VIII. Einzelne Autoren

Viele Werke bekannter Schriftsteller erreichen über den Film ein noch breiteres Publikum. Dazu gehören folgende Autoren.

Werke von Leon de Winter:

De verwording van Herman Dürer (Buch 1976, Film 1980)

Film und Literatur gehören für Leon de Winter zusammen. Er besuchte die Filmakademie in Amsterdam und begann seine schriftstellerische Karriere zeitgleich mit seiner Arbeit als Filmregisseur und -produzent. 1976 erschien sein erster Roman De (ver)wording van de jongere Dürer (dt.: Die (Ver)bildung des jungen Dürer). Auf Grundlage des Buches schrieben 1979 Leon de Winter, René Seegers und Jean van de Velde das Drehbuch und führten Regie für De verwording van Herman Dürer. Die drei gründeten 1980 die erste Amsterdamer Filmassociation (EAFA); aus Protest hatten die drei zuvor die Filmakademie verlassen. Mit ihrer eigenen Produktionsfirma wollten sie den künstlerischen, unabhängigen Film neu beleben. Die Regisseure Wim Wenders, Rainer Werner Fassbinder und Jean-Luc Godard waren ihre Helden. In ihrem ersten Film ist Herman Dürer auf der existentiellen Suche nach einem romantischen Lebensideal. Die Kritik war weniger überzeugt von dem Film als von der Haltung der Regisseure zur etablierten niederländischen Filmkultur. Es blieb schwierig, unabhängige Filme in den Niederlanden zu produzieren, darum wurden die meisten Filme der EAFA international produziert.[1]

Bastille (Buch 1981, Film 1984)

Der auf Leon de Winters Buch Bastille basierende Film von Rudolf van den Berg wird in Kapitel II. Besatzungszeit und deren Verarbeitung behandelt.

Looking for Eileen (Buch 1981, Film 1987)

Nach dem Erfolg von Bastille wagte sich Rudolf van den Berg an eine weitere Verfilmung eines Leon de Winter-Romans. Dieses Mal war es das Buch Zoeken naar Eileen W. (dt.: Suchen nach Eileen W.), das 1981 erschienen war und den literarischen Durchbruch für De Winter bedeutet hatte. De Winter war am Drehbuch beteiligt und produzierte den Film.

Der Architekt Philip de Wit hat gerade seine junge Freundin durch einen Autounfall verloren und ist verzweifelt. Eines Tages trifft er eine Frau, die seiner Freundin wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Ihr Treffen ist nur kurz, aber Philip weiß, dass er in jedem Fall mit der Frau weiterleben will. Er weiß von ihr nur, dass sie Englisch spricht, aus Nordirland kommt und Eileen heißt. Er sucht sie. Bei der Suche trifft er auch Eileens Mann und ihren Freund, die ebenfalls auf der Suche nach ihr sind. Anders als im Roman endet der Film mit einem Happy End: Eileen und Philipp treffen sich erneut. De Winter entschied sich bewusst für ein Happy End, um ein größeres Publikum erreichen zu können.[2]

Hoffman’s Hunger (Buch 1990, Film 1993)

Bei der Verfilmung seines Romans Hoffman's honger aus dem Jahre 1990 war De Winter selbst Regisseur. Erzählt wird die Geschichte des niederländischen Botschafters Felix Hoffman, der niemals schläft und niemals aufhört zu essen. Durch die Lektüre der Werke von Baruch de Spinoza versucht Hoffman sich von seinen Zwängen zu befreien. Der Film kam 1993 in die Kinos.

SuperTex (Buch 1991, Film 2003)

Für die Verfilmung des Romans SuperTex durch den deutschen Regisseur Jan Schütte, half De Winter bei der Drehbuchbearbeitung mit. Der Film ging 2003 in Premiere. Die Leinwand-Adaption von Leon de Winters Bestseller SuperTex über einen Vater-Sohn-Konflikt in einem jüdischen Familienunternehmen war lange erwartet worden. Der Spiegel lobte: „Es ist nicht die Originalität der Geschichte, die Supertex – eine Stunde im Paradies zu einem Vergnügen macht, sondern die detaillierte Ausformung der Szenen, kluge wie schnelle Dialoge und Schauspieler, die offenbar Spaß an der Sache haben.“[3]

Der Himmel von Hollywood (Buch 1997, Film 2001)

Leon de Winter blieb auch danach der Drehbuchautor für die Verfilmung seiner eigenen Bücher. De Hemel van Hollywood (dt.: Der Himmel von Hollywood) bearbeitete er für den Regisseur Sönke Wortmann, der in den USA drehte. 2001 war die Premiere der Kriminalkomödie The Hollwood Sign, die die Geschichte von drei gealterten Schauspielern erzählt. Betrunken hocken sie unter dem legendären Hollywood-Schriftzug und plaudern wehmütig über die guten alten Zeiten als sie im Gebüsch einen toten Gangster entdecken. Sie erfahren, dass dieser mehrere Millionen Dollars aus einem Kasino unterschlagen hat, lassen seine Leiche verschwinden und versuchen das Geld selbst zu ergattern.

Jan Brokken:

De Provincie (Buch 1984, Film 1991)

Der Journalist Jan Brokken debütierte als Schriftsteller 1984 mit dem weitgehend autobiografischen Roman De Provincie (dt.: Die Provinz), der bisher nicht auf Deutsch erschienen ist. Die Geschichte über das Leben auf dem Land oder eben in der Provinz wird 1991 von Jan Bosdriesz verfilmt. Für den 50-jährigen Bosdriez war es der erste Spielfilm: davor hat er als Cutter an Filmen von Paul Verhoeven, Hugo Claus, Adriaan Ditvoorst und Jos Stelling mitgearbeitet.

Frank kehrt nach Jahren in sein Dorf, in dem er geboren wurde, zurück. Er trifft Peter und Koos. Sie erzählen sich alte Jugenderinnerungen, in denen Lili eine besondere Rolle spielt. Alle drei Jungen waren in sie verliebt. Alte Gefühle werden lebendig, Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen im Film – ein Werk über das Verlangen nach Jugend und Unschuld.

Boudewijn Büch:

Der kleine blonde Tod (Buch 1985, Film 1993)

Der Regisseur Jean van de Velde schrieb gemeinsam mit Rob Houwer, dem Produzenten des Films, das Drehbuch für Der kleine blonde Tod, der auf dem gleichnamigen Roman von Boudewijn Büch aus dem Jahr 1985 basiert.

Es geht um den Tod von Micky, dem 5-jährigen Sohn eines Schriftstellers. Büch schrieb nach der ersten Lektüre des Drehbuchs, dass der Geist des Buches mit dem Drehbuch übereinstimmen würde, Büch hat sich selbst nicht in die Produktion eingemischt. Der Film war erfolgreich erhielt 1993 ein Goldenes Kalb für den besten langen Spielfilm.[4]

Werke Von Arthur Japin:

De Wolkenfabriek (1996) und Magonia (2001)

Arthur Japin begann als Schauspieler, verließ die Bühne 1987 und schrieb Drehbücher fürs Radio und Fernsehen, Theaterstücke und Hörspiele, bevor 1996 sein erstes Buch Magonische Verhalen (dt.: Magonische Erzählungen) erschien. Es sind neun Erzählungen, die in der Welt von Magonia spielten, die er durch seinen Vater schon in Kindheitstagen kennengelernt hatte. Im Mittelalter stand Magonia für ein imaginäres Land.
Die Regisseurin Ineke Smits verfilmte zwei Geschichten aus dem Erzählband. 1996 war es die Wolkenfabriek und 2001 Magonia. Zu beiden Filmen schrieb Japin das Drehbuch. Das Filmskript zu Magonia ist 2001 als Buch bei De Arbeiderspers erschienen.

De Wolkenfabriek ist ein Film von 25 Minuten, der fürs Fernsehen produziert wurde, aber gelegentlich auch als Vorfilm gezeigt wird. Er handelt von einem Fabrikarbeiter und seiner Tochter Anna. Sie leben ein armes Leben, der Vater erzählt regelmäßig Phantasiegeschichten, darin spielt eine Prinzessin die Hauptrolle. Als eines Tages die Prostituierte Eef in ihr gemeinsames Leben trittt, verliert Anna das Vertrauen in den Vater und in die Welt der Geschichten.

Magonia ist ein poetischer Film, der die Phantasiewelt Japins zeichnet, vor allem mittels Bilder und der Musik. Drei getrennte Geschichten werden erzählt, die am Ende in der letzten Szene zusammengeführt werden. Ineke Smits dreht diesen Film ganz vor der Kulisse der wunderbaren Landschaft Georgiens. Wie in Japins Leben erzählt hier ein Vater exotische Geschichten über Magonia, diesmal seinem Sohn.
Die Zusammenarbeit zwischen Japin und Smits entwickelte sich so gut, dass sie an weiteren Projekten zusammenarbeiten. (z.B. an dem Film De Vliegenierster van Kazbek, dt.: Die Fliegerin von Kazbek).


[1]Albers, Rommy/Baeke, Jan/Zeeman, Rob (Hrsg.): Film in Nederland, Amsterdam 2004. S. 380.
[2] Den Boef, August Hans: Filmisch of literair? Leon de Winter en de lat-relatie tussen film en literatuur, in: Literatuur 21 (2004), S. 23 -27, URL: http://www.dbnl.org/tekst/_lit003200401_01/_lit003200401_01_0100.php 
[3] Elke Schmitter, Der Tycoon muss sterben, in: Der Spiegel (11/2004)., S. 174.
[4]Sjaak Roodenburg in: Elsevier von 20.3.1993, S. 102/ 103

Autorin: Adelheid Scholten
Erstellt: November 2013