III. Vor der schriftlichen Überlieferung

Wenn man nun die Geschichte des Niederländischen betrachten will, bietet sich ein chronologisches Vorgehen an, um die Prozesse der Sprachveränderung besser nachvollziehen zu können. Wie schon angedeutet gehört das Niederländische zu den westgermanischen Sprachen, die wiederum zur germanischen Sprachfamilie innerhalb der Indoeuropäischen Sprachgruppe gehört.

Schaubild 1: Gruppe der indoeuropäischen Sprachen

Gruppe der indoeuropäischen Sprachen
Gruppe der indoeuropäischen Sprachen
© Eigene Darstellung

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, genauer auf die große Gruppe der indoeuropäischen Sprachen und deren Entwicklungsgeschichte einzugehen. Auch die Gruppe der germanischen Sprachen ist noch zu groß, um hier insgesamt besprochen zu werden. Um den Pfad des Niederländischen zu verfolgen ist jedoch die Sprachgemeinschaft zu nennen, die ein „Urgermanisch“ (oder „Proto-Germanisch“) und mit zunehmenden Veränderungen später „Gemeingermanisch“ gesprochen haben könnte.[1] Diese Sprachgemeinschaft siedelte vermutlich in einem Gebiet vom heutigen Südschweden und Südnorwegen, über das heutige Dänemark bis ins heutige Norddeutschland zwischen Oder und Elbe. Wahrscheinlich ist sie aus dem Aufeinandertreffen der ansässigen Trichterbecherkultur (auch Megalithgräberkultur) und der einwandernden, indoeuropäischen Schnurkeramikerkultur (auch Streitaxtleute) entstanden. Die sehr viel später auftauchende Bezeichnung „Germanen“ wird als Sammelbegriff rückwirkend für den entstandenen Stammesverband verwendet.


[1] Von der Betrachtung des Ur- beziehungsweise Gemeingermanischen als einheitliche Sprache hat sich die Sprachwissenschaft entfernt. Vielmehr wird heute davon ausgegangen, dass seit jeher eine sprachliche Variationsvielfalt herrschte. Rekonstruktionen älterer Sprachstufen sind daher als Abstraktionen zu verstehen.

Autorin: Susan Fittkau
Erstellt: Dezember 2011