Kultur- Und Mentalitätsunterschiede


X. Essen

Auch hinsichtlich der Esskultur ist die kalvinistische Nüchternheit von großem Einfluss gewesen. Etwas vereinfacht kann man sagen: Essen muss satt machen, darf nicht viel kosten und sollte vor allem die Arbeit nicht beeinträchtigen. Es ist daher nicht üblich, mittags eine üppige warme Mahlzeit zu verzehren oder Alkohol zu trinken. Das kostet viel Zeit und macht nur müde.

In den Großstädten gibt es zahlreiche Cafés, in denen sich mittags Geschäftsleute gegenüber sitzen und ein Brötchen essen. Dazu ist es üblich, ein Glas Milch zu trinken, oft auch Buttermilch. „Lunch“ heißt diese niederländische Mittagsmahlzeit, ausgesprochen wie „lünsch“. Meist wird am Abend warm gegessen, und zwar in der Regel schon gegen 18.00 Uhr.

Nun sind die Niederländer durchaus darüber im Klaren, dass in anderen Ländern auch mittags warm gegessen wird. Es käme ihnen aber nicht in den Sinn, deshalb ihre Gewohnheiten zu ändern oder zu überlegen, dass der Gast sich vielleicht wohler fühlen könnte, wenn man seinen Magen – bekanntermaßen ja ein sehr gewöhnungsabhängiges Organ – mittags mit Fleisch und Beilagen erfreut. Auch hochrangiger Besuch muss sich oft mit einem Käsebrötchen und Buttermilch begnügen. Also, nehmen Sie es nicht persönlich.

Dik Linthout schildert in seinem Buch Frau Antje und Herr Mustermann. Niederlande für Deutsche den folgenden Fall: „Als ein niederländischer und ein deutscher Betrieb miteinander fusionieren wollten, empfingen die Deutschen ihre neuen niederländischen Verhandlungspartner und servierten Mittags ein ausgezeichnetes Vier-Gänge-Menü. Beim Gegenbesuch reichten die Niederländer ihren deutschen Gästen weiche Semmeln und eine Tasse Suppe, die im Stehen gelöffelt wurde. Nachdem die Mitarbeiter des deutschen Unternehmens ein interkulturelles Training absolviert hatten, bekamen ihre niederländischen Kollegen bei der nächstfolgenden Fusionsbesprechung ebenfalls Brötchen mit Suppe.“

Das mag nun alles etwas übertrieben klingen, und in der Tat, es beschreibt auch nur die grobe Richtung. In den südlichen Provinzen etwa wird viel mehr Wert auf gutes Essen gelegt, und im ganzen Land gibt es Restaurants, in denen man auch mittags eine warme Mahlzeit bekommt. Aber es ist eben weniger üblich als in Deutschland.

Das niederländische „Nationalgetränk“ ist übrigens der Kaffee. Kein Gespräch ohne Kaffee, Kaffee wird zu jeder Tageszeit getrunken. Wundern Sie sich also nicht, wenn man Ihnen abends um halb neun noch eine Tasse anbietet.

Was das Bezahlen in Cafés und Restaurants betrifft: Es ist eher unüblich, dass jeder einzeln bezahlt. Meist wird zusammengelegt, ganz im Widerspruch zu dem Ausdruck dutch treat (etwa: Einladung auf Holländisch), der ja gerade das getrennte Bezahlen meint. Und wenn man in der Kneipe steht und gemeinsam etwas trinkt, werden abwechselnd Runden gegeben. In der Regel bestellt man diese Runden direkt an der Theke, denn in vielen Kneipen ist es nicht üblich, dass ein Ober an den Tisch kommt. Das heißt dann nicht, dass man Sie als deutschen Gast links liegen lässt.

Autorin: Ute Schürings
Erstellt:
Januar 2008


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Weitere Informationen in unserem Dossier Essen in den Niederlanden

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Linthout, Dik: Frau Antje und Herr Mustermann. Niederlande für Deutsche, Berlin 2004.

Müller, Bernd: Vorbild Niederlande? Tips und Informationen zu Alltagsleben, Politik und Wirtschaft, Münster 1998.

Schürings, Ute: Zwischen Pommes und Praline. Mentalitätsunterschiede, Unternehmens- und Verhandlungskultur in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Nordrhein-Westfalen, Münster 2003.

Thomas, Alexander / Schlizio, Boris U. (Hrsg.): Leben und arbeiten in den Niederlanden. Was Sie über Land und Leute wissen sollten, Göttingen 2007.

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