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Remco Campert

* Den Haag, 28. Juli 1929 - Dichter und Schriftsteller, Genres: Poesie, Roman, Kurzgeschichten, Kolumnen

Remco Campert
Remco Campert, Quelle: Anefo/NA (915-3757)

Remco Campert trieb es schon früh zum Schreiben: in den Fünfziger Jahren gehörte er mit den "Vijftigers" ("Fünfziger") einer  berühmten niederländischen Gruppe experimenteller Dichter an und ist seitdem ein beliebter und nicht mehr aus der niederländischen Literaturgeschichte wegzudenkender Dichter und Schriftsteller.

Campert wurde am 28. Juli 1929 als Sohn des Dichters Jan Campert und der Schauspielerin Joekie Broedelet geboren. Seine Eltern ließen sich scheiden, als er drei war, so dass er von da an abwechselnd bei seiner Mutter, seinem Vater und seinen Großeltern lebte. Im zweiten Weltkrieg wohnte er bei einer mit den Eltern befreundeten Familie. Sein Vater starb in dieser Zeit im Konzentrationslager Neuengamme, wo er wegen Widerstandsaktivitäten inhaftiert war. Obwohl der Ruf des Vaters als Widerstandskämpfer umstritten ist, gilt als sein bekanntestes literarisches Werk das Widerstandsgedicht "Het lied der achttien doden" ("Das Lied der achtzehn Toten"), welches die Hinrichtung einer Gruppe Widerstandskämpfer zum Thema hat.

Auszeichnungen

1953 – Reina Prinsen Geerligspreis für Berchtesgaden
1955 – Poesiepreis der Gemeinde Amsterdam für Gedicht met een moraal
1956 – Jan Campertpreis für Met man en muis und Het huis waarin ik woonde
1958 – Anne Frank-Preis für Vogels vliegen toch
1959 – Prosapreis der Gemeinde Amsterdam für De jongen met het mes
1960 – Preis des Amsterdamer Kunstrates für De jongen met het mes
1976 – P.C. Hooftpreis für sein lyrisches Werk 1987 – Cestoda-Preis

Nach Kriegsende wohnte Campert mit seiner Mutter in Amsterdam, wo er das Gymnasium besuchte. Seine Mutter war als Schauspielerin oft auf Tournee und Campert gab sich, auf sich allein gestellt, ganz seinen zwei großen Hobbys hin: dem Film und – vor allem – dem Jazz. Er freundete sich mit dem jungen Schriftsteller Rudy Kousbroek an und gab nach dem Vorbild von Simon Vinkenoogs Blatt Blurb die Zeitschrift Braak heraus, welche schon im sowohl auf brachliegende Äcker, gewaltsame Einbrüche und bloßes Erbrechen anspielenden Titel ihren provokativen Anspruch auf radikale Erneuerung ausdrückt. Im Zusammenhang mit der Arbeit bei dieser Zeitschrift lernte Campert andere experimentelle Schriftsteller und Lyriker wie Lucebert und Bert Schierbeek kennen. Hier begann Camperts Engagement bei den sich selbst als  literarische Avantgardebewegung wahrnehmenden "Vijftigers".

Die "Vijftigers" wollten sich in ihrer Lyrik von rationaler Bevormundung des Dichtens lossagen und dem Emotionalen, Irrationalen und Spontanen Raum geben. Deswegen nahmen sie z.B. so genannte "primitive" Kunst, Kinderzeichnungen und in der Psychiatrie entstandene Literatur in ihre Kunst auf. Camperts Gedichte zählen zu den am leichtesten zugänglichen der experimentellen Lyrik der "Vijftigers". Da er von Anfang an versuchte, von seinem Schreiben zu leben, musste er immer auch erwerbsträchtige Gebrauchstexte wie Werbetexte und Übersetzungen schreiben. Neben der Veröffentlichung seiner Gedichte in unzähligen Gedichtbänden (von denen der erste Band, Ten lessons with Timothy, natürlich vom Jazz inspiriert ist) arbeitete er daher auch stets bei den verschiedensten niederländischen Zeitungen und Zeitschriften mit.

In den Sechziger Jahren etablierte sich der ohnehin schon als Lyriker beliebte Campert zusätzlich als Verfasser von Prosa. Auch seine Romane stießen auf große Popularität beim literarischen Publikum, zeichneten sie sich doch wie seine Lyrik durch spielerischen Umgang mit Sprache und einen ironischen Humor aus, welcher der Prosa der Zeit neue Impulse gab. Besonderen Erfolg hatte Campert 1961 mit dem Roman Het Leven is verrukkuluk. ("Das Leben ist hinreißend"). Schon im Titel deutet sich hier ein sprachliches Verfahren Camperts an, bei dem die Bedeutung des Wortes "hinreißend" durch die Verballhornung des niederländischen Adjektivs "verukkelijk" als "verrukkuluk" schon auf der Klangebene angedeutet wird. Obwohl in jüngerer Zeit zumindest zwei seiner neueren Romane ins Deutsche übersetzt wurden (Een liefde in Parijs, 2000, dt.: Eine Liebe in Paris, 2005; Als in een droom, 2000, dt.: Wie in einem Traum, 2006), ist Campert in Deutschland leider noch immer weitgehend unbekannt.

Von 1950 an wohnte er abwechselnd in Paris, Blaricum, Amsterdam und Antwerpen, bis er sich 1966 in Amsterdam niederließ. Aus seinen insgesamt vier Ehen sind ein Sohn und zwei Töchter hervorgegangen.

Arbeiten und Übersetzungen seit 1990

Gouden dagen (1990), Graag gedaan (1990, Kolumnen und Kurzgeschichten), Dansschoenen (1991), Rechterschoenen (1992, Poesie), Het bijzettafeltje (Kolumnen, 1993), Vele kleintjes (1994), Ohi, hoho, bang, bang of Het lied van de vrijheid (1994), Restbeelden: notities van Izegrim (1994, Poesie), Straatfotografie (1994, Poesie), De zomer van de zwarte jurkjes (Kurzgeschichten, 1996), Heet van de naald (1996, Kinderbuch), Ode aan mijn jas (1997, Poesie), CaMu 1996 (1997, Kolumnen) CaMu 1997 (1998, Kolumnen). CaMu 1998. Het jaaroverzicht van Remco Campert & Jan Mulder (1999, Kolumnen), Een mooie jonge vriendin en andere belevenissen (1998), Als in een droom (2000, Roman), CaMu 1999 (2000), De Familie Kneupma (2001), CaMu 2001 (2002, Kolumnen), Een liefde in Parijs (2004, Roman), Het satijnen hart (2006, Roman)

Deutsche Übersetzungen

Eine Liebe in Paris (2005), Wie in einem Traum (2006)


Autorin: Beatrix van Dam
Erstellt: Juli 2007


Literatur

Alle bibliographischen Angaben zum Thema Literatur finden Sie unter Bibliographie

Grüttemeier, Ralf/ Leuker, Maria-Theresia (Hrsg.): Niederländische Literaturgeschichte,Weimar 2006.

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