VII. Klassiker

Es liegt nahe bei Literaturverfilmungen für ein so begrenztes Sprachgebiet wie die Niederlande auf Literaturklassiker zurückzugreifen. Und tatsächlich wurden und werden in unserem Nachbarland häufig Werke verfilmt, die zum allgemein anerkannten Literaturkanon gehören – manche wurden bereits in den vorangegangenen Kapiteln vorgestellt.

Die Gesellschaft für niederländische Literaturwissenschaft hat im Jahr 2002 einen niederländischen Literaturkanon festgelegt, der die „Klassiker“ im niederländischen Sprachgebiet auflistet. Dieser Liste folgend sollen im Folgenden Filme vorgestellt werden, die auf niederländischen Klassikern oder auf „klassischen“ niederländischen Autoren beruhen. Geordnet sind sie chronologisch, nach dem Erscheinungsjahr des literarischen Werkes, welches als Grundlage für den Film diente. Wurden von einem Autor gleich mehrere Bücher verfilmt, werden diese als Gruppe vorgestellt.

Werke von Louis Couperus:

Eline Vere (Buch 1889, Film 1991)

Der erste Roman von Louis Couperus Eline Vere aus dem Jahr 1889 bot den Stoff für eine niederländisch-belgisch-französische Koproduktion, die unter dem gleichen Titel 1991 von Harry Kümel verfilmt wurde. Der Film zog ungefähr 110.000 Besucher in die Kinos.

Die Geschichte handelt von der 23-jährigen Eline, die sich trotz gesellschaftlicher Vergnügungen wie Soirees und Diners einsam fühlt. Die Verlobung zu ihrer großen Liebe Otto van Erlevoort löst sie wieder. Reisen ins Ausland und ein Heiratsantrag des Amerikaners St. Clare können sie nicht trösten. Schließlich nimmt sich Eline mittels Schlaftabletten das Leben.

Die stille Kraft (Buch 1900, verfilmt 1974 und 2013)

Couperus‘ Kolonialroman De stille kracht von 1900 wird im Kapitel IV. Kolonialzeit behandelt.

Herman Heijermans:

Fahrt ins Ungewisse / Op hoop van zegen (Buch 1900, Filme 1918, 1924, 1934, 1986)

Das Theaterstück Op hoop van zegen (dt.: Fahrt ins Ungewisse) von Herman Heijermans aus dem Jahre 1900 behandelt die Missstände in der Seefischerei. Reeder schicken alte Schiffe aufs Meer mit der Absicht, sie untergehen zu lassen, um später dann die Versicherungssumme kassieren zu können. Als Guido Peters sich dieses klassischen Dramas 1986 annahm, war der Stoff bereits drei Mal verfilmt worden: als Stummfilm von Maurits Binger (1918) und von James Bauer in einer deutschen Stummfilmversion (1924). Alex Bennos Version von 1934 war die erste Fassung als Tonfilm. Op hoop van zegen von 1986 gewann den Publikumspreis des Niederländischen Film Festivals

Die Witwe Kniertje schickt ihre beiden Söhne Geert und Barend auf See, obwohl sie bereits ihren Mann und zwei weitere Söhne an die Wellen verloren hat. Das Schiff Hoop (dt.: Hoffnung), das eigentlich nicht mehr seetüchtig ist, sinkt, und die Männer kehren nicht mehr zurück.

Ferdinand Bordewijk:

Character (Buch 1938, Film 1997)

Der Roman Karakter (dt.: Charakter) des Autors Ferdinand Bordewijk aus dem Jahre 1938 war schon 1971 von Walter van der Kamp fürs Fernsehen produziert worden. Mike van Diem drehte das Vater-Sohn-Drama 1997 für das Kino. Mit einem für damalige Begriffe unglaublich hohem Budget von 7,5 Mio Gulden wurde die Geschichte aus dem Vorkriegs-Rotterdam im Studio gedreht.

Starke Charaktere und der Grundkonflikt zwischen Vater und Sohn reichten Mike van Diem für den Film nicht, er nahm in der Schlussszene noch eine Zuspitzung auf, die Bordewijk in seiner früher geschriebenen Novelle Dreverhaven en Katadreuffe (dt.: Dreverhaven und Katadreuffe) verwendet hatte. 1997 gewann Mike van Diem das Goldene Kalb für seine filmische Interpretation des Werkes. 1998 bekam er für Character sogar den Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film. International bekam der Film weitere Auszeichnungen.

Jacob Katadreuffe ist der uneheliche Sohn von Gerichtsvollzieher Dreverhaven und dessen damals 18-jährigem Dienstmädchen Jacoba. Er wächst ohne Vater in Armut auf, da sich seine Mutter sowohl gegen eine Heirat, die Anerkennung der Vaterschaft und Alimentenzahlungen verwehrt. Jacob scheitert zunächst als Zigarrenhändler, wird dann jedoch erfolgreicher Anwalt. Der Vater versucht ständig, die Pläne des Sohnes zu durchkreuzen, um dessen Charakter zu stärken.

Werke von Remco Campert (geboren 1929):

Illusion - Ein Gangstermädchen (Buch 1965, Film 1966)

Der erste Film von Frans Weisz Het gangstermeisje (dt.: Illusion – Ein Gangstermädchen), wird als erster Nouvelle Vague Film in den Niederlanden angesehen. Frans Weisz gehörte zum ersten Jahrgang der 1958 neu eingerichteten Filmakademie. Het gangstermeisje war einer der ersten Filme des ersten Jahrgangs. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Remco Campert. Am Drehbuch arbeitete Weisz schon, als der Roman noch nicht abgeschlossen war. [1] Die Geschichte handelt vom Schreiben eines Filmdrehbuchs. Die Ehe der literarischen Hauptperson Wessel Franken scheitert ebenso wie die Arbeit am Drehbuch.

Every day's a holiday (Buch 1955, Film 1976)

In den 1960er Jahren waren Episodenfilme in Frankreich und Italien modern. Auch in den Niederlanden konnte man damals Finanzierungen im Kultusministerium beantragen. So wurden vier Erzählungen aus Camperts Buch Alle dagen feest (dt.: Jeden Tag Party) aus dem Jahr 1955 verfilmt: Alle dagen feest unter der Regie von Ate de Jong, Een ellendige nietsnut (dt.: Ein elender Nichtsnutz) unter der Regie von Orlow Seunke, Hoe ik mijn verjaardag vierde (dt.: Wie ich meinen Geburtstag feierte) unter der Regie von Otto Jongerius und zuletzt Op reis (dt.: Auf Reisen), Regie: Paul de Lussanet. Der internationale Titel ist Every day's a holiday. Der Produzent der vier Filme, Matthijs van Heijningen, band durch die Arbeit an diesem filmischen Panorama mehrere Regisseure an sich, die später sehr bekannt werden sollte.[2]

Sombermans actie (Buch 1985, Film 1999)

Der Film von Casper Verbrugge basiert auf Camperts Novelle Sombermans actie (dt.: Sombermans Aktion), die 1985 als Buchwochengeschenk erschien. Somberman, der frühere Dichter, arbeitet in einem Warenhaus, bis dieses Konkurs anmelden muss und Somberman arbeitslos wird. Sein alter Freund, Man in’t Woud, verehrt und unterstützt ihn. Somberman lässt sich von einem neuen Chef dazu verführen, Schutzgeld zu erpressen. Sein Freund Man in’t Woud entdeckt seine kriminelle Handlungen und zwingt ihn, damit aufzuhören

Der Film lehnt sich an die Novelle an, die Grundkonstellation zwischen Frau und Freund und Arbeitslosigkeit stimmt mit der Erzählung überein, ansonsten fügt der Drehbuchschreiber Verbrugge viele neue Elemente hinzu. Der Film ist stärker als das Buch von Gewalt geprägt. Remco Campert sagte zum Film: "An die Gewalt musste ich mich erst gewöhnen, aber ich glaube, dass es eine gelungene Veränderung ist. Wenn man das Buch zu wörtlich genommen hätte, hätte man schwankende Hauptpersonen bekommen." Die Kritik war zurückhaltend. Gelobt wurde die Authentizität des Lebens im Amsterdam zum Ende der 1980er Jahre, die Persiflage sei aber zu bescheiden, um sie als Persiflage zu verstehen, wie De Filmkrant im April 2000 schrieb: "Für den Spielfilm gilt das gleiche wie für Somberman selbst; er hat so viel in sich, aber will einfach nicht aktiv werden.“ [3]

Het bezoek (2010)

Seit 2010 gab es in den Niederlanden ein Filmwochengeschenk in Anlehnung an das Buchwochengeschenk. Den ersten Film drehte Jos Stelling (NiederlandeNet berichtete). Er orientierte sich an der Kurzgeschichte von Remco Campert Het bezoek (dt.: Der Besuch): Erik will keinen Besuch haben und versteckt sich im Schrank, während ein Nachbar den Besucher hereinlässt. Aus dem Versteck beobachtet, vollzieht sich ein Drama in fünf Minuten. Het bezoek wurde als Vorfilm in den niederländischen Kinos gezeigt.

Het verboden bacchanaal (Buch 1969, Film 1981)

Der Regisseur Wim Verstappen (1937–2004) wählte gleich zwei Werke des als Klassiker geltenden Autors Simon Vestdijk zur Verfilmung aus. Pastorale 1943 erschien 1948 als Buch und wurde 1978 verfilmt (siehe Kapitel II. Besatzungszeit). Nach diesem sehr erfolgreichen Film wurde Simon Vestdijk 1969 erschienenes Buch Het verboden bacchanaal (dt.: Das verbotene Bacchanal) ebenfalls von Wim Verstappen 1981 als gleichnamiger Film gedreht. Dieser floppte allerdings.

Das Ehepaar Mary und Frits scheint ein braves bürgerliches Leben zu führen, doch beide haben diverse Affären und feiern gemeinsam mit ihren Freunden kleinbürgerliche Sex-Orgien. Ihre Söhne Frans und Sybrant beobachten regelmäßig das bunte Treiben. Mutter Mary, die derartiges ahnt, setzt deshalb beim nächsten Fest durch, dass alle Gäste sich halbwegs anständig benehmen. Die sexuelle Spannung in der Luft, bricht sich dennoch irgendwann Bahn.

Werke von Harry Mulisch:

Von Harry Mulisch wurden mehrere große Romane als Grundlage für Filme entliehen, unter anderem der bereits besprochene Film De Aanslag (1986) (siehe Kapitel II. Besatzungszeit). Den Roman Hoogste Tijd verfilmte Regisseur Frans Weisz, dem ein eigenes Kapitel in diesem Dossier gewidmet ist (siehe Kapitel IX.Der Regisseur Frans Weisz ).

Twice a Woman (Buch 1975, Film 1979)

George Sluizers Film Twee Vrouwen (dt.: Zwei Frauen) nach dem gleichnamigen Roman von Harry Mulisch, der in den Niederlanden 1975 erschien, kam als Film 1979 auf den internationalen und niederländischen Markt.

Laura, eine geschiedene Frau, trifft die junge Sylvia. Sie verlieben sich und ziehen zusammen. Sylvia verführt Lauras Ex-Mann, damit sie Laura das Kind schenken kann, denn Laura kann keine Kinder bekommen. Als der Mann dahinter kommt, ermordet er die junge Frau.

Sluizer zielte auch auf ein internationales Publikum und nahm den Film auf Englisch auf (Titel: Twice a Woman). Die Hauptrollen besetzte er mit zwei internationalen Stars: Bibi Andersson aus Schweden, bekannt geworden mit Szenen einer Ehe von Ingmar Bergman und Anthony Perkins, der in Alfred Hitchcocks Psycho mitgespielt hatte. Die Niederländer Kitty Courbois und Joop Admiraal waren in Nebenrollen zu sehen. Willem Breuker komponierte die Filmmusik mit seinem Willem Breuker Kollektief.

Da der Film auch niederländische Förderung erhalten hatte, musste er auch auf Niederländisch gedreht werden. Niederländische Kinos konnten wählen, ob sie die niederländische oder englische Version zeigen wollten. Fast alle wählten Twice a Woman. Sluizers Film wurde kritisiert, weil es keine niederländische Produktion sei. Dabei war mit Sluizer ein Niederländer Regisseur, Drehbuch-Autor und gemeinsam mit William Howard Produzent, es gab niederländische Förderung, einen niederländischen Roman als Grundlage, auch niederländische Schauspieler und Musiker.

1979 wurde der Film auf dem Filmfestival in Cannes gezeigt.

The Discovery of Heaven (Buch 1992, Film 2001)

1992 erschien Harry Mulischs De ontdekking van den hemel (dt.: Die Entdeckung des Himmels). Jeroen Krabbé, verfilmte Mulischs Magnum Opus auf Englisch unter dem Titel The Discovery of Heaven. Die Entdeckung des Himmels galt als die teuerste niederländische Filmproduktion bis dato. 2002 erhielt Edwin de Vries das Goldene Kalb für sein Drehbuch, das kunstvoll die 900 Seiten aufbereitet, mit Handlungen in verschiedenen Zeiten und Welten, in unterschiedlichen Religionen und Kulturen, mit einer Fülle kulturhistorischer Anspielungen – und das für das niederländische wie internationale Publikum.

Maarten `T Hart:

Ein Schwarm Regenbrachvögel (Buch 1978, Film 1981)

Maarten `t Harts Roman Een vlucht regenwulpen erschien 1978 auf Niederländisch und 1988 auf Deutsch mit dem Titel Ein Schwarm Regenbrachvögel. Ate de Jong hatte schon 1976 einen der vier Teile von Remco Camperts Verfilmung Alle dagen feest gedreht, als er den Film Een vlucht regenwulpen drehte. In der Hauptrolle spielt Jeroen Krabbé den Maarten van Leerdam und dessen Alter Ego. Selbstgespräche und Reflektionen Van Leerdams mit seinem Alter Ego werden direkt ins Bild gesetzt und gespielt. Themen sind die unerfüllte Liebe und die Auseinandersetzung mit der Religion. `T Hart war davon überzeugt, dass sein Roman nicht zu verfilmen sei. Ate de Jong und Jeroen Krabbé haben deshalb versucht, den Autor in die Entstehung des Films mit einzubeziehen, wie Maarten `t Hart in der Zeitung NRC-Handelsblad beschreibt. Der Film sei zwar gut geworden sei, in Teilen sogar sehr gut, aber „ich hatte nicht das Gefühl, dass der Film auch nur irgendetwas mit meinem Roman zu tun hat. Worauf es mir im Roman ankommt, fehlt im Film“. [4]

Cees Nooteboom:

Rituale (Buch 1980, Film 1989)

Cees Nootebooms Roman Rituelen erschien in den Niederlanden 1980, seine deutsche Übersetzung Rituale 1985. Es war das erste größere Buch von Nooteboom, das ins Deutsche übertragen wurde. Herbert Curiël nahm den Roman als Grundlage für den gleichnamigen Film, der 1989 in Premiere ging.

Inni Wintrop beschäftigt sich mit Börsenspekulationen, Kunsthandel und Frauen. Nach dem Börsenzusammenbruch im Oktober 1987 verliert er sein Vermögen und seine Frau, Zita. Zufällig lernt er Philip Taads kennen, der ihn in Kontakt bringt mit den japanischen Ritualen von Glauben, Tod und Erotik.

Werke von Gerard Reve:

Der vierte Mann (Buch 1981, Film 1983)

Auf einem Roman des Literaten Gerard Reves beruht Paul Verhoevens gleichnamiger Film Der vierte Mann von 1983. Reves De vierde man, eigentlich als niederländisches Buchwochengeschenk geplant, wurde wegen zu provokantem Inhalt dafür nicht genutzt. Es ist ein Psychothriller um eine Männer verschlingende Femme Fatale, voll Horror, Erotik und biblischer Symbolik.

Gerard Soeterman schrieb das Drehbuch und nahm auch andere Elemente aus Büchern von Gerard Reve auf. Verhoeven zeigt, in einigen grausamen Traumszenen sein handwerkliches Können. Spätestens hiermit wurde er in Hollywood wahrgenommen. Der Film gehört zu den Klassikern des niederländischen Films.

Die Abende (Buch 1947, Film 1989)

Gerard Reves  Kultbuch De Avonden (dt.: Die Abende) der unmittelbaren Nachkriegszeit, erschien 1947 in den Niederlanden und wurde erst 1988 auf Deutsch übersetzt. Zehn Tage im Leben des 23-jährigen Büroangestellten Frits van Egters werden in zehn Kapiteln beschrieben. Jeder Tag hat ein Kapitel. Ausführlich beschreibt und reflektiert Frits seine Tage. Zunächst reagierte die Kritik sehr unterschiedlich, ablehnend und begeistert. Das Buch gehört inzwischen jedoch unumstritten zu den Klassikern der niederländischen modernen Literatur.

Regisseur Rudolf van den Berg wagte sich an dieses heilige Buch, zu dem Zeitpunkt hatte er schon zwei Romane von Leon de Winter erfolgreich verfilmt. Ihm gelingt es die Nähe vom Traum, der zum Alptraum wird, darzustellen. Die einzige Abweichung von der Normalität, die den Helden auszeichnet, ist seine Homosexualität. Dieses innere Thema wird in zarten Andeutungen und Traumszenen überbracht. Rijk de Gooyer spielte den Vater von Frits und Thom Hoffman spielte Frits selbst, dafür bekam er 1990 auch das Goldene Kalb. Ebenso wurde der Film mit diesem Preis als bester Spielfilm ausgezeichnet. [5]

A.F.Th. Van der Heijden:

Anwalt der Hähne (Buch 1990, Film 1996)

Der Anwalt der Hähne ist das vierte Buch des Romanzyklus De tandloze tijd (dt. Die zahnlose Zeit). Auf Niederländisch erschien der Roman 1990, die deutsche Übersetzung folgte 1995. Die Hauptperson Ernst Quispel setzt sich als Anwalt für die Punker der Hausbesetzerszene ein und verfällt in regelmäßige Perioden dem Suff. A.F.Th. van der Heijden wählte den Tod des Hausbesetzers Hans Kok, der 1985 in einer Amsterdamer Polizeizelle starb, als Hintergrund für sein Buch. Das übernahm der Regisseur Gerrit van Elst im gleichnamigen Film von 1996. Hanen (dt. Hähne) nannte man Hausbesetzer und Punker (wegen ihres Haarschnitts). Hans Koks Tod reisst den Anwalt aus seinen Kneipentouren durch Amsterdam heraus. Die Verteidigung der Punker durch Quispel geht auf Kosten seiner Karriere und seiner Ehe.

Zeitsprünge im Roman wurden nicht im Film übernommen. Van der Heijden hat das Drehbuch so zur Kenntnis genommen und fand, dass die Thematik des Buches erhalten geblieben war. Kritik und Publikum nahmen den Film nicht an. [6]

Arnon Grunberg:

Tirza (Buch 2006, Film 2010)

Arnon Grunbergs Bestseller Tirza erschien 2006, er wurde 2010 von Rudolf Van den Berg verfilmt. Jörgen Hofmeester hat mit seiner Frau Alma zwei Töchter. Das Ehepaar hat sich schon vor längerem getrennt. Tirza, die Ältere, wohnt bis zum Abschluss der Schule bei ihm. Sie hat einen marokkanischen Freund, dem Jörgen nicht vertraut; Choukri erinnert Jörgen an den Terroristen Mohammed Atta.

Tirza und Choukri fahren gemeinsam nach Namibia, aber lassen nichts von sich hören. Aus Sorge fährt Jörgen hinterher, um die beiden zu suchen. Am Flughafen wird er gleich von der 9-jährigen Kaisa in Empfang genommen, die ihn fortan ungefragt begleitet. Von Alma erfährt Jörgen am Telefon, dass die Leichen von Tirza und Choukri in den Niederlanden gefunden wurden. Jörgen will sich das Leben nehmen, Kaisa hält ihn aber davon ab. Bis zum Ende bleibt die Spannung erhalten, man weiß nicht genau, was eigentlich passiert ist. Grunbergs Ton bleibt im Film erkennbar. Auf dem Filmfestival erhielt Tirza das Goldene Kalb für die beste Regie und den besten Schnitt. 2010 wurde der Film als niederländischer Beitrag für die Wahl des besten ausländischen Films bei den Oscars eingereicht.


[1] Siehe Luuk Imhann im Gespräch mit Franzs Weisz am 3.10.2011: Imhann/Luuk , Het gangstermeisje moest alle films overbodig maken, in: Cineville (03.10.2011), URL:http://cineville.nl/magazine/frans-weisz-over-zijn-klassieker-het-gangstermeisje
[2] Vgl. Albers, Rommy/Baeke, Jan/Zeeman, Rob (Hrsg.): Film in Nederland, Amsterdam 2004. S. 407.
[3] Vgl. FilmTotaal, Somberman's actie (2000), URL: http://www.filmtotaal.nl/module.php?section=nfdDetails&movieID=371
[4]`T Hart, Maarten: Terugblik op een oer-Hollandse film, in: NRC-Handelsblad (13. März 1999), S. 29.
[5] Vgl. Krumbholz, Martin: o.T., in: epd Film. Das Kinomagazin 3 (1995), Seite 3f. und Gelder, Henk van: Hollands Hollywood, alle Nederlandse speelfilms van de afgelopen zestig jaar, Amsterdam 1995.
[6] Vgl. Burg, Jos van der/ Elst, Gerrit van: Sociaal en toch amusant, in: Filmkrant Nr. 167 (Mei 1996).

Autorin: Adelheid Scholten
Erstellt: November 2013