II. Besatzungszeit und deren Verarbeitung

Werke, die sich mit dem Thema Besatzungszeit beschäftigen
Werke, die sich mit dem Thema Besatzungszeit beschäftigen
© NiederlandeNet

Der Zweite Weltkrieg und die Besatzungszeit (Mai 1940–Mai 1945) wurden als Thema in der Nachkriegsliteratur in Romanen, Theaterstücken und Autobiografien vielfältig bearbeitet. Daher ist es nicht erstaunlich, dass einige dieser herausragenden Romane als Grundlage für Verfilmungen dienten.

Es lassen sich bei diesen Verfilmungen mehrere Phasen erkennen. Widerstandshelden, Mitläufer, schuldig Gewordene stehen bis Ende der 1980er Jahre im Zentrum der Verfilmungen. Gegen Ende der 1990er und in den ersten 2000er Jahren steht die vom Bedürfnis nach Eindeutigkeit geprägte Zuspitzung (Widerstand oder Kollaboration) nicht mehr Mittelpunkt. Die Geschichte wird erzählt.

De Dunkelkammer des Damokles / Als twee druppels water (Buch 1958, Film 1963)

Die Dunkelkammer des Damokles von 1958 gilt als Willem Frederik Hermans’ bedeutendster Roman und gehört zu den Klassikern der Literatur zum Thema Besatzungszeit. Ins Deutsche übersetzt wurde das Buch erst 2001. Spannend, mit einer ausgeklügelten Erzähltechnik geschrieben, wird ein Doppelgänger der Hauptfigur Osewoudt eingeführt. Der Leser wird im Ungewissen gelassen, ob die Hauptfigur ein Kollaborateur oder ein Widerstandskämpfer ist, und ob der Doppelgänger real oder eingebildet ist.

Regisseur Fons Rademakers entschied sich in der schwarz-weiß-Verfilmung für die tatsächliche Existenz des Doppelgängers und hob damit die charakteristische Ambivalenz des Romans auf. Es kam darüber zu einem Konflikt zwischen Romanautor, der anfangs auch das Drehbuch verfasste, und Regisseur. Rademakers sagte noch während der Dreharbeiten: Was Hermans wollte, war eine adäquate Verfilmung des Romans, was ich wollte, war eine adäquate Verfilmung des Themas des Romans.[1] Einen Tag vor der Premiere gestand Hermans dann doch, der Film sei nicht so schlecht ausgefallen, wie er befürchtet habe. Der Film mit dem in einem entscheidenden Punkt entwickelten Eigenleben wurde vom niederländischen Kultusministerium als offizieller niederländischer Beitrag für die Filmfestspiele in Cannes 1963 nominiert.

Paranoia (Buch 1953, Film 1967)

Der junge Regisseur Adriaan Ditvoorst (1940–1987) griff Willem Frederik Hermans 1953 erschienene Erzählung Paranoia für seinen ersten langen Spielfilm auf. Wie der Titel sagt, handelt es sich um ein psychologisches Drama: Ein junger Niederländer erlebt den Beginn der Besatzungszeit 1940 als Soldat und macht sich später Vorwürfe, dass er diese nicht verhindern konnte. Als nach dem Krieg nach einem SS-Mann gefahndet wird, bildet sich der junge Mann ein, er sei der Gesuchte. Er ermordet seine Freundin und seinen Vermieter, die seine Identität hätten verraten können und springt dann selbst aus dem Fenster.

Hermans setzte sich so früh mit Schuld, Verantwortung und Identität auseinander. Ditvoorst verfremdete die Szenen, in dem er sie in Amsterdam der 1960er Jahre spielen und z.B. auch einen demonstrierenden Aktivisten (Provo)[2] von einem Auto umfahren lässt. Das Spiel zwischen Wirklichkeit und Phantasie wird als typisch für Adriaan Ditvoorst angesehen. Er gehört zu den Regisseuren in den Niederlanden, die sich der Nouvelle Vague-Bewegung aus Frankreich verbunden fühlten. Ditvoorst gilt als Kopf der Neuen Welle der 1960er und 1970er Jahre,Paranoia als ein typischer Film dieses Typs. [3]

Pastorale 1943 (Buch 1948, Film 1978)

Auch andere Verfilmungen in den 1970er und 1980er Jahren gehen auf Veröffentlichungen direkt nach dem Krieg zurück, wie Pastorale 1943, im Jahr 1978 verfilmt von Wim Verstappen. Es, basiert auf Simon Vestdijks gleichnamigem Buch, das schon 1945 in der Zeitschrift Centaur und 1948 dann als Buch erschien.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine Widerstandsgruppe, die sich mit den Besatzern ebenso auseinandersetzen muss wie mit der eigenen Unerfahrenheit, mit der Gleichgültigkeit im heimatlichen Umfeld und mit Verrätern in den eigenen Reihen. Verstappen blieb nah an der literarischen Vorlage, weil diese sich offenbar gut für eine Verfilmung eignete. Vestdijk hatte auch schon eine solche Möglichkeit mitgedacht, wie Andeutungen im Text nahe legen. Zum Beispiel formulierte der Autor etwa einen Vergleich an einer Stelle so: eine Person sei wie ein Kerl aus dem Film. An einer anderen Stelle im Text denkt der unsympathische Protagonist Jan in’t Veldt: Ein Film ist so gut wie eine Frau, und dann dauert ein Film noch viel länger...[4]

Simon Vestdijks extrem frühe und differenzierte Thematisierung des Widerstands, nur wenige Monate nach der Befreiung, zeigt dessen innere Unabhängigkeit. Bei der ersten Vorführung des Films sagte Verstappen über Vestdijks Roman: Vestdijk schrieb 1945 eine Geschichte über ein Volk. Eine Geschichte über ein Volk, das ein nettes Volk ist, weil es wenig Helden kennt.

Das Mädchen mit dem roten Haar (Buch 1956, Film 1981)

Der Film Das Mädchen mit dem roten Haar, 1981 von Ben Verbong verfilmt, basiert auf dem gleichnamigen Roman von Theun de Vries aus dem Jahr 1956. Der kommunistische Widerstand gegen die nationalsozialistische Besatzung wurde in den frühen 1950er Jahren in Holland kaum von einer breiten Öffentlichkeit anerkannt; zu sehr war die Atmosphäre vom Kalten Krieg geprägt. Nur wenige kannten Hanni Schaft, der der kommunistische Autor Theun de Vries 1956 seine Hommage widmete.

Die Studentin Hannie Schaft stößt während der Besatzungszeit zu einer Widerstandsgruppe, beteiligte sich an Sabotage-Aktionen, bis sie gefasst und exekutiert wird. Für die Schauspielerin Renée Soutendijk, die die Hannie spielte, war es die erste große Hauptrolle. Seit Ben Verbongs Film gehört Hannie Schaft zur nationalen Geschichte – und hat das Gesicht von Renée Soutendijk.

Bastille (Buch 1981, Film 1984)

Bastille ist der erste abendfüllende Film des Regisseurs Rudolf van den Berg. Das Drehbuch basiert auf Leon de Winters Place de la Bastille von 1981. Paul de Wit, ein 1943 in Amsterdam geborener jüdischer Lehrer, ist besessen von seiner eigenen Geschichte. Seine Eltern und sein Zwillingsbruder wurden in Auschwitz vergast. Warum hat er überlebt, was ist der Sinn der Geschichte? Er will ein Buch über die Flucht König Ludwigs XVI während der Französischen Revolution schreiben und fragt, was passiert wäre, wenn dem König die Flucht gelungen wäre? Für die Recherchen reist er nach Paris, lernt Pauline, eine jüdische Französin kennen. Er beginnt eine Affäre, auf der Place de la Bastille fotografiert sie ihn. Auf dem entwickelten Foto nimmt er eine Person hinter sich wahr, die ihm sehr ähnlich sieht. Ist das Philip, sein verstorbener Zwillingsbruder? Er begibt sich auf die Suche.

Wie auch der Autor Leon de Winter gehörte der Regisseur van den Berg der zweiten Generation Holocaust-Überlebender an. Die Auseinandersetzung mit der eigenen jüdischen Identität spielte eine Rolle in der Zusammenarbeit der beiden. Produzent war George Sluizer. Für die beste Regie bekam Rudolf van den Berg die wichtigste niederländische Filmauszeichnung, das Goldene Kalb.

Das bittere Kraut (Buch 1957, Film 1985)

Eine weitere Novelle aus der ersten Phase der literarischen Verarbeitung des Zweiten Weltkriegs, Marga Mincos 1957 veröffentlichtes Het bittere Kruid (dt.: Das bittere Kraut), wurde 1985 von Kees van Ostrum verfilmt. Die Schriftstellerin Marga Minco beschreibt in ihrem autobiografischen Buch die Erfahrungen einer jüdischen Familie während der Besatzungszeit aus der Sicht eines Kindes. Schritt für Schritt werden die in Holland lebenden Juden isoliert und gesellschaftlich geächtet, zwangsweise auf wenige Wohnorte konzentriert und schließlich in die Vernichtungslager deportiert. Nur wenige überleben die Besatzungszeit im Versteck.

Der Produzent des Films war Rob Houwer, der Erfinder des Pay TV in den 1980er Jahren in den Niederlanden; u.a. produzierte er Soldaat van Oranje. Mit der Geschichte von Marga Minco gingen Houwer und der Regisseur großzügig um und flochten vor allem die Beziehung der Hauptperson mit der Familie einer niederländischen Nazi-Familie ein. Marga Minco war so entsetzt über die Veränderungen, dass die Macher des Films verpflichtet wurden, am Anfang des Films eine Distanzierung Marga Mincos einzublenden.

Der Soldat von Oranien (Buch 1970, Film 1977)

Andere Filme aus der Zeit haben nicht so frühe literarische Vorlagen wie Soldaat van Oranje, 1977 (dt.: Der Soldat von Oranien). Der Film von Paul Verhoeven geht auf die Autobiografie des berühmten Widerstandskämpfers Erik Hazelhoff Roelfzema (1917–2007) zurück, die zunächst 1970 und dann 1971 unter dem Titel Soldat von Oranien, 1940–1945 erschien. Mit dem Film wurde der Regisseur Paul Verhoeven international bekannt.

Hazelhoff Roelfzema ist Student in Leiden, als der Krieg ausbricht. Während des Krieges nimmt er Kontakt zum Widerstand auf. Als seine Aktivitäten auffliegen, flieht er nach England und arbeitet für die Exilregierung in London. In deren Auftrag schleust er Informanten in die Niederlande ein. Er wird persönlicher Adjutant der Königin.

Das Attentat (Buch 1982, Film 1986)

Harry Mulischs Roman De Aanslag (dt.: Das Attentat) erschien 1982 und wurde schon rasch von Fons Rademakers verfilmt. 1986 kam der Thriller in die Kinos. Rademakers erhielt dafür 1987 den Oscar für den besten ausländischen Film und einen Golden Globe.

Eine Episode der Besatzungszeit, bei der die Deutschen einen Anschlag auf einen niederländischen Kollaborateur brutal rächen, bleibt für den überlebenden Anton Steenwijk, der den Vergeltungsakt als Junge miterlebt hat, ein Rätsel. In den Jahrzehnten nach dem Krieg gelingt es ihm nach und nach, das Geschehen an jenem Winterabend des Hungerwinters 1944/45 zu entwirren. Schritt für Schritt werden die Motive und Verstrickungen der beteiligten Akteure aufgedeckt. Die Fragen von Schuld und Verstrickung werden dadurch jedoch nicht gelöst, sondern stellen sich eher noch komplizierter dar.

Zwei Koffer / Kalmans Geheimnis (Buch 1993, Film 1998)

Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre stieg das zwischendurch etwas abgekühlte Interesse der Filmindustrie an Themen wie Besatzung, Krieg und Identität wieder an.
Der Schauspieler Jeroen Krabbé wählte für sein Regiedebut 1998 die Verfilmung von Carl Friedmans Roman Zwei Koffer (nl.: Twee koffers vol) aus dem Jahr 1993. Der Film zum Roman trägt den Titel Kalman’s geheim (dt.: Kalmans Geheimnis) und international Left Luggage. 1998 wurde mit diesem Beitrag die 48. Berlinale eröffnet.

Roman und Film handeln vom Schweigen in den Familien und den Konflikten zwischen den Generationen, die sich daraus ergeben. Chaja, die Tochter zweier KZ-Überlebender, jobbt in den frühen 1970er Jahren als Kindermädchen bei der chassidischen Familie Kalman in Antwerpen. Die Frömmigkeit der fremden Familie macht ihr klar, dass ihre Eltern sich vom Judentum distanziert haben. Der zweite Erzählstrang der Geschichte kreist um Chajas Vater, welcher obsessiv nach zwei während der Deportation verlorengegangenen Koffern sucht. Diese Suche erscheint Chaja als Suche nach der eigenen Identität des Vaters. Jeroen Krabbé spielt selbst die Rolle des chassidischen Patriarchen – ein Bezug zu seiner eigenen Herkunft. Krabbé wurde 1944 in dem Amsterdamer Versteck seiner jüdischen Mutter geboren. Die gesamte Familie seiner Mutter hat nicht überlebt.

De Fûke (Buch 1966, Film 2000)

De Fûke (dt.: Die Reuse, nl.: De Fuik) ist ein Film aus der Provinz Friesland, der Widerstand zum Thema hat. Die Novelle von Rink van der Velde, die als die literarische Vorlage dient, ist schon 1966 auf Friesisch erschienen. Auch im Film wird Friesisch gesprochen. Das Drehbuch schrieb der Autor zusammen mit dem Regisseur Steven de Jong. Rink van der Velde (1932–2001) gehört zu den meist gelesen Friesischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Das Leben des niederländischen Geheimagenten Lodewijk van Hamel (1915–1941), vor allem dessen Inhaftierung und Erschießung durch die Deutschen inspirierten van der Velde zu der Geschichte.

Jelle, ein einfacher Fischer, wird von den Besatzern verhaftet, weil sich sein Sohn (Lodewijk van Hamel) an Sabotageakten im Untergrund beteiligt hat. Jelle wusste nichts von den Aktivitäten seines Sohnes. Im Film wird ein Element hinzugefügt, das es im Buch nicht gab: Jelle hat einen Hund, Bijke, der ihn ständig begeleitet. Dieser ist auch dabei, als Jelle von den Deutschen erschossen wird.

30.000 Zuschauer hatte der Film in Friesland, in den gesamten Niederlanden wurde er kaum von einem Publikum wahrgenommen. Interessant ist, dass in dieser Phase auch Friesland einen eigenen Film produzierte, denn De Fûke wurde ausschließlich mit friesischem Geld produziert.

Die Zwillinge (Buch 1993, Film 2002)

In den 1990er Jahren werden die Nach- und Auswirkungen des Krieges immer wieder künstlerisch thematisiert. Der Roman De Tweeling (dt.: Die Zwillinge) von Tessa de Loo erschien 1993 in den Niederlanden und 1995 auf Deutsch. Das sehr gut verkaufte Buch verband die Frage nach Schicksal und Verstrickung mit der emotionalen Ebene des Individuums im Kontext der deutsch-niederländischen Beziehungen.

Ben Sombogaart führt in dem gleichnamigen Film, einer deutsch-niederländischen Koproduktion von 2002, Regie. Das Drehbuch folgte in groben Zügen dem Roman, allerdings wurden die Hauptrollen stärker akzentuiert, indem jüdische und nationalsozialistische Identifikationen hinzugefügt wurden.
Nach dem Tod ihrer Eltern wachsen die Zwillingsschwestern Anna (gespielt von Nadja Uhl) und Lotte (Thekla Reuten) getrennt voneinander in Deutschland und den Niederlanden auf.

Anna kommt zu einer deutschen Familie auf einen Bauernhof und muss hart arbeiten; Lotte kommt in einer bürgerlichen Familie in den Niederlanden unter. Während ihrer Jugendjahre sehen sich die beiden Schwestern noch einmal; diese Begegnung misslingt, weil sich die beiden schon so sehr entfremdet haben und Anna beim Abschied eine antisemitische Bemerkung fallen lässt. Anna lernt einen österreichischen SS-Mann kennen und zieht nach Wien. Ihr Mann fällt im Krieg. Lotte hat in den Niederlanden einen jüdischen Verlobten. Dieser wird verhaftet, nach Deutschland geschickt und später nach Auschwitz deportiert. Nach dem Krieg sucht Anna ihre Schwester Lotte und findet sie verheiratet in Den Haag. Lotte verweigert sich dem Gespräch und der gemeinsamen deutschen Muttersprache. Die Schwestern treffen sich erst 1990 zufällig im belgischen Kurort Spa wieder. Sie erkennen sich wieder. Anna sucht den Kontakt und den Austausch, während Lotte distanziert bleibt. Anna stirbt während der Kur an einem Herzanfall; die beiden Schwestern haben nicht mehr die Möglichkeit, sich zu versöhnen.

2003 erhielt De Tweeling die niederländische Auszeichnung das Goldene Kalb für den besten langen Spielfilm und 2004 wird der Film für den Oscar in der Kategorie des besten ausländischen Films nominiert.

Kriegswinter (Buch 1972, Film 2008)

Jan Terlouws autobiografischer Roman Oorlogswinter (dt.: Kriegswinter) erschien 1972 und erhielt 1973 die Kinderbuchauszeichnung Gouden Griffel (dt.: Goldener Griffel). Der 1931 geborene Kinderbuchautor und Politiker erzählt die Geschichte des 15-jährigen Michiel im letzten Kriegswinter, dem so genannten Hungerwinter. Michiel gerät in illegale Aktivitäten und muss plötzlich Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen. Michiel findet, dass sein Vater zu diplomatisch mit den deutschen Besatzern umgeht und vertraut lieber seinem Onkel. Menschen müssen versteckt, ein englischer Soldat versorgt und Informationen weitergeben werden. Im Laufe der Handlung erkennt Michiel, dass sein Onkel Menschen verrät und er selbst der falschen Seite Vertrauen geschenkt hat. Auch im neuen Jahrtausend konnte mit diesem Thema national und international ein großes Publikum gewonnen werden.

Im September 1975 hatte die niederländische Fernsehanstalt VARA eine Serie mit dem Titel Oorlogswinter ausgestrahlt, die auf Terlouws Buch basierte. Im Dezember 2008 war die Premiere des Films Oorlogswinter, der der erfolgreichste Film des Regisseurs Martin Koolhoven (Jahrgang 1969) werden sollte. Mit fast 1 Million Besuchern wurde er einer der niederländischen Publikumslieblinge. 2010 kam der Film sogar auf die Shortlist für den Oscar in der Kategorie bester ausländischer Film. Das half dem internationalen Verkauf unter anderem in die USA (War in Wintertime) und nach China (NiederlandeNet berichtete).

Sonny Boy (Buch 2004, Film 2011)

Die niederländische Historikerin und Schriftstellerin Annejet van der Zijl, recherchierte die „verschwunden Leben“ des Paares Waldemar Nods und Rika van der Lans und rekonstruierte deren Geschichte, die 2004 unter dem Titel Sonny Boy erschien. Das Buch verkaufte sich bis Mitte 2010 über 500.000 Mal.

Maria Peters konnte die Rechte für den Stoff erwerben, schrieb in enger Absprache mit Annejet van der Zijl das Drehbuch, führte Regie und produzierte den gleichnamigen Film, der im Januar 2011 in Premiere ging. Er erzählt eine ungewöhnliche und auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte, die in den 1930er Jahren beginnt. Der farbige Waldemar Nods verlässt seine Heimat Surinam für ein Studium in den Niederlanden und kann bei der 17 Jahre älteren Rika ein Zimmer beziehen; sie ist gerade gemeinsam mit ihren vier Kindern der Ehe mit ihrem streng religiösen Mann entflohen.

Waldemar und Rika verlieben sich und bekommen ein gemeinsames Kind, Sonny Boy. Der verlassene Ehemann erzwingt daraufhin, dass seine Kinder wieder bei ihm wohnen. Waldemar, Rika und Sonny Boy verlieren ihre Wohnung und können bei dem älteren Juden Sam unterkommen. Dieser hilft ihnen, eine Pension am Strand aufzubauen. Während der Besatzung hilft das Paar verfolgten Juden beim Untertauchen. Sie werden entdeckt, Rika kommt ins Lager nach Ravensbrück und stirbt dort, Waldemar kommt ins Lager Neuengamme. Sonny Boy wohnt fortan bei Verwandten. Nach Hitlers Tod kommt Waldemar erneut auf einen Transport: auf die Cap Arcona, die von den Alliierten bombardiert wird. Er kann sich retten, weil er ein guter Schwimmer ist. Als er das Ufer erreicht, wird er von zwei deutschen Kindersoldaten erschossen. Die wahre Geschichte ist anrührend, darum sind sowohl Buch als auch Film so erfolgreich, denn eigentlich ist der Film langatmig und nicht überzeugend.


[1] Gelder, Henk van: Hollands Hollywood – alle Nederlandse speelfilms van de afgelopen zestig jaar, Amsterdam 1995, S. 90.
[2] siehe Dossier Wirries, Clemens: Protest, Entsäulung, Partizipation - die 1960er Jahre, 2008.
[3] Albers, Rommy/Baeke, Jan/Zeeman, Rob (Hrsg.): Film in Nederland, Amsterdam 2004, S. 159.
[4] Grijs, Piet: Pastorale 1943, in: Paardt, Rudi van der (Hrsg.): Je kunt er toch bij blijven zitten?, Kritieken op de romans van S. Vestdijk, Amsterdam 1983, S. 105f.

Autorin: Adelheid Scholten
Erstellt: November 2013