Literatur - Personen A-Z


Adrianus Franciscus Theodorus (A.F.Th.) van der Heijden

* Geldrop bei Eindhoven, 15. Oktober 1951 - Schriftsteller

A.F.Th. van der Heijden
A.F.Th. van der Heijden im Jahr 1994, Quelle: Kippa/ANP Archief/cc-by-nc-nd

Adrianus Franciscus Theodorus van der Heijden ist bekannt für das „Leben in aller Breite“ (nl.: „leven in de breedte“). Damit ist weniger seine Statur als Inhalt und Umfang seiner Bücher gemeint. Van der Heijden wird am 15. Oktober 1951 in Geldrop (Provinz Nord-Brabant) geboren. 1970 nimmt er ein Studium der Psychologie in Nimwegen auf, wechselt aber bald zu Philosophie. Das Studium beendet er nie, sondern zieht 1976 nach Amsterdam, um dort Schriftsteller zu werden.

Van der Heijden tritt zum ersten Mal 1978 unter dem Pseudonym Patrizio Canaponi literarisch in Erscheinung, als er die erste der fünf Erzählungen des Buches Een gondel in de Herengracht en andere verhalen (dt.: Eine Gondel in der Herengracht und andere Erzählungen) veröffentlicht. Kurz darauf folgt seine Novelle De draaideur (1979, dt.: Die Drehtür, 1997), in der sich eines von Van der Heijdens Lieblingsthemen andeutet: die Manipulierbarkeit von Zeit. Diese Idee arbeitet der Schriftsteller unter seinem wirklichen Namen A.F.Th. van der Heijden in dem Romanzyklus De tandeloze tijd (dt.: Die zahnlose Zeit) aus, der  zwischen 1983 und 1996 erscheint. Mit diesem an die realistische Literatur anknüpfenden Werk entspricht er unbeabsichtigt der Forderung des Literaturwissenschaftlers Ton Anbeek nach mehr „Straßenlärm“ und weniger „Kreisen um den eigenen Bauchnabel“ in der Literatur.

Auszeichnungen

1979 - Anton Wachterprijs für Een gondel in de Herengracht
1986 - Multatuliprijs für De gevarendriehoek
1986 - F. Bordewijk-prijs für De gevarendriehoek
1997 - Generale Bank Literatuurprijs für Onder het plaveisel het moeras
1997 - De Gouden Uil Literatuurprijs für Het Hof van Barmhartigheid und Onder het plaveisel het moeras
2003 - Schrijversprijs der Brabantse Letteren für sein gesamtes Oeuvre
2007 - AKO Literatuurprijs für Het Schervengericht
2008 - Tzumprijs für den besten literarischen Satz für einen Satz aus Mim
2009 - De Inktaap für Het Schervengericht
2011 - Constantijn Huygensprijs für sein Oeuvre
2012 - Libris Literatuurprijs für Tonio

 

De tandeloze tijd beschreibt das Leben Albert Egberts, der als Kind eines Arbeiters in der Nachkriegszeit aufwächst, die Studentenproteste der 1960er Jahre in Nimwegen miterlebt und schließlich Anfang der 1980er Jahre als Junkie in Amsterdam landet, wo zur Krönung der Königin Beatrix Krawalle ausbrechen. Diese Krawalle sind das Thema des zuerst veröffentlichten „Prologs“, der nach dem Ort der Konfrontation zwischen Demonstranten und Polizei De slag om de blauwe brug (1983, dt.: Die Schlacht um die Blaubrücke, 2001) benannt ist. Danach erscheint der Roman Vallende ouders (1983, dt.: Fallende Eltern, 1999), welcher die Kindheit Egberts beschreibt. De gevarendriehoek (1985, dt.: Das Gefahrendreieck, 2000) schildert seine Jugend- und Studienjahre, während sich der zweiteilige dritte Roman um den Untergang Egberts als Junkie in Amsterdam dreht (1996, Het hof van Barmhartigheid / Onder het plaveisel het moeras – dt.: Der Gerichtshof der Barmherzigkeit/Unterm Pflaster der Sumpf, 2003). Im vierten Buch, De Advocaat van de Hanen (1990, dt.: Der Anwalt der Hähne, 1995), schwenkt die Erzählung mit Ernst Quispel auf einen Freund Egberts um, der sich einerseits als erfolgreicher Anwalt für die Punker der Hausbesetzerszene einsetzt und andererseits in regelmäßigen Trinkperioden ruhelos die Stadt Amsterdam durchstreift. Der letzte Roman des Zyklus ist das "Intermezzo" Weerborstels (1992, dt.: Der Widerborst, 1996).

Die Romane sind nicht in chronologischer Reihenfolge erschienen und auch ihr inhaltlicher Aufbau ist von Zeitsprüngen geprägt. Kern des Epos ist der Versuch, die Zeit still zu legen. Da diese in ihrem Lauf jedoch nicht zu stoppen ist, soll zumindest „in einem Augenblick“ gelebt werden: dies ist „das Leben in aller Breite“, wie es etwa Quispel in rauschhaften Zuständen auf seinen Streifzügen durch Amsterdam erlebt, wenn er seinem bürgerlichen Leben als Anwalt entfliehen kann. In die Breite geht auch das Werk des Autors, der neben seinem Monumentalepos unzählige Romane und Geschichten veröffentlicht (z.B. De sandwich (1986) – „Das SandwichHet leven uit een dag (1988) – dt.: Ein Tag, ein Leben, 1998) und an seinem zweiten Zyklus, dem Homo Duplex arbeitet.

Ausgewählte Werke

De slag om de Blauwbrug (1983, Roman)
Vallende ouders (1983, Roman)
De gevarendriehoek (1985, Roman)
Advocaat van de Hanen (1990, Roman)
Weerborstels (1992, Novelle)
Het Hof van Barmhartigheid (1996, Roman)
Onder het plaveisel het moeras (1996, Roman)
Mim (2007, Novelle)
De liefdesbaby (2008, Novelle)
Doodverf (2009, Roman)
Tonio. Een requiemroman (2011, Roman)

Deutsche Übersetzungen

Der Widerborst (1993)
Die Drehtür (1997)
Fallende Eltern (1999)
Ein Tag, ein Leben (1999)
Das Gefahrendreieck (2000)
Die Schlacht um die Blaubrücke (2001)
Der Anwalt der Hähne (2001)
Unterm Pflaster der Sumpf (2003)
Der Gerichtshof der Barmherzigheit (2003)
Engelsdreck (2006)
Tonio. Ein Requiemroman (2011)

2012 ging der Literaturpreis für das beste niederländischsprachige Buch des vergangenen Jahres, der so genannte Libris Literatuur Prijs, an A.F.Th. van der Heijden für seinen Roman „Tonio“, in welchem der Autor den Unfalltod seines einzigen Sohnes verarbeitet. Das Buch erschien auch bereits in deutscher Übersetzung. „Die Jury hat sich für einen Roman entschieden, der durch seine Vitalität und Vielschichtigkeit einen tiefen Eindruck hinterlässt. Wie gnadenlos das auch klingen mag, man hört sogar die Hoffnung im Schlussakkord dieser Todessymphonie“, kündigte Juryvorsitzender Robbert Dijkgraaf den Gewinner an. Mit Tonio habe A.F.Th. van der Heijden ein neues Genre erschaffen, den Requiemroman, so die Preisrichter (NiederlandeNet berichtete).

Autorin: Beatrix van Dam
Erstellt:
Dezember 2006
Aktualisiert: Mai 2012


Literatur

Alle bibliographischen Angaben zum Thema Literatur finden Sie unter Bibliographie

Grüttemeier, Ralf/ Leuker, Maria-Theresia (Hrsg.): Niederländische Literaturgeschichte,Weimar 2006.

Zuiderent, Ad/Brems,Hugo/ Deel, Tom van (Hrsg.): Kritisch lexicon van de Nederlandstalige literatuur na 1945, Alphen aan den Rijn 1980.

Anbeek, Ton: Geschiedenis van de literatuur in Nederland 1885-1985, Amsterdam 1999.

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