De Taal der Liefde (1972, Roman), Lieve Jongens (1973, Roman), De Vierde Man (1981, Roman), Het boek van violet en dood (1996, Roman), Het hijgend hert (1998, Roman)

Deutsche Übersetzungen

Die Abende. Eine Wintergeschichte (1998), Näher zu Dir (1998), Der vierte Mann (1997)

Autorin: Beatrix van Dam
Erstellt:
Dezember 2006


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Grüttemeier, Ralf/Leuker, Maria-Theresia (Hrsg.): Kritisch lexicon van de Nederlandstalige literatuur na 1945; Niederländische Literaturgeschichte, Stuttgart, 2006.


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