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Menno ter Braak

* Eibergen, 26. Januar 1902 - † Den Haag, 15. Mai 1940 - Schriftsteller und Journalist

Menno ter Braak (rechts)
M. ter Braak (rechts) mit J. Greshoff (1935), Quelle: unbekannt/NA (119-0260)

Menno ter Braak wurde 1902 als Sohn des Arztes Hendrik Ernst Gerrit ter Braak und seiner Frau Geetruida Alida Huizinga, einer Cousine des Kulturhistorikers Johan Huizinga, geboren. Ter Braak besuchte Schulen in Eibergen, Winterswijk und Tiel, ehe er 1921 an der städtischen Universität von Amsterdam mit dem Geschichtsstudium begann. Schon in seiner Zeit als Gymnasiast hatten sich Anzeichen für seinen regen intellektuellen Geist und für sein Interesse am philosophisch-ästhetischen Denken gezeigt. In Amsterdam wurde er Redakteur der Studentenzeitschrift „Propria Cures“ und veröffentlichte Essays zu einer Vielzahl künstlerisch-literarischer Themen sowie eigene dichterische Arbeiten. Er setzte sich für den modernen Kunstfilm ein und gehörte 1927 zu den Mitbegründern der Nederlandse Filmliga. 1928 promovierte er in Amsterdam bei Hajo Brugmans über Kaiser Otto III. Danach arbeitete er als Lehrer für Geschichte und Niederländisch in Amsterdam, Zaltbommel und ab 1929 am städtischen Lyzeum in Rotterdam.

Für die weitere intellektuelle Entwicklung Menno ter Braaks prägend wurde die Freundschaft zu dem Schriftsteller Edgar du Perron, den er 1930 kennenlernte. In den frühen dreißiger Jahren vertrat ter Braak nachdrücklich eine Literaturtheorie, bei der die Persönlichkeit des Autors eines Textes zum alleinigen Maßstab der Beurteilung seiner Qualität wurde. Dagegen lehnte er ästhetische bzw. formale Kriterien ab. In der Debatte um den Primat von „vorm of vent“ entschied er sich klar für letzteres. Dabei bevorzugte er Texte, in denen innere Konflikte und eine kritisch-distanzierte Haltung sichtbar wurden. 1931 gründete er zusammen mit du Perron und dem flämischen Schriftsteller Maurice Roelants die Zeitschrift „Forum“ (bis 1935), die zum wichtigsten Sprachrohr dieses Literaturverständnisses wurde und sich u.a. gegen das literarische Erbe der „Tachtigers“ richtete.

1933 heiratete ter Braak Antje Faber, die Tochter eines sozialistischen Parlamentsabgeordneten, und wurde kurze Zeit später Kunstredakteur der Tageszeitung „Het Vaderland“. Seine scharfzüngigen Buch- und Theaterrezensionen machten ihn zu einem der prominentesten Kunstjournalisten der Niederlande. Zugleich engagierte er sich angesichts des Siegeszuges totalitärer Regime in Europa für den Erhalt der Demokratie. Gemeinsam mit anderen Intellektuellen gründete er 1934 das Comité van Waakzaamheid gegen den Nationalsozialismus. Im Januar 1940 wurde es durch ein Komitee zur „Verteidigung der geistigen Freiheit“ ersetzt, das auch den Kommunismus bekämpfen sollte. Auch publizistisch trat ter Braak dem Totalitarismus entgegen, u.a. durch die Broschüre „Het nationaalsocialisme als rancuneleer“ (1937), und er förderte die Literatur deutscher Emigranten in den Niederlanden. Daneben erschienen in den dreißiger Jahren zahlreiche Essays zu Themen der Literatur, Geschichte und Politik.

Nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Mai 1940 versuchte Menno ter Braak nach England zu entkommen. Als dies scheiterte, nahm er sich im Haus seines Bruders in Den Haag das Leben.

Menno ter Braak gehört zu den herausragenden niederländischen Intellektuellen der Zwischenkriegszeit. Das Ausmaß seiner Bedeutung für die Kultur- und Literaturgeschichte sowie seines Einflusses auf Zeitgenossen und Nachlebende zeigte sich erst nach dem Krieg. Es wurde durch die Veröffentlichung seiner Gesammelten Werke (1949-1951), separater Aufsatz- und Briefbände sowie wissenschaftlicher Studien bis in die jüngste Zeit unterstrichen.

Autor: Christoph Strupp
Erstellt: Juni 2007


Literatur

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Hanssen, Léon: Menno ter Braak 1902-1940, Bd. 1 + 2, Amsterdam 2000-2001.

Nieuwstadt, Michel van: De verschrikkingen van het denken. Over Menno ter Braak, Groningen 1997.

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Sung-Hyun Jang: Nietzsche-Rezeption im Lichte des Faschismus. Thomas Mann und Menno ter Braak, Hildesheim 1994.

Francken, Eep (Hrsg.): De draagbare Ter Braak, Amsterdam 1992.

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Faassen, Sj. van (Hrsg.): Menno ter Braak, Den Haag 1978.

Braak, Menno ter/ Perron, E. du: Briefwisseling 1930-1940, 4 Bde., Amsterdam 1962-1967.

Braak, Menno ter: Verzameld Werk, 7 Bde., Amsterdam 1949-1951.

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