Religion und Kirche in den Niederlanden


I. Einführung

Marien-Mosaik aus der aufgrund einer rückläufigen Anzahl an Kirchgängern 1981 abgerissenen katholischen Brandtstraatkerk in den Haag
Marien-Mosaik aus der aufgrund einer rückläufigen Anzahl an Kirchgängern 1981 abgerissenen katholischen Brandtstraatkerk in den Haag, Quelle: Roel Wijnands/cc-by-nc

Religion und Kirche sind nicht zuletzt in der Selbstwahrnehmung der Niederländer verhältnismäßig schwierige Themen. Die Niederlande wurden in der Vergangenheit und werden bis heute von unterschiedlichen, teilweise sehr widersprüchlichen Merkmalen geprägt: Eine einzigartige religiöse Vielfalt geht mit einem sehr hohen Grad der Entkirchlichung zusammen. Amsterdam ist im Ausland als die Stadt bekannt, die weder Gott noch seine Gebote kennt und wo alles Mögliche gestattet oder zumindest geduldet ist. Und so präsentiert sie sich auch nach außen[1]. Trotzdem können auch hier immer wieder überraschende Elemente christlicher kultureller Prägung wiedergefunden werden. Der Mittelpunkt des Amsterdamer Rotlichtviertels wird zum Beispiel durch die protestantische Oude Kerk (Alte Kirche) gebildet, die nach wie vor als Kirche genutzt wird.

Der Umgang der Niederländer mit ihrem christlichen Kollektivgedächtnis sowie mit ihrem reichen religiösen Erbe ist manchmal genauso zwiespältig und paradox. Die „jüdisch-christliche kulturelle Identität“ wird einerseits gern gegen den Islam ausgespielt. Andererseits besteht in manchen Kreisen eine bestimmte Verschämtheit, ein unbequemes Schweigen über die eigene religiöse Vergangenheit. Dafür kann der Umgang mit religiösen Feiertagen an öffentlichen Grundschulen in den Niederlanden als Beispiel dienen: In den letzten Jahren wurde die Behandlung des Ramadanfestes (Zuckerfestes) ins Kurrikulum vieler Grundschulen aufgenommen – dies zeuge von Respekt für die muslimischen Mitbürger und würde die multikulturelle Einstellung des Landes betonen. Auf der anderen Seite wird jede religiöse Konnotation von Weihnachten so weit wie möglich in den Hintergrund verdrängt, denn das würde die Identität der Schule als „öffentlich“, also nicht-religiös gebunden, beeinträchtigen. Ob christliche Kinder in der Klasse vielleicht ein Interesse daran hätten, über einen Teil ihrer eigenen religiösen Herkunft aufgeklärt zu werden, wird dabei kaum in Betracht gezogen.


[1] Vgl. Kennedy, James: Die Grenzen der Toleranz. Freiheit, Autorität und die niederländische Gesellschaft, in: Wielenga, Friso/Taute, Ilona: Länderbericht Niederlande. Geschichte - Wirtschaft - Gesellschaft, Bonn 2004, S. 189–239.

Autor: Kristian Mennen
Erstellt:
November 2013


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