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Tessa de Loo

* Bussum, 15. Oktober 1946 - niederländische Schriftstellerin, Genres: Roman, Kurzgeschichten

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Tessa de Loo 2015, Quelle: NiederlandeNet/Angelika Fliegner

Tessa de Loo ist das Pseudonym der niederländischen Schriftstellerin Johanna Martina (Tineke) Duyvené. Inspiriert ist der Künstlernamen durch den belgischen Ortsnamen „Tessenderloo".

Tessa de LooTessa de Loo wird am 15. Oktober 1946 als ältestes von drei Kindern geboren und fängt schon früh an zu schreiben. Da ihr der Niederländischunterricht in der Oberstufe gefällt, geht sie nach dem Abschluss der Schule nach Utrecht, um dort Niederländisch zu studieren. Mit zwanzig Jahren heiratet sie einen Bautechniker und bekommt einen Sohn. Durch das Leben in der Stadt fühlt sie sich eingeengt, so dass die Familie erst nach Montferland in der "Achterhoek" (Provinz Geldern), dann nach Den Hoorn auf Texel zieht. De Loo unterbricht in dieser Zeit sowohl ihr Studium als auch ihre schriftstellerischen Tätigkeiten und arbeitet als Lehrerin. 1976 nimmt sie ihr Studium wieder auf, und während der Arbeit an ihrer Abschlussarbeit über die Ironie bei Gerard Reve beginnt sie auch wieder zu schreiben. Weil Schreiben und Studieren für sie nicht kompatibel sind, gibt sie schließlich ihr Studium auf. Inzwischen ist sie geschieden und lebt seit 1980 mit ihrem Sohn in Pieterburen (Provinz Groningen). Schon 1975 und 1978 waren zwei anekdotische Erzählungen von ihr im Zusammenhang mit Schreibwettbewerben großer Zeitschriften veröffentlicht worden. Nachdem sie von mehreren Zeitschriften und Verlagen abgewiesen worden war, gelingt es ihr 1983, den Erzählband De meisjes van de suikerwerkfabriek (dt.: Die Mädchen von der Süßwarenfabrik, 1994) herauszubringen. Für diesen Debütband bekommt sie gleich zwei Preise: den Anton Wachterprijs für das beste Debüt und das "Goldene Eselsohr" für das am besten verkaufte Debüt.

Auszeichnungen

1984 Anton Wachterprijs für De meisjes van de suikerwerkfabriek 1984 Gouden Ezelsoor für De meisjes van de suikerwerkfabriek
1994
Publieksprijs voor het Nederlandse Boek für De tweeling


De meisjes van de suikerwerkfabriek ist repräsentativ für De Loos spannenden und unkomplizierten Erzählstil. Oft beginnen ihre Erzählungen damit, dass etwas Schreckliches passiert ist, und folgen keiner chronologischen Reihenfolge. So haben in De meisjes van de suikerwerkfabriek die Fabrikmädchen einen jungen Zugschaffner belästigt. Schon das Zotige einer Geschichte, in der es um die Gewaltanwendung von vier Mädchen gegen einen jungen Mann geht, sorgte für Aufsehen. Auch in dem 1989 erschienen Roman Isabelle geht es um ein Verbrechen, nämlich die Entführung eines hübschen Filmstars durch eine hässliche Frau, die das Mädchen langsam aushungert. Fast karikaturenhaft werden die Figuren hier dargestellt. Die groteske Überspitzung der Geschichte, die an Schwarz-Weiß-Malerei grenzt, erinnert an Gruselmärchen, was De Loo jedoch in ihren Erzählungen mit geistreichen Wortgefechten ausgleicht. Gegenüber diesen frühen Werken verändert sich De Loos Schreibstil zunehmend in eine konventionellere Richtung, in welcher der spannende Handlungsverlauf in den Vordergrund tritt. Ihr preisgekrönter Bestseller De Tweeling (1993, dt.: Die Zwillinge, 1995) ist dafür ein gutes Beispiel. Dieser Roman dreht sich um zwei Zwillingsschwestern, die getrennt voneinander in Deutschland und in den Niederlanden aufwachsen, sich während des Zweiten Weltkriegs voneinander distanzieren und sich erst in hohem Alter wieder treffen. Ihr mit der Geschichte verflochtenes Schicksal steht symbolisch für die deutsch-niederändischen Beziehungen. Der Roman wurde im Jahre 2002 in einer deutsch-niederländischen Koproduktion verfilmt.

Die Schriftstellerin lebt heute abwechselnd auf einem Landgut in Portugal und in Paris.

Werke und Übersetzungen

Meander (1986), Het rookoffer (1987), Het mirakel van de hond (1988), Isabelle (1989), De tweeling (1993, Roman), Alle verhalen tot morgen (1995, Kurzgeschichten), Toen zat Lorelei nog op de rots (1997, Essay), Een varken in het paleis (1998, Roman), Een gevaar op de weg: autoportretten (1999, Kurzgeschichten), Een bed in de hemel (2000, Roman), De zoon uit Spanje (2004, Roman)

Deutsche Übersetzungen:

Schönheit, komm, der Tag ist halb vergangen (1993), Die Zwillinge (1995), Die Feuertaufe: Erzählungen (1996), Der Traumpalast (2000), Die Mädchen von den Süßwarenfabrik (1994), Der gemalte Himmel (2001), Der Sohn aus Spanien (2005)

Autorin: Beaxtrix van Dam
Erstellt:
Dezember 2006


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Grüttemeier, Ralf /Leuker, Maria-Theresia (Hrsg.): Kritisch lexicon van de Nederlandstalige literatuur na 1945; Niederländische Literaturgeschichte, Stuttgart, 2006.


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