IV. Immigration und Integration

Der 1974 in Marokko geborene niederländische Autor Khalid Boudou thematisiert witzig und spielerisch leicht das Leben junger Migranten unterschiedlicher Herkunft in den Niederlanden. Drei seiner Bücher dienten als Grundlage für Filme. Ihm gelingt es, die sich zuspitzende Atmosphäre gegenüber Migranten am Anfang des neuen Jahrtausends in der niederländischen Gesellschaft mit Satire, eigenwilligem Humor und Tempo auf ironische Weise zu beleuchten. Mit den Büchern und deren Verfilmungen wurden auch die migrierten Jugendlichen direkt angesprochen: es geht um ihr Leben, sie spielen die Hauptrollen.

Lehrjahre im Schnitzelparadies (Buch 2001, Film 2005)

Der bestverkaufte Debütroman des Jahres 2001 war Khalid Boudous Buch: Het Schnitzelparadijs (dt.: Lehrjahre im Schnitzelparadies). Der Regisseur Martin Koolhoven bearbeitet das Buch frei, behielt aber den Romantitel bei.

Nordip sucht gegen den Willen seiner Eltern, die Besseres mit ihm vorhaben, nach Beendigung seiner Schule einen Ferienjob. Er kann als Geschirrspüler im Schnitzelparadies Der blaue Geier anfangen. Seine Kollege – zwei Marokkaner, ein Türke und ein Jugoslawe – lassen ihn spüren, dass er sich erst einmal hocharbeiten muss und in der Küche nichts zu sagen hat. Der Küchenchef ist ein Hardrocker. Zum Glück gibt es auch Agnes, die Nichte des Besitzers. Nordip verliebt sich in Agnes, aber die beiden finden nicht zueinander. Es ist eine clowneske Komödie, die mit Vorurteilen und Urteilen von und über Ethnien spielt.

Das gesamte Küchenpersonal bekam 2005 den höchsten niederländischen Filmpreis, das Goldene Kalb, für die besten männlichen Nebenrollen.

De President (Buch 2005, Film 2011)

Im gleichen Ton wie das Schnitzelparadies veröffentlichte Khalid Boudou 2005 das Buch De President (dt.: Der Präsident, es liegt keine deutsche Übersetzung vor) und 2007 Pizzamafia. De President ist eine witzige Satire und reflektiert die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in den Niederlanden in Zeiten der Verunsicherung.

Die Hauptperson ist der illegale Spargelstecher Jusuf Ha, der den Spitznamen Der Präsident trägt. Er ist der beste Spargelstecher von Zapland. Als die zapländische Regierung ihr Mandat niederlegt und Chaos ausbricht, wird Jusuf Präsident. Der erste Präsident mit Migrationshintergrund wird schnell zu einem echten Politiker. 2011 verfilmte der 1962 geborene Regisseur Erik de Bruyn De President. Im Film wird der spargelstechende Marokkaner jedoch der erste Präsident der Niederlande, nicht mehr „nur“ von Zapland.

Auf dem internationalen Filmfestival Tiburon in den USA bekam De President den Golden Reel Award als beste Komödie

Pizzamaffia (Buch 2007, Film 2011)

Der 1979 geborene Tim Oliehoek führt Regie bei der Verfilmung von Khalid Boudous Pizzamaffia.

Brahim weiß, was er will, nämlich einen Topjob und ein gemeinsames Leben mit seiner Freundin. In seiner Freizeit arbeitet er regelmäßig in der Pizzeria seines Vaters, ebenso wie sein Cousin und Freund Haas. Brahims Vater ist krank, daher wird die Pizzeria von Brahims Onkel Faris geführt. Der Vater hat den Eindruck, dass Haas und Faris nicht den gesamten Verdienst abgeben. Sie streiten sich. Faris und Haas gehen und eröffnen eine eigene hippe Pizzeria in der Nähe. Damit beginnt der Pizzakrieg zwischen den beiden Familien. Brahim ist in den heftigen Streit einbezogen. Schule, Freunde und sogar seine geliebte Alice geraten in den Hintergrund, bis er selbst merkt, welches Spiel mit ihm gespielt wird.

Familienstolz, das Verhältnis von Vater und Sohn sowie die Kriegsführung zwischen den Familien werden witzig, spannend und in einem schnellen Tempo beschrieben.


Autorin: Adelheid Scholten
Erstellt: November 2013