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Margriet de Moor

* Noordwijk, 21. November 1941 - niederländische Schrifstellerin, Genres: Roman, Novelle, Kurzgeschichten

Margriet de Moor ist eine niederländische Schriftstellerin, die – zusammen mit ihren Romanfiguren – immer "auf der Suche" ist: nach jemandem, nach etwas – nach einer Wirklichkeit hinter dem Alltäglichen, die sich nie finden lässt.

Auszeichnungen

1989 Gouden Ezelsoor für Op de rug gezien
1990 Lucy B. en C.W. van der Hoogt-prijs für Dubbelportret
1992 AKO Literatuurprijs für Eerst grijs dan wit dan blauw 

De Moor wird 1941 als Margaretha Maria Antonette Neefjes als viertes von zehn Kindern in Noordwijk geboren. Ihr Vater ist Schulleiter, ihre Mutter Französischlehrerin. Ihre Familie beschreibt sie als "gut katholisch […] mit Achtung vor Büchern und Kultur". Nach dem Abschluss der Fachoberschule studiert sie Klavier und Gesang am Königlichen Konservatorium in Den Haag und tritt ab 1968 regelmäßig als Sängerin auf. Ende der Siebziger Jahre studiert sie Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität von Amsterdam, kann aber wegen des fehlenden Abiturzeugnisses nur die Grundausbildung absolvieren. Sie heiratet den Bildhauer Heppe de Moor, mit dem sie 1984 einen Künstlersalon aufmacht. Im Jahre 1992 verstirbt ihr Mann und kurz danach ihr Vater. De Moor wohnt mit ihren beiden Töchtern in Bussum und zieht nach Amsterdam um, nachdem ihre Kinder ausgezogen sind.

Ihr schriftstellerisches Debüt ist 1988 der Erzählband Op de rug gezien (dt.: Rückenansicht, 1993), der das "Goldene Eselsohr" für das bestverkaufte Debüt des Jahres bekommt. Schon der Titel dieses Bandes spiegelt das Verhältnis der Figuren De Moors zur Wirklichkeit wider: sie können die Dinge nur zur Hälfte sehen und erkennen weder sich noch andere Menschen. Der Titel ihrer zweiten, ebenfalls preisgekrönten Veröffentlichung, Dubbelportret (1989, dt.: Doppelporträt, 1994) weist ebenfalls auf ein ihr literarisches Werk durchziehendes Charakteristikum hin: die Doppelbödigkeit der Wirklichkeit, die man nicht durchgründen kann, weil sich hinter den wahrnehmbaren Tatsachen noch eine andere Realität versteckt, die schwer zu fassen ist. Auch ihr Romandebüt Eerst grijs dan wit dan blauw (1991, dt.: Erst grau dann weiß dann blau, 1993), 1992 mit dem AKO Literaturpreis ausgezeichnet, verarbeitet diese zwei Wirklichkeiten. Wie so oft in De Moors Erzählungen gerät das Leben der Figuren durch ein bestimmtes Ereignis aus dem Gleichgewicht, welches sie auf die Suche nach dem Anderen schickt. Eerst grijs dan wit dan blauw erzählt aus vier Erzählperspektiven die Geschichte eines Ehepaars, dessen Leben durch das plötzliche Verschwinden der Frau aus dem Ruder läuft. Das Stilelement des multiperspektivischen Erzählens unterstützt die Orientierungslosigkeit der Figuren. Der Macht der Phantasie im Schaffen eigener Welten kommt dabei eine tragende Rolle zu, so dass De Moors Erzählwerk trotz des realistischen Schreibstils in die Nähe der "Revisor-Prosa" rückt, welche die Konstruiertheit der Wirklichkeit betont. Als weiteres Element von De Moors Erzählwelt durchziehen musikalische Verweise ihr Werk, wofür der Roman Kreutzersonate: Een liefdesverhaal (2001, dt.: Kreutzersonate: Eine Liebesgeschichte, 2002) ein gutes Beispiel ist.

Werke

Dubbelportret (1988, Kurzgeschichten), Eerst grijs dan wit dan blauw (1991, Roman), De virtuoos (1993, Roman), Ik droom dus (1995, Roman), Hertog van Egypte (1996, Roman), Zee-Binnen (1999, Roman), Verzamelde verhalen (2000, Sammlung), Kreuzersonate (2001, Roman), De verdronkene (2005, Roman), De kegelwerper (2006, Roman)

Deutsche Übersetzungen

Erst grau dann weiß dann blau (1993), Rückenansicht (1993), Der Virtuose, (1994), Ich träume also (1996), Bevorzugte Landschaft (1996), Herzog von Ägypten (1997), Die Verabredung (2000), Kreuzersonate (2004), Sturmflut (2006)

Autorin: Beaxtrix van Dam
Erstellt: Dezember 2006


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Grüttemeier, Ralf /Leuker, Maria-Theresia (Hrsg.): Kritisch lexicon van de Nederlandstalige literatuur na 1945; Niederländische Literaturgeschichte, Stuttgart, 2006.


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