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Multatuli

* Amsterdam, 2. März 1820 - † Ingelheim am Rhein, 19. Februar 1887 - hinter dem Pseudonym Multatuli verbirgt sich der Schriftsteller Eduard Douwes Dekker

Eduard Douwes Dekker
Porträt von Eduard Douwes Dekker, Quelle: Wikipedia

"Multatuli" kommt aus dem Lateinischen und heißt "Ich habe viel erlitten" – eine charakteristische Selbstbezeichnung, die sich der stets zur Konfrontation bereite, exzentrische Schriftsteller wählte. Sein bekanntestes Werk, Max Havelaar, of de koffy-veilingen der Nederlandsche Handel-maatschappij (1860, dt.: Max Havelaar oder Die Kaffeeversteigerung der Niederländischen Handelsgesellschaft), stellte dann auch eine Anklage gegen die Herrschaftspraxis der Kolonialmacht Niederlande in ihren Kolonien dar.

Douwes Dekker hatte selbst als Kolonialbeamter jahrelang in Niederländisch-Ostindien (heutiges Indonesien) gelebt und war mehrmals mit seinen Vorgesetzten in Konflikt geraten, weil er sich nicht mit den vorgefunden Zuständen abfinden wollte. Die Niederlande verdienten viel Geld an ihren Kolonien, indem sie sich selbst als Grundbesitzer installierten, während die javanische Bevölkerung das Land gegen zwanzig Prozent der Ernte pachten musste. Außerdem hatten die Javanerinnen und Javaner sich zu verpflichten, ein Fünftel des Landes mit Produkten für den Europäischen Markt wie Tabak, Gewürzen oder Kaffee zu bebauen. Neben der Unrechtmäßigkeit dieser Situation bewegt auch die ungerechte Behandlung der Bevölkerung durch die Kolonialherren, aber auch durch ihre eigenen Führer, Douwes Dekker tief. Nach achtzehn Dienstjahren kehrt er desillusioniert zurück in die Niederlande. An eine neue Stellung kommt er nicht und so lebt er von der Hand in den Mund, während er seine Erfahrungen im Max Havelaar verarbeitet, der von dem Konflikt eines Kolonialbeamten mit dem Machtapparat handelt. Das Buch erscheint 1860, findet sofort großen Anklang und sorgt für heftige Kontroversen. Douwes Dekker fühlt sich bestärkt, die Schriftstellerlaufbahn einzuschlagen. Bis heute ist Max Havelaar nicht nur wegen seiner inhaltlichen Brisanz, welche die erst im 20. Jahrhundert entwickelte postkoloniale Literatur in Zügen vorwegnimmt, im Gedächtnis geblieben. Auch seine formale Gestaltung hat besondere Eigenschaften, wie etwa die verschachtelte Rahmenhandlung, in der sich der egozentrische Kaffeehändler "Droogstoppel" immer wieder zu Wort meldet und schließlich selbst das Autor-Ich auftritt, um einen Appell an das Staatsoberhaupt, den König, zu richten, der die kolonialen Missstände beenden soll.

Multatuli kennzeichnet sich durch einen brillanten, egozentrischen und nervösen Schreibstil und die Ideologisierung seiner Werke wie seines Lebens unter Schlagworten wie der "Ideologie der Rechtschaffenheit" oder des "Stils der absoluten Aufrichtigkeit". Der Vorreiterrolle in der Kritik des Umgangs der westlichen Welt mit nicht-westlichen Kulturkreisen wegen ist heute eine fair gehandelte Kaffeesorte nach seinem Hauptwerk Max Havelaar benannt. Weitere literarische Werke sind De bruid daarboven, die Minnebrieven (1861, dt.: Minnebriefe,  1900), die Ideën-Anthologie ("Ideen-Anthologie") und der Roman Woutertje Pieterse (1890, dt.: Die Abenteuer des kleinen Walther). Obwohl sich Multatuli Zeit seines Lebens verkannt fühlte, wurde sein Werk posthum so prestigeträchtig, dass 1910 ein Multatuli-Museum eröffnet und 1946 eine Multatuli-Gesellschaft gegründet wurde.

Autorin: Beatrix van Dam
Erstellt:
Dezember 2006


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