XII. Exkurs: Friesisch

Wie schon angedeutet gehört das Friesische, obwohl auch auf dem Gebiet der Niederlande gesprochen, nicht zu den niederländischen Dialekten. Es handelt sich vielmehr um eine eigenständige Sprache, die, wie Niederländisch, Deutsch und Englisch, zu den westgermanischen Sprachen zählt. „Das Friesische“ fällt allerdings in drei verschiedene sprachliche Varietäten mit wiederum jeweils eigenen Dialekten auseinander.

Friesisch: (Früheres) friesisches Gebiet und Gegenden, in denen noch heute Friesisch gesprochen wird
Friesisch: (Früheres) friesisches Gebiet und Gegenden, in denen noch heute Friesisch gesprochen wird
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In Deutschland gibt es noch ungefähr 5.000 Sprecher des Nordfriesischen sowie nur noch circa 1.500 Sprecher des Saterfriesischen im Oldenburger Saterland.[1] Das in Ostfriesland gesprochene „Ostfriesisch“ ist hingegen ein niederdeutscher Dialekt, der nur aufgrund seiner geografischen Verbreitung „Friesisch“ im Namen trägt. In den Niederlanden wird Westfriesisch oder Westerlauwerssches Friesisch (westlich des Flusses Lauwers) gesprochen, und zwar – wenig überraschend – in der Provinz Friesland (friesisch Fryslân). Übrigens sind die Unterschiede zwischen West-, Nord- und Saterfriesisch so groß, dass sich die Sprecher gegenseitig nicht verstehen können. Mit 400.000 Sprechern ist die westfriesische Sprachgemeinschaft vergleichsweise groß. Trotzdem wird auch Westfriesisch, wie die beiden anderen friesischen Sprachen, als eine bedrohte Sprache eingestuft. Eine aktive Sprachpolitik, damit Friesisch eine Position als Kultursprache entwickelt, hat in Friesland bislang einigen Erfolg. Das Westfriesische wurde 1970 als zweite Amtssprache der Niederlande anerkannt. Als einzige der drei friesischen Sprachen hat das Westfriesische eine Standardvariante herausgebildet, wobei die Dialekte des Kleifriesischen und des Waldfriesischen als Grundlagen dienten. Es wird im Kindergarten gesprochen, an Schulen und Hochschulen gelehrt – sowohl als philologisches Fach als auch in der Lehrerausbildung – und in verschiedenen Medien (Print, Radio, Fernsehen und Internet) verwendet. Langfristig gesehen wird sich jedoch noch zeigen müssen, ob Friesisch dem Druck durch das Niederländische standhalten kann.


[1] Ein häufig zu beobachtendes Phänomen bei kleinen Sprachen ist, dass sie in geografisch abgelegenen Gebieten länger erhalten bleiben. Solche Gegenden können zum Beispiel Inseln, Gebirge oder, wie im Fall des Saterfriesischen, Moorlandschaften sein.

Autorin: Susan Fittkau
Erstellt: Dezember 2011