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Geert Mak

* Vlaardingen, 4. Dezember 1946 - Schriftsteller und Essayist

Tessa de Loo
Geert Mak, Quelle: Mauritsvink

Geert Ludzer Mak wurde am 4. Dezember 1946 im niederländischen Vlaardingen unweit von Rotterdam geboren. Seine fünf älteren Geschwister und seine Eltern mussten im Zweiten Weltkrieg viel erleiden: weil der Vater als protestantischer Pfarrer in Indonesien gearbeitet hatte, war die Familie unter japanische Besatzung geraten. Maks Vater wurde als Kriegsgefangener in Birma festgesetzt und seine Mutter mit zwei der Kinder in einem der berüchtigten Frauenlager interniert, ein Bruder kam in ein Männerlager. Zwei weitere Geschwister hielten sich in den Niederlanden auf, so dass die Familie in alle Winde zerstreut war.

Mak hatte all dies nicht miterlebt und nahm daher eine besondere Stellung in der Familie ein. Er wuchs in Leeuwarden auf, besuchte dort das Gymnasium und begann danach, in Amsterdam Jura und Soziologie zu studieren. Zunächst war er bei der protestantisch geprägten Freien Universität eingeschrieben, wo er sich als Redakteur der Studentenzeitschrift Pharetra engagierte. 1967 wechselte er jedoch zur liberaleren Universität von Amsterdam. Nach seinem Studienabschluss arbeitete Mak in den 70er Jahren bei der alternativen Hilfsorganisation Release und der Pazifistischen Sozialistischen Partei (ein Vorläufer der niederländischen Groen Links-Partei). Außerdem arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Utrecht, wo er als Dozent für Staatsrecht und Ausländerrecht tätig war.

In dieser Zeit begann Mak, auch journalistisch aktiv zu werden. Er schrieb Artikel bei kritischen Zeitschriften wie De Groene Amsterdammer („Der grüne Amsterdamer“), wo er von 1975 an als Vollzeit-Redakteur angestellt wurde. Das besondere Augenmerk seiner Beiträge kam städtischen Belangen Amsterdams wie etwa der Hausbesetzerszene, die in diesen Jahren sehr aktiv war, zu. Von 1985 an arbeitete Mak als freiberuflicher Journalist und begann, für die bekannte überregionale Zeitung NRC Handelsblad zu schreiben, bei der er ab 1994 als Kolumnist arbeitete. Zusätzlich war er zwischenzeitlich Außenkorrespondent eines Radiosenders, betreute das literarische TV-Magazin „Hier is Adriaan van Dis“ und redigierte eine Amsterdamer Stadtgeschichte. Sein Engagement für die Stadt zeigte sich auch in seinem Einsatz für das politisch-kulturelle Zentrum „De Balie“ in Amsterdam.

Zu Beginn der 90er Jahre ist ein Bruch im journalistischen Werk Maks festzustellen. Zuvor hatte das politische Engagement im Mittelpunkt seines Schreibens gestanden, während Erzähltechnik und Form der Texte eine Nebenrolle spielten. In Publikationen wie De engel van Amsterdam ("Der Engel von Amsterdam", 1992) treten jedoch literarische Verfahren in den Vordergrund. Obwohl Maks Themen oft allgemeine gesellschaftliche und geschichtliche Entwicklungen sind, versucht er ihnen in seinen Büchern durch Beispiele und Einzelschicksale eine individuelle Dimension zu geben und sie durch eine möglichst sinnliche Sprache zu beleben. In leichtem Erzählton macht Mak seine Themen auch durch Kunstgriffe wie bildhafte Umschreibungen und Wiederholungen besonders gut zugänglich.

Seine in den 90er Jahren erschienenen Sachbücher waren nicht nur in den Niederlanden, sondern auch europaweit ein Erfolg. Viele sind in deutscher Übersetzung erschienen. Seine Liebe zur Stadt Amsterdam zeigt sich einmal mehr in dem Buch Een kleine geschiedenis van Amsterdam (1995, dt.: Amsterdam: Biographie einer Stadt, 1997). Während er hier eine Geschichte des Amsterdamer Stadtlebens zeichnet, wandte er sich in seiner nächsten Publikation der entgegengesetzten Seite, dem Landleben, zu: Hoe God verdween uit Jorwerd (1996, dt.: Wie Gott verschwand aus Jorwerd, 1999) beschreibt das Aussterben der Dörfer in Europa am Beispiel des niederländischen Dorfes Jorwerd. Maks Hang zur europäischen Perspektive zeigt sich auch in seinem umfangreichen historischen Reisebericht In Europa (2004, dt.: In Europa, 2005). Das preisgekrönte Werk wurde 2007 für eine 35-teilige Fernsehreihe verfilmt. Die niederländische Geschichte des 20. Jahrhunderts hatte er in De eeuw van mijn vader (1999, dt.: Das Jahrhundert meines Vaters, 2005) beleuchtet.

In jüngster Zeit nahm der politisch engagierte Autor auch auf aktuelle Ereignisse Bezug, als er in Gedoemd tot kwetsbaarheid (2005, dt.: Der Mord an Theo van Gogh, 2005) die Ermordung Theo van Goghs verarbeitete. Auch äußert er sich regelmäßig zu aktuellen sowie historischen politischen und gesellschaftlichen Ereignissen, wie der Eurokrise oder dem Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren.

2012 erschien sein Buch Reizen zonder John, das 2013 in Deutschland unter dem Titel „Amerika! – Auf der Suche nach dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ veröffentlicht wurde. In Anlehnung an das Werk Travels with Charley des Nobelpreisträgers John Steinbeck war Mak 2010 durch Amerika gereist. Er folgte der Route, die Steinbeck fünfzig Jahre zuvor bereist hatte und kommentierte die Texte seines Vorgängers, sowie die soziale, historische und politische Lage des Landes.

Mak erhielt verschiedene Literatur- und Publikumspreise. Für In Europa bekam er 2008 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und den Otto von der Gablentzpreis. Obwohl er nie Geschichte studierte, wurde er zweimal vom Historisch Nieuwsblad zum Historiker des Jahres ernannt. 2004 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Open Universiteit in Heerlen „für seinen wichtigen und originellen Beitrag an der Geschichtsschreibung“.

Mak ist verheiratet und lebt in Amsterdam und Friesland.

Autorin: Beaxtrix van Dam
Erstellt:
Juni 2007
Aktualisiert: Juli 2014, Kerstin Kontny


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Grüttemeier, Ralf /Leuker, Maria-Theresia (Hrsg.): Kritisch lexicon van de Nederlandstalige literatuur na 1945; Niederländische Literaturgeschichte, Stuttgart, 2006.


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