Literatur - PERsonen A-Z



Cees Nooteboom

* Den Haag,  31. Juli  1933 - Cornelis Johannes Jacobus Maria Nooteboom ist einer der bedeutendsten niederländischen Schriftsteller der Gegenwart.

Cees Noteboom
C. Nooteboom (1983), Quelle: Anefo/NA (932-7892)

Der Name dieses 1933 in den Niederlanden geborenen Schriftstellers, Lyrikers und Journalisten ist auch in Deutschland keineswegs unbekannt. Allerdings tritt er hier erst mit seinem Roman Rituelen in Erscheinung, welcher in den Niederlanden im Jahre 1980 veröffentlicht wurde und in deutscher Übersetzung (Rituale) 1985 auf den Markt kommt. Seinen wirklichen Durchbruch in Deutschland erlebt Nooteboom durch eine Ausstrahlung der Sendung "Das literarische Quartett" 1991, in welcher der "Literaturpapst" Marcel Reich Ranicki Nootebooms Buch Het volgende verhaal (Boekenweekgeschenk 1991, dt.: Die folgende Geschichte, 1991) in den höchsten Tönen lobt. Bekannt geworden war er aber auch in Deutschland schon mit seinen Berlijnse Notities (1990, dt.: Berliner Notizen 1991), die er unter dem Eindruck des Berliner Mauerfalls geschrieben hatte. Für Niederländerinnen und Niederländer ist Cees Nooteboom schon seit 1955 ein Begriff, als er sich durch die Publizierung seines ersten Romans Philip en de anderen einen Namen macht und selbst in den Schulkanon aufgenommen wird. Dieser Roman wird zwar 1958 unter dem Titel Das Paradies ist nebenan auch in Deutschland veröffentlicht, erreicht aber erst durch die Neuübersetzung Philip und die anderen im Jahre 2003 ein größeres Publikum.

Seit seinem Durchbruch in Deutschland sieht sich der Schriftsteller mit der paradoxen Situation konfrontiert, im westlichen Nachbarland auf größere Beliebtheit zu stoßen als in seinem Heimatland. In den Niederlanden haftet noch stets das Image eines Reiseberichterstatters an ihm, welches sich schlecht abstreifen lässt, da es eng mit seiner abwechslungsreichen Biografie verknüpft ist.

Nooteboom erlebt als Kind den Zweiten Weltkrieg mit und verliert seinen Vater durch einen Bombenangriff auf Den Haag. Er bricht seine Schullaufbahn an einer katholischen Klosterschule ab und arbeitet zunächst bei einer Bank. 1953 packt ihn das Reisefieber und treibt ihn, oft als Tramper, quer durch Europa. Der Roman Philip en de anderen erscheint während dieser Reiseperiode und ist stark von ihr beeinflusst. 1957 zieht es Nooteboom noch weiter in die Welt hinaus, so dass er auf einem Schiff in die Karibik anheuert, um für seine erste Ehe das Einverständnis des Brautvaters einzuholen. Hieraus resultieren die Erzählungen des Bandes De verliefde gevangene (1958, dt.: Der verliebte Gefangene: Tropische Erzählungen, 2006).  1963 erscheint mit De ridder is gestorven (dt.: Der Ritter ist gestorben, 1996) sein zweiter Roman, der vorerst auch sein letzter sein sollte. Nooteboom schreibt zwar während der folgenden 17 Jahre Gedichte und Reiseberichte, ist jedoch hauptsächlich als Journalist tätig. Seine Essay-Sammlung Berlijnse notities (1990, dt.; Berliner Notizen, 1991) verarbeitet die Erfahrungen dieser Zeit.  Erst im Jahre 1980 etabliert sich Nooteboom durch Rituelen wieder als Schriftsteller.

Rituelen gilt als Teil einer Welle von Werken, die im Gegensatz zum "kleinen Realismus" der Siebziger Jahre mehr Nachdruck auf die Macht der Phantasie legen. Das Thema des Romans ist die Erinnerung, welche nicht gleich bleibt, sondern abhängig von Zeit und Umständen, in denen sie aufgerufen wird, unterschiedlich ausfällt: "Herinnering is als een hond die gaat liggen waar hij wil." ("Erinnerung ist wie ein Hund, der sich hinlegt, wo er will") heißt es ganz zu Anfang des  Romans. Mit der Novelle Een lied van schijn en wezen (1981, dt.: Ein Lied von Schein und Sein, 1989) entspricht Nooteboom postmoderner Selbstreflexion, wenn er zwei Schriftsteller beschreibt, die sich darüber streiten, ob der wirklichen Welt überhaupt noch eine fiktive Welt hinzugefügt werden sollte. Nooteboom wird sowohl für einzelne Werke als auch für sein Gesamtwerk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Weitere der rege ins Deutsche übertragenen Werke des Schriftstellers sind z.B.: In Nederland (1984, dt.: In den niederländischen Bergen, 1987), De omweg naar Santiago (1992, dt.: Der Umweg nach Santiago, 1996), Allerzielen (1998, dt.: Allerseelen, 1999), Zo kon het zijn (2000, dt.: So könnte es sein, 2001), Paradijs verloren (2004, dt.: Paradies verloren, 2005).

Preise und Auszeichnungen

  • 1957 – Anne Frank-prijs für Philip en de anderen
  • 1960 – Poëzieprijs van de gemeente Amsterdam für Ibicenzer gedicht
  • 1960 – ANV-Visser Neerlandia-prijs für De zwanen van de Theems ("Die Schwäne der Themse")
  • 1963 – Lucy B. en C.W. van der Hoogtprijs für De ridder is gestorven
  • 1965 – Poëzieprijs van de gemeente Amsterdam für Gesloten gedichten ("Geschlossene Gedichte")
  • 1969 – Poëzieprijs voor dagbladjournalistiek für De Parijse beroerte
  • 1978 – Jan Campertprijs für Open als een schelp - dicht als een steen ("Offen wie eine Muschel – geschlossen wie ein Stein")
  • 1981 – F. Bordewijkprijs für Rituelen
  • 1982 – Cestoda-prijs
  • 1982 – Mobil Pegasus Literatuur Prijs für Rituelen
  • 1983 – Persprijs van Westtoerisme für Schetsen van Vlaanderen ("Skizzen von Flandern")
  • 1985 – Multatuliprijs für In Nederland
  • 1991 – Literaturpreis zum 3. Oktober für Berlijnse Notities
  • 1992 – Constantijn Huygensprijs für das Gesamtwerk
  • 1993 – Aristeion-prijs (Europäischer Literaturpreis) für Het volgende verhaal
  • 1993 – Hugo-Ball-Preis für die Reiseliteratur, Essays und Gedichte
  • 1997 – Zum 'Honorary member of the Modern Language Association of the United States of America' ernannt.
  • 2000 – Gedichtendagprijzen für 'Harba lori fa' aus dem Gedichtband Zo kon het zijn (2000, dt.: So könnte es sein, 2001)
  • 2000 – Internationaler Compostela-Preis für De omweg naar Santiago (1992, dt.: Der Umweg nach Santiago, 1996)
  • 2001 – Karlsmedaille für europäische Medien
  • 2002 – Hansischer Goethe-prijs für das Gesamtwerk
  • 2003 – Österreichischer Staatspreis für europäische Literatur
  • 2004 – P.C. Hooftprijs für das Gesamtwerk

Autorin: Beatrix van Dam
Erstellt:
Dezember 2006


Links

Wichtige Links zum Thema Literatur finden Sie unter Institutionen

Literatur

Alle bibliographischen Angaben zum Thema Literatur finden Sie unter Bibliographie

Grüttemeier, Ralf/Leuker, Maria-Theresia (Hrsg.): Kritisch lexicon van de Nederlandstalige literatuur na 1945; Niederländische Literaturgeschichte, Stuttgart, 2006.

Anbeek, Ton: Geschiedenis van de literatuur in Nederland 1885-1985.


Impressum | Datenschutzhinweis | © 2018 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel: +49 251 83-28516 · Fax: +49 251 83-28520
E-Mail: