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Gerbrand Adriaenszoon Bredero

* Amsterdam, 16. März 1585 - † Amsterdam, 23. August 1618 - Schriftsteller

Bredero
Bredero Porträt von 1619, Quelle: G. Hessel

Bredero führte ein kurzes, bewegtes Leben, in dem er die literarische Welt der Niederlande im 17. Jahrhundert kräftig aufmischte. Er kannte die Höhen und Tiefen des Lebens und wusste sie in seinen Texten zu verarbeiten. Davon zeugt auch der berühmte Sinnspruch, welchen er für sich gewählt hatte: "Het kan verkeren." (dt. ungefähr: "Aber erstens kommt es anders…").

Im Gegensatz zu seinem berühmten Zeitgenossen P.C.Hooft wurde Bredero ganz und gar nicht in eine reiche Familie hinein geboren. Er teilte das Schicksal des Strumpfwarenhändlers Vondel und musste als Sohn eines Schusters zum großen Teil selbst für seine Bildung sorgen. Für ihn war es ein Glück, dass er durch die damals das literarische Leben beeinflussenden Rederijkers-Kammern in Kontakt mit Hooft kam, der wahrscheinlich maßgeblich zu seiner Ausbildung beigetragen hat. Und als Ausbildungsberuf sah man damals das Schriftstellertum: Schreiben fasste man als Handwerk auf, das gut gelernt werden konnte und musste. Bredero war dabei ein Naturtalent von schneller Auffassungsgabe und großer Produktivität.

Als geborener Amsterdamer verarbeitete er seine Wohn- und Arbeitsumgebung oft in seinen Stücken. Er mochte die gestelzte Sprache in den Dramen der Zeit nicht und verwendete für seine Werke lieber den platten Amsterdamer Dialekt. Nicht zuletzt deshalb gehört er als "Amsterdamer Volksjunge" zu den bis heute am meisten rezipierten niederländischen Dichtern des 17. Jahrhunderts. Er schrieb einige ernste Dramen wie Rodd'rik ende Alphonsus ("Rodderick und Alphonsus", 1611), Griane (1612) und Stommen ridder ("Der stumme Ritter", 1618), welche sich vor allen Dingen dadurch auszeichnen, dass sie im Gegensatz zur in Brederos Zeit üblichen Orientierung an der Antike mittelalterliche Stoffe aufgreifen. Bredero ist jedoch vor allen Dingen bekannt für seine Schwänke und Lustspiele.

Er verfasste einige der bekanntesten Schwänke des 17. Jahrhunderts. Neben dem Klucht van de Molenaer ("Schwank vom Müller", 1613) und dem Klucht van Symen sonder soeticheyt ("Schwank vom Symen ohne Freundlichkeit", vor 1619) ist dabei der Klucht van de koe ("Schwank von der Kuh", 1612) der bekannteste. In diesem Stück wird ein Bauer vor den Toren Amsterdams auf derbste Art und Weise an der Nase herumgeführt – es kommt so weit, dass er den Kaufpreis für seine eigene Kuh an deren Dieb bezahlt. Dem Stück wurde ein didaktisches Potential zugeschrieben, weil es das Publikum vor Gutgläubigkeit bewahren könne. Vor allen Dingen dürfte sich dieses jedoch auf Kosten des dummen Bauers amüsiert haben.

Ein weiteres, sehr bekanntes Stück Brederos ist der Spaanschen Brabander ("Spanischer Brabanter", 1618), das auf der Grundlage eines spanischen Schelmenromans geschrieben wurde. Bredero verlegte die Handlung natürlich von Spanien nach Amsterdam und zeichnete das Leben eines Amsterdamer Außenseiters, des heruntergekommenen Adligen Jeronimo, in der Zeit um 1575 nach. Jeronimo ist ein Flüchtling aus den südlichen Niederlanden, derer es nach dem Achtzigjährigen Krieg in Amsterdam viele gab. Er versucht den Leuten vorzuspielen, dass es weit besser um ihn stehe, als es wirklich ist, und flieht am Ende aus Angst vor der Aufdeckung der Wahrheit aus der Stadt.

Bredero war schon zu Lebzeiten ein erfolgreicher Autor, der neben Dramen auch Gedichte und andere Texte verfasste und dessen Werke mehrmals in Druck gingen. Er heiratete nicht und blieb zeit Lebens in Amsterdam. Als er im Jahre 1618 erst 33jährig wahrscheinlich an einer Lungenentzündung starb, hatte er unsterbliche Theaterfiguren wie den Müller "Slimme Piet" ("Schlauer Piet"), die Kurtisane Mooi-Aal und das Duo Jerolimo und Knecht Robbeknol ins Leben gerufen.

Autorin: Beatrix van Dam
Erstellt: Juli 2007


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