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Adriaan van Dis

* Bergen aan Zee, 16. Dezember 1946 - Autor und Fernsehsprecher

Adriaan van Dis
Adriaan van Dis, Quelle: VPRO/Archiv Beeld en Geluid/cc-by-sa

Diesen niederländischen Autor fasziniert vor allem eins: das Anderssein. Besonders interessiert ist er an den Unterschieden zwischen verschiedenen Kulturen. Es scheint, als ob er am liebsten zwischen den Kulturen leben und schreiben würde.

Adriaan van Dis wurde am 16. Dezember 1946 in Bergen (Nord-Holland) geboren. Sein Vater, Victor Mulder, und seine Mutter, Marie van Dis, konnten nicht heiraten, weil Victor Mulder noch mit einer Frau in Niederländisch-Indien (das heutige Indonesien) verheiratet war. Die Eltern hatten sich in einer turbulenten Zeit nach der japanischen Kapitulation kennen gelernt, als viele in Niederländisch-Indien lebende Niederländer wieder in die Niederlande zurückkehrten.

Schon hier wird der Grund für Van Dis' Interesse am Anderssein deutlich: er selbst war als uneheliches Kind "anders" – so wurde er zwar immer "Adje Mulder" genannt, hieß aber in Wirklichkeit nach seiner Mutter "Van Dis". Hinzu kam, dass seine Halbgeschwister, die Kinder aus der ersten Ehe von Marie van Dis, ein indisches Aussehen hatten und sich so deutlich von ihm unterschieden. Der kleine Van Dis lernte also früh, was es bedeutet, "anders" zu sein. Als Außenseiter entwickelte er eine gewisse Distanz auch zur eigenen Lebenswelt.

Auszeichnungen

1986 - "Nipkowschijf" für seine Sendung Hier is ... Adriaan van Dis
1984 - das "Goldene Eselsohr" für Nathan Sid
1995 - die "Goldene Eule" für Indische Duinen
1995 - Trouw Publieksprijs voor Indische Duinen 

Van Dis ging in Hilversum zur Schule und studierte danach Niederländisch. Noch vor Abschluss dieses Studiums machte er sich auf seine erste Reise "richtung Indien", die ihn allerdings nicht weiter als bis nach Afghanistan führte. Dies war der Auftakt zu einer Reihe langer Reisen in verschiedenste Länder. Seine Reiselust begründet der Schriftsteller manchmal damit, dass er seine erste Reise schon im Bauch seiner Mutter unternommen habe: von Indonesien in die Niederlande.

Seinem Interesse an fernen Ländern entsprechend nahm er nach seiner Rückkehr ein Studium des 'Afrikaans' auf – der Sprache, die in Südafrika aus dem Niederländischen entstanden ist.  Schon während seiner Studienzeit begann er, für die renommierte Zeitung NRC Handelsblad zu schreiben. Fünf Jahre lang, von 1978-1982 war er dort nach seinem Studium Chefredakteur der Samstagsbeilage und blieb ihr bis 1985 verbunden. Aus einer regelmäßigen Glosse, die er im NRC Handelsblad über Essgewohnheiten schrieb, ging sein erster Roman hervor, in dem sich auch biographische Elemente spiegeln:

Van Dis' Romandebüt Nathan Sid (1983, dt.: 1988) handelt von der Hin- und Hergerissenheit eines Jungen niederländisch-indonesischer Herkunft, der zwischen Anpassung und Rebellion schwankt. Damit drückt sich in diesem wie in vielen Texten Van Dis' ein Widerspruch aus: Antithesen wie Anpassung/Rebellion, schwarz/weiß, gesellschaftlich anerkannt/asozial, Herkunft/eigene Identität, Nähe/Distanz ziehen sich durch sein gesamtes Werk. Nathan Sid wurde 1984 mit dem "Goldenen Eselsohr" für das bestverkaufte literarische Debüt ausgezeichnet.

Der Roman war also ein durchschlagender Erfolg. Dies ist neben der künstlerischen Qualität des Buches sicherlich auch dem außerliterarischen Umstand geschuldet, dass Adriaan van Dis zum Zeitpunkt des Erscheinens schon als Fernsehmoderator bekannt war. Seit 1983 präsentierte er die Fernsehsendung Hier ist… Adriaan van Dis, die 1986 mit der "Zilveren Nipkowschijf", einem bekannten niederländischen Fernsehpreis, ausgezeichnet wurde.  Erst 1992 gab Van Dis diese Sendung auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.

1987 wurde er Redakteur der literarischen Zeitschrift De Gids. Schon zuvor hatte er beim Verlag Meulenhoff Bücherreihen herausgegeben und war Vorstandsmitglied der Maatschappij der Nederlandse Letterkunde (MNL) gewesen. Auch seine Tätigkeit bei De Gids gab Van Dis 1992 auf, um sich auf seine schriftstellerischen Tätigkeiten konzentrieren zu können. Gerade in diese Zeit fiel ein Skandal: die Zeitung Vrij Nederland beschuldigte ihn des Plagiats. In seiner Reiseerzählung Het beloofde land (1990) hatte er eine soziologische Studie amerikanischer Wissenschaftler eingearbeitet.

Unbeirrt setzte Van Dis sein literarisches Schaffen fort. Inzwischen zählen eine Vielzahl Romane, Novellen und Erzählungen zu seinem Werk, in denen Van Dis nach der Konfrontation mit anderen Kulturen sucht. Wo viele Schriftsteller sich nur mit der Hochkultur ferner Länder beschäftigen, versucht Van Dis das "Andere" zu Wort kommen zu lassen. Ein besonderes Anliegen ist ihm in diesem Zusammenhang der "verlorene Kontinent" Afrika.

Autorin: Beatrix van Dam

Erstellt: Mai 2007


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Zuiderent, Ad/Brems,Hugo/ Deel, Tom van (Hrsg.): Kritisch lexicon van de Nederlandstalige literatuur na 1945, Alphen aan den Rijn 1980.

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