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Gerrit Jan Komrij

*30. März 1944 in Winterswijk - † Amsterdam, 5. Juli 2012 - Schriftsteller, Dichter, Kritiker

Carl Friedman
Gerrit Komrij im Jahr 2010, Quelle: Marga Mulder/cc-by-nc-sa

„Eher werde ich in meinen Hut kacken / als dass ich Ihnen meine Seele entblöße“ (Papieren Tijgers, Amsterdam 1978)

Gerrit Komrij wurde am 30. März 1944 in einem Arbeiterviertel in Winterswijk geboren. Schon als Schuljunge schrieb er Gedichte und Artikel für die Schülerzeitung. Nach seinem Schulabschluss 1963 zog es ihn nach Amsterdam. Dort begann er ein Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Westeuropäische Literaturwissenschaft, das er allerdings nie abschließen sollte. Dennoch machte er sich als Dichter, Schriftsteller und auch als Kritiker einen Namen.

1968 konnte er mit dem eigenwilligen Stil seines Debüts ‚Maagdenburgse halve bollen en andere gedichten‘ auf sich aufmerksam machen. Aufgrund der klassischen Form und der homoerotischen Färbung seiner frühen Gedichte verglich man ihn mit Oscar Wilde, was sich Komrij gerne gefallen ließ. Vertrat er doch ebenfalls die Haltung lʼart pour lʼart des neunzehnten Jahrhunderts.

Zu seinen bekanntesten Werken zählen seine Romane ‚Verwoest Arcadië‘ (dt.: Verwüstetes Arkadien) (1980), ‚Over de Bergen‘ (dt.: Über die Berge) (1990), ‚De Klopgeest' (dt.: Der Poltergeist) (2001), ‚Hercules‘ (dt.: Herkules) (2004) oder die Lyrik-Anthologie ‚Die niederländische Poesie des 19. und 20. Jahrhunderts in 1000 und einigen Gedichte‘ (1979). Im Laufe der Jahre erhielt für seine Werke viele wichtige Literaturpreise, u.a. 1979 den Busken Huetprijs für seine Essaysammlung ‚Papieren Tijgers‘ (dt.: Papier-Tiger), 1982 den Herman Gorterprijs für ‚De os op de klokketoren‘ (dt.: Der Ochse im Glockenturm), 1993 den P.C. Hooft-prijs und 1999 für ‚In liefde bloeyende‘ (dt.: In Liebe blühend) den belgischen Buchpreis De Gouden Uil.

Doch der Ruhm, den der „literarische Tausendsassa“ mit seiner Arbeit erlangte, half auch nicht gegen das Gefühl ein Außenseiter zu sein. Aus diesem Gefühl schöpfte er die Inspiration für seine Werke: „Ich weiß nicht was links oder rechts ist. Ich fühle mich nicht entfremdet oder zerrissen. Ich nehme die Zersplitterung der Weltbilder als Gottesgeschenk hin. Ich bin der erste glückliche Schizo“, so Komrij 2005 in einem TV-Portrait über sein Leben.

1976 wurde Komrij TV-Rezensent für das NRC Handelsblad und machte sich mit seinen kritischen Rezensionen und Kolumnen nicht nur Freunde. Als Zielscheiben seiner Gedichte, Essays und Rezensionen fungierten neben den Werken seiner Schriftsteller- und Dichterkollegen auch das Königshaus oder das Fernsehen.

1984 emigrierte Gerrit Komrij mit seinem Partner Charles Hofman, den er bereits 1966 kennengelernt hatte und mit dem er sein Leben lang zusammenbleiben sollte, nach Portugal. Zunächst wohnte das Paar in Alvites, 1988 zogen sie in den Ort Vila Pouca da Beira, worüber sein Roman Vila Pouca (2008) berichtete.

Im Jahr 2000 wurde Komrij von niederländischen Lesern für die Dauer von 4 Jahren zum ersten nationalen Dichter gewählt. Als Dichter des Vaderlands, einem Projekt initiiert vom NRC Handelsblad, dem TV-Sender NPS und der Organisation Poetry International, kommentierte Komrij das Weltgeschehen in Gedichtform und nutzte den überwältigenden Erfolg, um einen Poesieclub und eine Poesiezeitschrift zu gründen.

Am 5. Juli 2012 starb Komrij im Alter von 68 Jahren nach kurzer Krankheit in einem Amsterdamer Krankenhaus. Sein Verlag De Bezige Bij teilte mit: „Wir verlieren mit ihm einen bedeutenden Dichter, einen vielseitigen Autor und Übersetzer, einen großen Stilisten, einen scharfsinnigen Polemiker und vor allem einen lieben Freund.“

Sein letzter Gedichtsband mit dem Titel ‚Boemerang‘ (dt.: Bumerang) wird im Herbst 2012 posthum erscheinen, teilte sein Verlag mit.

Autorin: Marie Wolf-Eichbaum
Erstellt:
Juli 2012


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