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Carl Friedman (Carolina Klop)

* 29. April 1952 in Eindhoven, Schriftstellerin

Carl Friedman
Carl Friedman (Carolina Klop) im Jahr 2004, Quelle: Uitgeverij Van Oorschot

Aufgrund ihres Pseudonyms, der besonderen Bedeutung des Holocausts in einigen ihrer Werke und der Aussage, ihr Vater sei längere Zeit in dem deutschen Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert gewesen, hielt sich viele Jahre der Irrglaube, Carolina Klop sei jüdischer Herkunft. Tatsächlich – so ist seit 2005 bekannt – wurde Carl Friedman 1952 unter ihrem bürgerlichen Namen Carolina Klop in ein katholisches Elternhaus in Eindhoven/Provinz Nordbrabant geboren. Ihr Vater war zwar tatsächlich eine gewisse Zeit in Sachsenhausen inhaftiert, allerdings nicht aufgrund seiner Religion, sondern aus anderen, nicht näher bekannten Gründen. Friedman selbst hat vor 2005 in Interviews oder ähnlichen Verlautbarungen nichts unternommen, um dieses ‚Missverständnis‘ auszuräumen. Auf die Frage, warum sie für ihre Veröffentlichungen ein Pseudonym gewählt hat, findet sich keine tiefergehende Antwort. Den männlichen Vornamen Carl wählte Friedman angeblich deshalb, weil ihre Eltern sie als Kind immer so genannt hatten; den anderen Nachnamen angeblich, weil es ihr zuwider ist, im Rampenlicht zu stehen.

Aufgewachsen in Eindhoven und im belgischen Antwerpen, ließ sie sich zur Übersetzerin ausbilden und arbeitete dann als Journalistin. Ende der 70er Jahre wohnte sie im südniederländischen Breda und war als Radakteurin bei der dort ansässigen regionalen Tageszeitung De Stem beschäftigt. Nach der Geburt ihres Sohnes widmete Friedman sich verstärkt dem Verfassen von Erzählungen. 1980 besuchte sie im Zuge einer Reise verschiedene ehemalige NS-Konzentrationslager. Die Eindrücke verarbeitete sie in einer Anzahl von Sonetten, den ‚Sonetten für einen Gitter-Vater‘ (sonetten voor een tralievader), die nach und nach in einigen Literaturzeitschriften erschienen. 1991 erschien ihr Debutroman Tralievader in den Niederlanden, der, in zahlreiche Sprachen übersetzt, 1993 unter dem Titel Vater auch auf Deutsch erschien. Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie mit drei Kindern in einer niederländischen Kleinstadt der 50er Jahre. Die Kinder und die Ehefrau sind gezwungen, mit den traumatischen Nachwirkungen der KZ-Lagerhaft des Vaters zu leben. Besonders die Kinder versuchen die spärlichen und schwer verständlichen Informationen über das Leid des Vaters mit ihrem begrenzten Verständnis zu erfassen – ein dauerhafter Versuch der Annäherung, der sowohl tragische als auch komische Aspekte beinhaltet.

1993 übersiedelt die mittlerweile geschiedene Friedman mit ihrem Sohn nach Amsterdam. Im selben Jahr erscheint ihr zweiter Roman, der sich ebenfalls mit dem Holocaust und seinen Nachwirkungen beschäftigt: In Twee Koffers vol (dt. 1996: Zwei Koffer) wird sich die junge Philosophiestudentin Chaja im Jahr 1970, durch ihre Tätigkeit als Kindermädchen bei einer orthodoxen jüdischen Familie, ihrer eigenen jüdischen Vergangenheit bewusst. Sie entdeckt, dass ihre Eltern, die den Holocaust überlebten und sich scheinbar vom eigenen Judentum distanziert haben, noch immer unter dem Vergangenen und ihrer Identitätskrise leiden: Ihr Vater widmet seine Pension der obsessiven Suche nach zwei Koffern, die ihm während der Deportation abhandengekommen waren und in denen er, so beginnt Chaja zu glauben, nicht nur seine Besitztümer, sondern auch seine eigene Identität sucht. Der Roman wurde 1998 von dem niederländischen Schauspieler und Regisseur Jeroen Krabbé mit internationalen Schauspielern wie Maximilian Schell, Isabella Rossellini und Chaim Topol unter dem Titel Left luggage (dt. Verleihtitel: Kalmans Geheimnis) verfilmt und auf diversen Filmfestspielen ausgezeichnet.

1996 erschien der Sammelband De grauwe minnaar (dt. 1997: Der graue Liebhaber). Wiederum setzt sich Friedman hier, zumindest in der Kurzgeschichte Heilig vuur (= Heiliges Feuer), mit der jüdischen Identität und dem Judentum an sich auseinander. Eine andere Kurzgeschichte Stilstaan bij Bette (= Stillstehen bei Bette) thematisiert das Sterben ihrer Mutter. In den Jahren 2001 und 2004 hat sie zwei Sammelbände mit Kolumnen (Dostojevski‘s paraplu und Wie heeft de meeste jooden) veröffentlicht, die sie für Zeitungen wie Vrij Nederland und Trouw geschrieben hat.

Die wesentlichen Themen im Werk Carl Friedmans sind die jüdische Identität und das Judentum an sich, der Umgang mit dem Holocaust und seinen traumatischen Nachwirkungen für Individuum und Gesellschaft und der Antisemitismus.

Autor: Christian Kuck
Erstellt:
August 2011


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Lut Missinne: 'Waarom' is de verkeerde vraag. Over het werk van Carl Friedman, In: Ons Erfdeel. Jaargang 43 (2000).

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