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Hendrik Marsman

* Zeist, 30. September 1899 – † 21. Juni 1940 bei einem Schiffsuntergang im Ärmelkanal – Schriftsteller, Dichter, Literaturkritiker, Übersetzer

Marsman Hendrik
Hendrik Marsman, Quelle: Nationaal Archief (935-0990)

Es gibt nur wenige Werke der niederländischen Poesie, die sich, was ihren Bekanntheitsgrad betrifft, messen können mit Hendrik Marsmans 1937 erschienenem Gedicht „Herinnering aan Holland“ (dt.: Erinnerung an Holland). Die Niederländer wählten es zum „niederländischen Gedicht des 20. Jahrhunderts“. Noch heute wird es gerne zitiert und immer wieder persifliert. Laut Letterkundig Museum ist Marsman einer der wichtigsten niederländischen Dichter der Zwischenkriegszeit.

Als ältester von drei Söhnen wuchs Hendrik Marsman in einer protestantischen Familie in Zeist auf. Der Vater führte einen Buchhandel, die Mutter war bis zur Hochzeit Lehrerin. Marsman wäre gerne Marineoffizier geworden, wie einer seiner jüngeren Brüder, doch seine schlechte Grundkonstitution verhinderte dies. Er studierte darum Rechtswissenschaften in Leiden und Utrecht und arbeitete anschließend als Anwalt in Utrecht. 1935 gab Marsman seine Anwaltskanzlei auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.

Herinnering aan Holland


Denkend aan Holland
zie ik brede rivieren
traag door oneindig
laagland gaan,
rijen ondenkbaare
ijle populieren
als hoge pluimen
aan den einder staan;
en in de geweldige
ruimte verzonken
de boerderijen
verspreid door het land,
boomgroepen, dorpen,
geknotte torens,
kerken en olmen
in een groots verband.
De lucht hangt er laag
en de zon wordt er langzaam
in grijze veelkleurige
dampen gesmoord,
en in alle gewesten
wordt de stem van het water
met zijn eeuwige rampen
gevreesd en gehoord.

Bereits während des Studiums debütierte Marsman in den Zeitschriften Stroomingen (1918) und De Beweging (1919). Großen Einfluss auf seine frühen Arbeiten hatten der niederländische Dichter Herman van den Bergh, der Flame Paul van Ostaijen, aber auch frühe deutsche Expressionisten wie Georg Trakl. Nach dem Ersten Weltkrieg war der Vitalismus – eine literarische Strömung, die das Ziel hatte, intensiv und risikoreich zu leben – Marsmans Antwort auf Zerstörung und Tod. In seinem Gedichtband „Paradise regained“ (1927) bekannte er sich zu einem leidenschaftlichen Leben. Er erhielt hierfür den Prijs van Amsterdam, eine Auszeichnung für junge niederländische Dichter.

Die Zeit zwischen 1928 und 1933 beschrieb Marsman selbst als eine Zeit der Suche. Häufige Lungenentzündungen und Depressionen quälten ihn. Oft packte ihn nach depressiven Episoden jedoch eine enorme Arbeitswut und er schrieb in hohem Tempo zahlreiche Gedichte. Er hatte viele Verhältnisse, auch mit Künstlerinnen, doch er heiratete 1929 zum Entsetzen seiner Künstlerfreunde die dominante, zwei Jahre ältere Rina Louise Barendregt, die ihn rund um die Uhr betüttelte. Die Ehe blieb kinderlos.

1925 sowie zwischen 1929 und 1931 war Marsman Redakteur von De Vrije Bladen, dann schloss er sich der literarischen Zeitschrift Forum an und befreundete sich mit dem Dichterkollegen Simon Vestdijk und mit Forum-Gründer Menno Ter Braak. Marsman wurde zum Literaturkritiker, unter anderem für den Nieuwe Rotterdamse Courant, und schrieb Essays über zeitgenössische Dichter. Den deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche bewunderte er; gemeinsam mit Pieter Endt übersetzte er Nietzsches Buch „Also sprach Zarathustra“ ins Niederländische. Für seinen Gedichtband „Porta Nigra“ erhielt Marsman 1934 den C.W. van der Hoogtprijs der Gesellschaft für Niederländische Literaturwissenschaft.

Marsman verbrachte viel Zeit im Ausland – vor allem in Frankreich und der Schweiz, aber auch in Südeuropa. Er verabscheute die niederländische Enge. „Holland ist und bleibt ein Elend. Wer hier auf den Boden stampft, versinkt im Matsch“, erklärte er einmal. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, befanden sich das Ehepaar Marsman gerade in Südfrankreich. Sie wollen nach England fliehen, doch die Fähre, mit der sie den Ärmelkanal überqueren wollten, sank. Die Unfallursache blieb ungeklärt. Marsmans Frau überlebte den Schiffsuntergang als eine der wenigen.

Werke (Auswahl)

1923 - Verzen (Lyrik)

1925 - Penthesileia (Lyrik)

1926 - De anatomische les (Essay)

1927 - De vliegende Hollander (Essay)

1927 - Paradise Regained (Lyrik)

1933 - De dood van Angèle Degroux (Roman)

1934 - Porta Nigra (Lyrik)

1936 - Heden ik, morgen gij (mit Simon Vestdijk) (Roman)

1937 - Herman Gorter (Essay)

1938 - Critisch proza

1939 - Menno ter Braak (essay)

1939 - Hieronymus, de dichter der vriendschap (von Teixeira de Pascoaes) (Übersetzung mit Albert Vigoleis Thelen)

1939 - Paulus de dichter Gods (von Teixeira de Pascoaes) (Übersetzung mit Albert Vigoleis Thelen)

1940 - Tempel en kruis (Lyrik)

1941 - Aldus sprak Zarathoestra (von Friedrich Nietzsche) (Übersetzung mit Ed. Coenraads, Pseudonym von Pieter Endt)

1945 - Brieven over literatuur (mit Simon Vestdijk)

1946 - Verbum obscurum (von Teixeira de Pascoaes) (Übersetzung mit Albert Vigoleis Thelen)

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt:
September 2014


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Grüttemeier, Ralf /Leuker, Maria-Theresia (Hrsg.): Kritisch lexicon van de Nederlandstalige literatuur na 1945; Niederländische Literaturgeschichte, Stuttgart, 2006.


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