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Alfons Joseph de Ridder alias Willem Elsschot

* Antwerpen, 7. Mai 1882 - † Antwerpen, 31. Mai 1960 - flämischer Autor und Dichter, Pseudonym für Alfons-Joseph de Ridder

Willem Elsschot
W. Elsschot, Quelle: unbekannt/NA (119-0306)

Seit Elke Heidenreich im Mai 2004 in ihrer Literatursendung ´Lesen!` Willem Elsschots Novelle ´Käse` (Kaas, 1933) vorstellte, ist diese in Deutschland ein großer Erfolg. Die mit Humor in Briefform verfasste Geschichte über den Angestellten Laarmans, der sich als selbstständiger Kaufmann von Käse versucht und hierin kläglich scheitert, fand nach Übersetzungen in England, Japan, Korea und Frankreich auch in Deutschland viele begeisterte Leser.

Eigentlich ist dies seit 1936 schon das vierte Mal, dass Elsschot in Deutschland entdeckt wird, schreibt Wienke ´t Hoen (2004). Elsschots Buch ´Tschip` (Tsjip, 1934) wird 1936 von Else von Hollander-Lossow übersetzt. Allerdings gefällt Elsschot selbst die Übersetzung nicht. Die Presse reagiert ausschließlich positiv auf das Buch, ein Verkaufsschlager wird es allerdings nicht. 1940 wird ´De Leeuwentemmer` in Deutschland herausgegeben und im Jahr 1952 wird ´Kaas` von Agnes Kalman-Matter übersetzt und vom Diederich Verlag in der Reihe Bibliotheca Flandrica veröffentlicht und insgesamt nur zehnmal verkauft.

Im Jahr 1993 sind die Niederlande und Flandern das Schwerpunktthema der Frankfurter Buchmesse. Zu dieser Gelegenheit wird Elsschots Buch ´Villa des Rose` (1913), dass von einer Lebensgemeinschaft in einer Pariser Pension und einer Liebe zwischen einer Bediensteten und einem Gast handelt, von Waltraud Hüsmert übersetzt. Dies ist Elsschots erstes Buch. Er schreibt es unter seinem Pseudonym Alfons Josef de Ridder während seiner Stationierung in Paris. Seine eigenen Kinder wissen damals nicht, dass ihr Vater Schriftsteller ist. Elsschot ist kein intellektueller oder Künstler, er ist wenig belesen und verkehrt nicht in literarischen Kreisen. Seine Geschichten schöpft er aus dem täglichen Leben, seiner Arbeit oder seiner Familie. Seine Figuren zeichnet er scharfsinnig, seine Wortwahl ist genau, rein und ohne Ausschmückungen. Die Erlebnisse, die er als Herausgeber einer Zeitschrift macht, verarbeitet er in seinem Buch ´Lijmen`(1924), dessen Auflage er komplett aufkauft und auf den Dachboden sperrt, da sie sich, bei einem flämischen Verlag herausgegeben, schlecht verkauft.

Nach ´Lijmen` schweigt Elsschot 10 Jahre und macht sich mit einer Werbeagentur selbständig. Bei einem Treffen mit dem Dichter und Kritiker Jan Greshoff und dem Autoren Menno ter Braak wird er zum Verfassen der Novelle ´Kaas` inspiriert, die er innerhalb von zwei Wochen schreibt. Die Motive in ´Kaas`, die Unzufriedenheit mit der eigenen Position in der Gesellschaft und das Thema des Aufeinandertreffens von Hoffnung und Träume auf die grausame Wirklichkeit, könnte auf Abscheu vor der Werbeindustrie schließen lassen. Elsschots Tochter Ida erzählt später, dass ´Kaas` von Elsschots eigener literarischen Karriere im Literaturbetrieb handelt. Die Kluft zwischen Traum und Wirklichkeit kommt auch in Elsschots letzter Novelle ´Het Dwaallicht` (1946) zum Ausdruck, in der es wiederum die Figur Laarmans ist, die drei Afghanen die zur See fahren, in einer Hafenstadt bei der Suche nach einer Frau namens Maria hilft.

Da Elsschot kein lebender und ein in Deutschland unbekannter Autor ist, gelingt es nach 1993 nicht weitere Bücher bei deutschen Verlagen herauszugeben. Schließlich zeigt sich 2003 der Unionsverlag in der Schweiz interessiert. Gerard Busse kontaktiert den Verlag mit der Frage, ob sie an einer Übersetzung von ´Lijmen `interessiert seien. Darüber hinaus wird er gebeten die Übersetzung von ´Kaas` aus dem Jahr 1952 zu überarbeiten, die 2004 herausgegeben wird. Ein Jahr später erscheint aufgrund des großen Erfolgs auch ´Lijmen` in deutscher Übersetzung.

Autorin: Annabelle Arntz
Erstellt:
November 2006


Literatur

Alle bibliographischen Angaben zum Thema Literatur finden Sie unter Bibliographie

Busse, Gerd: Kaas marcheert altijd, in: Filter 11 (2004), S.31-38.

Delden, J. van: Kaas. Analyse en samenvatting van literaire werken, Apeldoorn 1983.

Hoen, Wieneke ´t : "Ein neuer Name: Willem Elsschot". Vertalingen in Duitsland, in: Revolver 123 2, 31/2004, S. 66-79.

Lauwaert, G. : Willem Elsschot, Amsterdam 1991.

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