II. Die Buchbranche in den Niederlanden

Es gibt ungefähr 24 Millionen Menschen, die Niederländisch sprechen. Davon wohnen etwa 17 Millionen in den Niederlanden, 6,5 Millionen in Belgien und 400.000 in Surinam. Niederländisch liegt auf dem achten Platz der Sprachen in der EU, wenn man die Anzahl Muttersprachler als Grundlage nimmt. Und für eine kleine Sprachgemeinschaft ist eine eigene Buchkultur unverzichtbar und überlebenswichtig. Denn Sprache ist Voraussetzung zur Bildung einer eigenen Identität.

Seit 2009 vermeldet der niederländische Buchmarkt erstmals wieder einen Aufwärtstrend, das erste Halbjahr 2015 schloss mit einem Umsatzplus von 3% ab. Bis 2005 entstanden feste Buchpreise auf der Grundlage einer Absprache zwischen Verlegern und Buchhändlern, danach wurde diese Übereinkunft gesetzlich festgehalten.

Es gibt in den Niederlanden rund 1.480registrierte Verlage, wobei 100 von ihnen rund 95% aller Titel produzieren. Wie überall gibt es auch hier starke Konzentrationsbestrebungen,in der Regel bleiben die individuellen Profile der einzelnen Verlage aber weitgehend erhalten. Trotz dieser Tendenz findetauch eine Vielzahl von kleinen, unabhängigen Verlagen auf dem niederländischen Markt Platz: Prometheus Bert Bakker, De Geus, Podium, Cossee, Wereldbibliotheek, Van Oorschot.

Die größtenVerlage in den Niederlanden sind:

  • Reed Elsevier und Wolters Kluwer (beide im Segment Wissenschaft und Fachinformation international etabliert)
  • Verlagsgruppe WPG (Weekbladpers Groep): Presse, Schulbuch, Belletristik und Sachbuch; sowohl in den Niederlanden als auch in Flandern aktiv; zugehörige Verlage u.a.: Bruna, De Bezige Bij, Querido, Ploegsma, Leopold, Davidsfonds Uitgeverij, Manteau, Standaard
  • VBK: Presse, Schulbuch, Belletristik und Sachbuch; sowohl in den Niederlanden als auch in Flandern aktiv; zugehörige Verlage u.a.: Luitingh
  • Sijthoff, Kosmos, Van Dale, De Fontein, Veen Media, Ambo/Anthos, Atlas/Contact
  • Lannoo Meulenhoff Publishing Group

Der Anteil der Übersetzungen in der niederländischen Buchproduktion liegt bei schätzungsweise 75%. Wichtigste Herkunftsspracheistmit Abstand englisch, es folgen die skandinavischen Sprachen wegen der erfolgreichen Krimiautoren, dann in geringerem Maße Titel aus Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich. Auch immer mehr chinesische Titel finden ihren Weg auf den niederländischen Buchmarkt. Im Vergleich muss man feststellen, dass niederländische Literatur im deutschen Sprachraum mehr Aufmerksamkeit genießt als umgekehrt.

Bestsellergeschäfte

Größte Buchhandelsketten:

  • Bruna (375 Verkaufsstellen)
  • AKO: 85 Verkaufsstellen, viele davon an Flughafen und Bahnhöfen
  • Boekenpartners
  • Libris


Es gibt in den Niederlanden zahlreiche unabhängige Buchhandlungen, die meisten sind allerdings sehr klein.

Gleichwohl vergessen die Verleger ihre gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht: „Noch immer gilt, dass Poesie die Visitenkarte eines jeden Verlages ist“, so der Raad voor Cultuur. Renommierte Verlage veröffentlichen immer noch Gedichtbände, obwohl sie ein enormes Zuschussgeschäft sind. Geschäfte machen Verlage jedoch mit den Bestsellern.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: September 2004
Aktualisiert: Mai 2010, sowie April 2018 von Katrin Lange