IV. Niederländische Literaturzeitschriften

Wer sich über die Entwicklungen in der niederländischen Literatur, aber auch in der Weltliteratur informieren möchten, der sollte auf die niederländischen Literaturzeitschriften zurückgreifen. Neben der gegenwärtigen Prosa und Poesie sind hier Rezensionen der Werke etablierter und weniger bekannter Autoren zu finden. Der Leser erhält die Möglichkeit, die Spannbreite der Literatur kennen zu lernen, neue Autoren zu entdecken und sich vor allem selbst eine Meinung zu bilden.

De Revisor, De Parelduiker und viele mehr…

Die niederländische Literaturlandschaft kennt eine große Anzahl von Literaturzeitschriften, die sich zumeist auf eine besondere Literaturgattung spezialisiert haben. Eine Auswahl einiger Zeitschriften wird hierunter aufgelistet. Eine Übersicht über weitere Literaturzeitschriften findet man hier: http://www.literairetijdschriften.org/

De Parelduiker

Letztere gehört zu den fünf Zeitschriften, die hier in den Vordergrund gerückt werden sollen, da vor allem diese einen guten Einblick in die Entwicklungen der niederländischen Literatur gewähren. Seit 1996 erscheint die literarhistorische Zeitschrift De Parelduiker fünfmal im Jahr. Die Redaktion dieser Zeitschrift hat es sich zum Ziel gesetzt in Vergessenheit geratene oder nie erschienene Bücher, Zeitschriften, Gedichte, Briefe und Fotos von sowohl bekannten wie unbekannten Autoren zu publizieren, egal, ob es sich um geheime Liebesbriefe von Herman Gorter, E. du Perron oder Geschichten über einen depressiven Willem Kloos handelt. Die Redaktion bringt auf charmante Weise ´Perlen` an die Oberfläche und füllt hiermit eine ganz eigene Nische in der niederländischen Literaturlandschaft.

De Gids

Die älteste niederländische Zeitschrift, die heutzutage noch herausgegeben wird, ist die 1837 gegründete Zeitschrift De Gids. Neben kreativer Prosa und Poesie von Debütanten und etablierten Autoren aus eigenem Land und dem Ausland legt die Redaktion dieser Zeitschrift vor allem viel Wert auf Essayistik. Sie wollen einer größtmöglichen Anzahl von Disziplinen sowie Soziologie, Geschichte, Philosophie und Physik Aufmerksamkeit schenken. Diese literarische Annäherung an gesellschaftliche Themen unterscheidet den monatlich bei Balans erscheinenden De Gids von allen anderen Literaturzeitschriften in den Niederlanden.

De Revisor

„Es muss über Literatur nachgedacht werden, und zugleich muss die Literatur, die in De Revisor erscheint, zum Denken anregen.“ So formulierte einer der früheren Redakteure der Zeitschrift De Revisor, Kees´t Hart die Ziele der 1994 einer einschneidenden Veränderung unterzogenen, ursprünglich 1974 gegründeten, Zeitschrift. Man wollte auch der gesellschaftlichen Seite der Literatur Aufmerksamkeit schenken und die Polemik zurückbringen nach Jahren in denen die Zeitschrift ´t Harts´ Meinung nach mehr als Briefkasten fungiert hatte. Zuvor, in den 70er und 80er Jahren wurde eine ganze literarische Strömung nach dieser Zeitschrift benannt, die Revisor-Prosa. Autoren wie Frans Kellendonk und Nicolaas Matsier schrieben bewusst reflektierende Prosa. Auch heute noch kommt der Form und dem Stil große Aufmerksamkeit zu. Vor allem Revisor-Redakteur P.F. Thomése verteidigte 1998 mit Händen und Füßen einen ´anderen Stil`, der Literatur gerade zu Literatur macht, gegen den Geschmack der Masse. Diesen Kurs hat die Redaktion beibehalten. Durch meinungsbildende und kontroverse Artikel ist die Zeitschrift zu einer kontroversen Quelle in der niederländischen Literaturlandschaft avanciert.

Tirade

Die Zeitschrift Tirade hingegen lässt die Debatte außen vor und konzentriert sich inzwischen ausschließlich auf die Literatur. Demjenigen, der auf den neusten Stand der gegenwärtig publizierten niederländischsprachigen Literatur gebracht werden möchte, sei diese Zeitschrift empfohlen. Die Redaktion richtet ihre Aufmerksamkeit vor allem auf den Stil und die Sprache. Zu gleichen Teilen stellt sie gegenwärtige niederländische Prosa, Poesie und Essayistik vor. Ehemals beeinflusst durch die Nachfahren der nicht mehr existierenden Zeitschrift Forum, Menno ter Braak und E. du Perron, die sich für den ´Dichter` und gegen die ´Form` aussprachen, wurde die 1957 gegründete Zeitschrift zunächst von persönlichen Gedichten und autobiografischen Geschichten geprägt. Inzwischen hat Tirade eine lange Entwicklung hinter sich, bei der auch die Aufmerksamkeit für bildende Kunst zurückgelassen wurde.

Autorin: Annabelle Arntz
Erstellt: November 2006
Aktualisiert: April 2018, Kathrin Lange